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Einer für alle Fälle: Für manche Autofahrer können sich Ganzjahresreifen lohnen.

Für wen sich Ganzjahresreifen lohnen

Immer mehr Autofahrer scheinen von Ganzjahresreifen überzeugt zu sein. Immerhin stieg im vergangenen Jahr deren Anteil um rund zwei Prozentpunkte auf gut 16 Prozent, wie die Statistik des Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) erklärt.

Immer mehr Autofahrer scheinen von Ganzjahresreifen überzeugt zu sein. Immerhin stieg im vergangenen Jahr deren Anteil um rund zwei Prozentpunkte auf gut 16 Prozent, wie die Statistik des Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) erklärt.

Die Entwicklung ging zu Lasten von Sommerreifen. Neben „Convenience-Gründen” - die beiden wegfallenden Umrüsttermine - sei die Entwicklung auch dadurch bedingt, dass es seit mehreren Jahren in großen Teilen Deutschlands „keinen echten Winter” und entsprechende Straßenverhaltnisse mehr gegeben habe, sagt BRV-Geschäftsführer Hans-Jurgen Drechsler.

Auch Tests sprechen nicht grundsätzlich gegen die Allrounder: Viele bewältigten mittlerweile den Spagat der kurzen Bremswege sowohl auf Eis und Schnee als auch auf trockener, warmer Fahrbahn, hält der ADAC anlässlich eines Reifentests fest, schränkt aber ein: Obwohl manche Ganzjahresreifen beim Bremsweg entweder an die Messwerte der Sommer- beziehungsweise Winterreifen sogar heranreichten, seien die Spezialisten für ihren Einsatzzweck noch immer die besseren Reifen, die Allwetterlösung sei nach wie vor ein Kompromiss.

Und laut Auto Club Europa (ACE) sollten sie bei durchschnittlicher Fahrleistung grundsätzlich zwei Winter und zwei Sommer durchhalten. Im Sommer genutzt, werden in Tests von Automobilclubs und Fachzeitschriften stets längere Bremswege ermittelt. Unter gleichen Voraussetzungen kommen Sommerreifen auf trockener Straße 5,4 Meter vorher zum Stehen, so ein Durchschnittswert, den der BRV nennt.

Doch nicht jeder Autofahrer setzt die rollenden Gummis unter seinem Auto einem ultimativen Stresstest aus. Und nicht jeder nutzt die besseren Performance-Eigenschaften der Spezialisten aus - weswegen Ganzjahresreifen je nach Einsatzzweck und Beanspruchung auch ganz unbedenklich gefahren werden können. „Viele Autos sind überwiegend in der Stadt unterwegs, und da kommt ein guter Ganzjahresreifen mit normalem Winterwetter problemlos zurecht”, sagt Michael Staude, Reifenexperte beim Tüv Süd. Dies gelte besonders für Zweitwagen, auf deren Einsatz man bei ungewöhnlich winterlichen Straßenverhältnissen sowieso oft verzichte.

Ganzjahresreifen könnten laut BRV eher fur Klein- und Kompaktwagen mit relativ geringer Motorisierung und niedrigen Kilometerlaufleistungen empfohlen werden. Ähnlich äußert sich der ADAC: Die Allrounder seien nur für Fahrer empfehlenswert, die keinen Ski- oder Sommerurlaub im Süden planten. „Die jeweiligen Spezialisten - reinrassige Sommer- beziehungsweise Winterreifen - sind immer die bessere Wahl bei extremen Wetterbedingungen”, sagt ADAC-Sprecher Johannes Boos.

„Ein gewichtiges Argument für den Umstieg auf Ganzjahresreifen sind die niedrigeren Investitionen”, sagt Staude. So entfalle nicht nur ein zweiter Satz Felgen. Sind am Auto direkt messende Sensoren zur Reifendruckkontrolle vorgesehen, braucht es auch hier einen zweiten Satz. Dafür könne schon mal um die 200 Euro fällig werden. Auch die zwei Mal jährlich anfallenden Montagekosten mit je 20 bis 40 Euro spart sich der Fahrer von Ganzjahresreifen sowie eventuell Einlagerungskosten von rund 50 Euro pro Saison oder das Auswuchten.

Diese Rechnung muss aus Sicht des Reifenverbandes korrigiert werden: Drechsler bezweifelt zwar das Sparpotenzial nicht grundsätzlich. Doch zur „objektiven Kostenbetrachtung” müsse man auch wissen: Die Anschaffungskosten lägen durchschnittlich auf dem Preisniveau von Winterreifen, und die Laufleistung eines Satzes deutlich unter dem kombinierten Einsatz von Sommerreifen und Winterreifen. „Nach unseren Erfahrungen und bis dato von den Reifenherstellern unwidersprochen bei bis zu 30 Prozent”, sagt Drechsler. Je nach Laufleistung des Fahrzeugs würden die Mehrkosten deutlich relativiert, teils sogar kompensiert.

(Von Stefan Weißenborn, dpa)

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