Corona-Sprechstunde:

Corona und der Urlaub in Italien, Spanien & Co: Das sagen Experten über das Reisen in der Krise

Urlaub ist auch in der Corona-Krise mittlerweile wieder möglich. Experten erklären, welche Risiken und Vorsichtsmaßnahmen beim Reisen, am Flughafen & Co. zu beachten sind.

Alexander LaukenmannFraport-Manager
Jonas Schmidt-ChanasitVirologe
Dörte KleinLufthansa-Vertreterin
Kai-Oliver KruskeReiserechtsexperte

Ich möchte mit meiner Freundin in den Semesterferien eine Rundreise durch Italien unternehmen. Wir sind beide Mitte 20. Das ist doch kein Problem, oder?
Schmidt-Chanasit: Pauschal würde ich von nichts abraten! Man muss sich das spezifische Risiko angucken, dafür gibt es die reisemedizinische Beratung. Gerade als junger Mensch ohne Vorerkrankung ist das Risiko viel höher, dass ich einen Unfall mit einer Vespa habe, als dass ich an Corona sterbe. Unfälle sind das größte Risiko auf Reisen. Es wird auch nicht mehr in dem Maße passieren, dass Reisende das Virus aus dem Ausland mit zu uns bringen. Außerdem ist es ja sowieso bei uns, es zirkuliert nach wie vor. Insofern ist es nicht relevant, ob jetzt 10, 20 oder 100 Infektionen nach Deutschland importiert werden.

LandItalien
Bevölkerung60,36 Millionen (2019)
Hauptstadt Rom
RegierungssystemParlamentarische Demokratie
Fläche301,338 Quadratkilometer
Bevölkerungsdichte200 Einwohner pro Quadratkilometer
StaatsüberhauptMinisterpräsident Giuseppe Conte
Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut

Wir wollen nicht fliegen, sondern Urlaub an der Ostsee machen. Wie schätzen Sie das Risiko in Zeiten von Corona ein?Schmidt-Chanasit: An die Ostsee kann ich mit dem Auto fahren, dann habe ich ein geringeres Risiko, was die Corona-Infektion betrifft. Das ist etwas anderes, als mit 300 Leuten im Flieger zu sitzen. Wenn die Leute die Möglichkeit haben, in der Corona-Zeit in Deutschland Urlaub zu machen, ist das natürlich vorzuziehen.+ Gerade wenn man sich Orte aussucht, wo nicht viele Menschen sind, im Wald oder im Gebirge. Wenn man da ein Haus hat oder eine kleine Unterkunft, ist das hervorragend.

Urlaub in der Corona-Zeit: Risiken und Maßnahmen gegen eine Infektion mit COVID-19

Wie hoch ist das Risiko, sich an Bord mit dem Coronavirus anzustecken?
Klein: Grundsätzlich ist das Risiko, sich während einer Flugreise mit dem Coronavirus anzustecken, sehr gering. Die Kabinenluft ist eine Mischung aus kontinuierlich zugeführter Außenluft und gefilterter Kabinenluft. Unsere Flugzeuge sind mit speziellen Filtern ausgestattet, die die Kabinenluft von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren säubern.

Dörte Klein, Expertin für Onboard Services der Lufthansa

Sehen Sie die engen Sitzreihen eines Flugzeugs als Infektionsrisiko?
Schmidt-Chanasit: Wenn man den Abstand nicht einhalten kann, ist das natürlich ein Risiko für eine Coronainfektion. Das gilt nicht nur im Flugzeug, sondern überall. Dort trifft man bestimmte Maßnahmen, um auf den engen Abstand zu reagieren. Rein aus virologischer Sicht würde ich mir den Abstand wünschen, aber ich verstehe natürlich auch die andere Seite. Der Kompromiss ist dann der Mund-Nasen-Schutz. Besser wäre aber natürlich Abstand.

Welche allgemeinen Änderungen gibt es in Folge von Corona für Flugreisende in der Kabine?
Klein: Seit dem 8. April ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wegen Corona an Bord unserer Maschinen verpflichtend. Zudem bekommt jeder Gast beim Einsteigen ein Desinfektionstuch überreicht. Des Weiteren wurden einige Anpassungen im Service vorgenommen, um die Interaktion zwischen Crew und Gästen zu minimieren.

Reisen in der Corona-Zeit: Das muss am Flughafen beachtet werden

Welche Vorsichtsmaßnahmen empfehlen Sie uns für eine Flugreise in der Coronazeit?
Schmidt-Chanasit: Die Maßnahmen, die jetzt auch wegen Corona vorgeschrieben sind. Dass man gerade beim Einchecken am Flughafen Abstand hält und Mund-Nasen-Schutz trägt in Situationen, wo das nicht eingehalten werden kann. Im Flugzeug ist man ja letztendlich den Regularien der Fluggesellschaften unterworfen, dort kommt dann eben noch dazu, dass man den Mund-Nasen-Schutz tragen soll.

Wir haben zwei kleine Kinder. Sind Umherlaufen und Essen während des Fluges erlaubt?
Klein: Im Interesse aller Gäste bitten wir unsere Passagiere, möglichst auf ihren Sitzen zu verbleiben. Wir freuen uns über Kinder an Bord und hoffen, dass der Blick aus dem Fenster spannend für sie ist. Wir sind jederzeit für die Eltern da. Der Mund-Nasen-Schutz darf für Essen und Trinken kurz abgesetzt werden.

3.06.2020, Spanien, Palma: Ein Kellner mit Mundschutz bedient die Kunden der Bar Purobeach in Cala Estancia am Strand Playa de Palma. Urlaub ist in der Corona-Pandemie in vielen Ländern Europas wieder möglich. Foto: Clara Margais/dpa

Urlaub in der Corona-Zeit: In welche Länder darf man einreisen?

Wie stelle ich sicher, dass ich in mein Zielland einreisen darf?
Laukenmann: Abfliegende Passagiere werden dringend gebeten, sich vor Reiseantritt mit ihrer jeweiligen Airline in Verbindung zu setzen und fluglinienspezifische Regelungen in der Corona-Krise zu erfragen. Darüber hinaus empfehlen wir dringend, sich vor der Reise Informationen sowie weitere länderspezifische Reise- und Sicherheitshinweise über die Website des Auswärtigen Amtes einzuholen oder, für Reisen innerhalb der Europäischen Union, auf Re-open-EU.

Alexander Laukenmann, Geschäftsbereichsleiter Flugbetrieb und Terminalmanagement Fraport

Wir zögern mit unserer Urlaubsplanung. Gibt es EU-Länder, die trotz Reiselockerungen besser nicht bereist werden sollten?
Schmidt-Chanasit: Pauschal würde ich das nicht sagen. In den meisten Ländern gibt es eine relativ gute Überwachung des Infektionsgeschehens. Dort, wo viele Corona-Infektionen auftreten, gibt es auch partielle Lockdowns, wie man jetzt in Nordspanien sehen kann. Da muss man das tagesaktuelle Geschehen beobachten und dann sagen: Das Risiko sich mit Corona zu infizieren, ist mir hier zu hoch, da fahre ich jetzt nicht hin.

Welche Corona-Auflagen gibt es in den Terminals?
Laukenmann:

  • Während der Corona-Krise ist das Tragen eines Mundschutzes ist in den Terminalanlagen, Geschäften und Transportmitteln (Busse, SkyLine-Bahn) verpflichtend. Davon ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren und Personen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung keinen Mundschutz tragen können.
  • Zur Erinnerung und zum allgemeinen Schutz für alle Reisenden während der Corona-Krise haben wir entsprechende grüne Bodenmarkierungen und Hinweisschilder angebracht.
  • Darüber hinaus haben wir alle Schalter mit Plexiglasabtrennungen versehen. In den Geschäften und Restaurants im Flughafen bitten wir Sie, möglichst bargeldlos zu bezahlen.
  • Im Terminal stehen Ihnen in der Corona-Krise Desinfektionsspender zu Ihrer Nutzung zur Verfügung. Wir weisen zudem auf die allgemeinen Hygieneempfehlungen hin, regelmäßig die Hände mit Wasser und Seife für mindestens 20 Sekunden zu waschen.
  • Wir haben unsererseits die Reinigungsintervalle angepasst und desinfizieren regelmäßig alle Kontaktflächen in den Terminals und Transportmitteln.

Was mache ich, wenn ich bei jemand anderem oder mir selbst Corona-Symptome feststelle?
Laukenmann: Gerade in der Corona-Zeit gilt natürlich, dass man die Reise nicht antreten sollte, wenn man sich krank oder unwohl fühlt. Falls Sie aber während Ihres Aufenthalts am Flughafen Frankfurt feststellen sollten, dass sich Ihr Gesundheitszustand oder Ihr Allgemeinbefinden verschlechtern, wenden Sie sich bitte umgehend an unser Personal und bitten es um medizinische Hilfe. Bei Bedarf können Sie sich gerne in unserer Notfallambulanz im Medical Center untersuchen und behandeln lassen.

Muss ich mehr Zeit für die Abfertigung einplanen?
Laukenmann: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Tipps für einen guten Urlaubsstart auch während der Corona-Krise:

  • Auch vor Ihrem Urlaub in der Corona-Krise, sollten Sie von zu Hause aus online einchecken, frühzeitig anreisen, nach der Gepäckaufgabe direkt zur Sicherheitskontrolle gehen und nur ein Handgepäckstück mitnehmen.
  • Prüfen Sie vorab, was in den aufgegebenen Koffer gehört und was ins Handgepäck darf.
  • Damit vermeiden sie unliebsame Überraschungen an der Sicherheitskontrolle und tragen zu einem reibungslosen Prozessablauf am Flughafen bei.

Trotz Corona in den Urlaub: Quarantäne-Regeln im Urlaubsland

Was droht mir rechtlich, wenn ich im Urlaubsland gegen Quarantäneregeln verstoße oder sogar jemanden anstecke?
Kruske: Darüber hat die Verbraucherzentrale leider keinen Überblick. Quarantäneregeln sind Gefahrenabwehrrecht der Mitgliedsstaaten in der Corona-Krise, hier gelten also mindestens 27 verschiedene Gesetze.

Kai-Oliver Kruske, Reiserechtsexperte der Verbraucherzentrale Hessen

Kann ich auf einer kostenlosen Umbuchung bestehen, wenn sich die Situation im Zielland verschlechtert? 
Kruske: Eine gravierende Verschlechterung erlaubt weiterhin die kostenfreie Stornierung einer Pauschalreise in der Corona-Krise. Neben einer Reisewarnung können auch andere Aspekte dazu führen, dass die Reise zu gefährlich ist.

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich eigentlich gegenüber einer Fluggesellschaft, wenn ich in der Coronazeit auf eigene Faust buche und in ein Risikogebiet fliege, dort erkranke und früher zurück will?
Kruske: In einem solchen Fall sind Sie selbst für Ihren Rücktransport verantwortlich.

Wer übernimmt zusätzliche Übernachtungs- oder Transportkosten, wenn Rückflüge wegen Corona überbucht sind und Zusatzmaschinen nicht unmittelbar zur Verfügung stehen?
Kruske: Bei einer Pauschalreise muss diese Kosten der Reiseveranstalter übernehmen, bei Flugbuchungen die Airline.

An Bord gelten strenge Regeln. Wer bei der Reise gegen Corona verstößt*, dem drohen Konsequenzen.

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Rubriklistenbild: © Clara Margais

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