+

Vorbereitung auf das Leben: Bildung mit Herz und Verstand

„Nö, ich bin eigentlich nicht jüdisch, aber alle meine Freundinnen hier sind jüdisch“, antwortet Anne auf die in letzter Zeit so häufig gestellte Frage nach der Religion, wenn über „die jüdische Schule in Frankfurt“ berichtet wird.

Um die Frage nach dem Jüdischsein gleich zu beantworten: Die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler kommt aus jüdischen Familien aus der ganzen Welt, das Mittagessen in der Mensa ist koscher und die jüdische Kultur und Religion werden so gelebt, dass alle religiösen Strömungen in der Schule respektiert werden.

Lichtigfeld-Schule im Philanthropin

Ein zentrales Ziel der Schule ist die Vermittlung und Stärkung einer jüdischen Identität. Dies gilt gerade auch für Kinder, die aus Familien kommen, die das zwar wünschen, denen dies aber aus den verschiedensten Gründen in ihrer Familiengeschichte und ihrem Alltag mehr oder weniger verlorengegangen ist. Und in den Zeiten des wachsenden Rechtspopulismus und Antisemitismus können jüdisches Leben und jüdische Identität gar nicht genug mit Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit gelebt werden.

Die Schule als Lernort für Toleranz

Dabei scheint es so zu sein, dass die Erziehung zu „jüdischen Werten“, der freundliche, tolerante und verbindliche Umgang miteinander in letzter Zeit zunehmend Kinder und Jugendliche auch aus nichtjüdischen Familien anzieht; vielleicht gelingt es hier in der I. E. Lichtigfeld-Schule im Philanthropin, in der quirligen Großstadt Frankfurt einen gesellschaftlich hilfreichen Wertekanon der Mitmenschlichkeit und Verlässlichkeit vorzuleben, der Heranwachsenden die nötige Ruhe und Stabilität vermittelt, die ihnen später ermöglicht, nach ihren eigenen Lebensentwürfen zu forschen.

Berichte in den Medien gibt es immer wieder, in denen die Schule Erwähnung findet. Denn als erste jüdische Schule in Deutschland nach der Schoa und einzige in Hessen konnte die 1966 wieder eröffnete Institution 2016 bereits ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Zunächst als winzige Grundschule eingerichtet, wurde sie 1986 um die Jahrgangsstufen 5 und 6 und 2006 als staatlich anerkanntes Mittelstufengymnasium nach dem G8-Modell bis zur Jahrgangsstufe 9 erweitert – und seit diesem Schuljahr 2018/19 hat die Gymnasiale Oberstufe mit dem ersten Jahrgang ihre Arbeit aufgenommen.

„Stätte der Menschlichkeit“

Das denkmalgeschützte Schulgebäude in der Hebelstraße im Frankfurter Nordend und der entsprechende Zusatz im Schulnamen verweisen darauf, dass die eigentliche Schulgeschichte jedoch viel weiter zurück reicht: Gegründet 1804 als Philanthropin, als „Stätte der Menschlichkeit“, unterrichteten hier im Geiste der Aufklärung nahezu von Beginn an jüdische und nichtjüdische Pädagogen jüdische und nichtjüdische Schülerinnen und Schüler – bis auch die lange und erfolgreiche Bildungstradition durch die Nationalsozialisten zerstört wurde.

Heute gehen wieder jeden Morgen rund 450 Mädchen und Jungen von der zweiten bis zur neunten Klasse in das im Inneren völlig erneuerte Schulgebäude mit seinem markanten Turm. Die Kinder der zweijährigen Eingangsstufe sind im Gebäudekomplex des Ignatz-Bubis-Gemeindezentrums im Westend untergebracht. Dort, im Westend, wird derzeit ein neues Schulgebäude für die Grundschule errichtet, um im Philanthropin Räumlichkeiten für den Betrieb der Oberstufe freizumachen.

Geschätzt wird bei Eltern wie Schülern, dass die Schulklassen mit maximal 22 Kindern so klein sind, dass „du mehrmals die Stunde drankommst“, wie ein Schüler die Vorteile seines Englischunterrichts beschreibt. Auf „der Lichtigfeld“ kann man nicht anonym bleiben. Man kennt sich und lebt miteinander. Über den eigenen Klassenverband hinaus wird der Jahreskreis durch die jüdischen Feste strukturiert: klassenübergreifend gemeinsam basteln, malen, lernen, die Festdekoration entwerfen – all die gemeinsamen Ideen und deren praktische Umsetzung inspirieren und verbinden. Zur Unterrichtsgarantie und der Erfüllung des Lehrplans wie an staatlichen Schulen auch kommen regelmäßige themenbezogene Projekttage, Lesungen, der jährliche Vorlesewettbewerb in der Aula, die filmischen, naturwissenschaftlichen und sprachlichen Wettbewerbe sowie die fächer- und jahrgangsbezogenen Klassenfahrten: Berlin und Israel sind die besonderen Highlights. Bildung mit Herz und Verstand - für ein erfolgreiches und glückliches Leben

Um die Schülerinnen und Schüler nach ihren individuellen Begabungen gut auf das Leben vorzubereiten, nimmt die Schule die einzelnen Persönlichkeiten ernst und fördert und unterstützt sie intensiv. Dabei ist den Lehrerinnen und Lehrern die enge Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus überaus wichtig. In welchem Alter auch immer die Kinder und Jugendlichen entlassen, für das Leben freigegeben werden – die Schule hofft, dazu beigetragen zu haben, ihnen das Rückgrat zu stärken und ihnen Selbstvertrauen und Freude zu vermitteln: Bildung mit Herz und Verstand als Vorbereitung auf ein erfolgreiches und glückliches Leben.

Weitere Informationen über die I. E. Lichtigfeld-Schule, ihr Lehrprogramm und viele Impressionen aus ihrem täglichen Leben finden Sie auf der Homepage. Fragen oder Anregungen richten Sie bitte per Email an: Lichtigfeld-Schule@jg-ffm.de .

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare