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Hundehalter mit erhöhtem Corona-Infektionsrisiko? Ergebnisse einer Studie umstritten

  • vonTobias Ketter
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Laut einer Studie ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, für Halter von Hunden deutlich größer als für Menschen ohne Tier. Die Ergebnisse sind aber umstritten.

  • Spanische Forscher wollen herausgefunden haben, dass Hundebesitzer sich häufiger mit Corona anstecken.
  • Wie es dazu kommt, ist bisher noch nicht sicher geklärt.
  • Die Welttierschutzgesellschaft hält eine Ansteckung durch den Hund aber für unwahrscheinlich.

Frankfurt – Das Coronavirus hat Hessen fest im Griff. Menschen können sich auf die verschiedensten Arten anstecken. Beispielsweise durch engen Kontakt mit einer positiv getesteten Person. Doch stellen auch Hunde ein erhöhtes Infektionsrisiko für ihre Besitzer dar? Laut einer neuen Studie aus Spanien ist dies der Fall.

Laut einer Studie ist die Gefahr einer Corona-Infektion für Hundehalter besonders hoch.

Corona: Studie warnt vor erhöhter Ansteckungsgefahr für Hundebesitzer

Bisher ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Haustiere bei der Übertragung des Coronavirus auf den Menschen keine Rolle spielen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, auf seiner Homepage schreibt. Spanische Forscher behaupten nun das Gegenteil. Laut ihrer Studie ist das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, um 78 Prozent höher, wenn man mit einem Hund zusammenlebt und mit diesem im Freien spazieren geht. „Die Ergebnisse unserer Forschung warnen vor einer erhöhten Ansteckung unter Hundebesitzern“, sagt Professorin Cristina Sánchez González gegenüber der Zeitung „Dailymail“.

Die spanische Studie besagt, dass sich Hunde draußen das Coronavirus einfangen, indem sie kontaminierte Oberflächen berühren. Streichelt der Halter anschließend das Tier, könne das Virus auf ihn übertragen werden. Deshalb empfehlen die Forscher laut RTL, dass Hundebesitzer während und nach dem Spaziergang besonders auf die Hygiene achten sollten.

Corona-Studie zu Hunden in Spanien: Über 2000 Menschen befragt

Für die Studie wurden in Spanien 2.086 Personen dazu befragt, was sie während der Pandemie getan haben und ob sie sich mit dem Coronavirus infizierten. Anschließend verglichen die Wissenschaftler die Ergebnisse, um herauszufinden, welche Betätigungen besonders riskant waren. Dabei bemerkten sie, dass das Spazierengehen mit dem Hund die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion deutlich erhöht.

„Der Grund für diese höhere Prävalenz muss noch geklärt werden“, so Sánchez González. Es seien nicht genügend Informationen vorhanden, um feststellen zu können, ob Hunde das Virus wie Menschen verbreiten oder einfach als Oberfläche fungieren, von der Mensch das Coronavirus aufnehmen könnte. Es sei auch möglich, dass sich Covid-19 in den Fäkalien der Tiere verbreite.

HaushundTier
Wissenschaftlicher Name: Canis lupus familiaris
Lebenserwartung: 10 bis 13 Jahre
Tragzeit: 58 bis 68 Tage
Täglicher Schlafbedarf: 12 bis 14 Stunden (Erwachsener)
Höhe: 15 bis 110 Zentimeter (Schulterhöhe)
Geschwindigkeit: Deutscher Schäferhund: 48 km/h, Greyhound: 72 km/h

Corona-Infektion durch den Hund: Virologe ist skeptisch

Die Ergebnisse aus Spanien klingen zunächst sehr beunruhigend für alle Hundefreunde. Doch wie aussagekräftig sind die neuen Erkenntnisse und ist es wirklich wahrscheinlicher sich als Hundehalter mit dem Coronavirus zu infizieren? Virologe Martin Stürmer aus Frankfurt ist da eher skeptisch. Theoretisch sei es zwar möglich, dass die Tiere als Oberfläche für das Virus fungieren, erklärt der Virologe. Er halte diesen Fall aber für wenig wahrscheinlich, wie er gegenüber RTL mitteilt.

„Es muss sich ja um eine Art Schmierinfektion handeln. Der Besitzer streichelt den Hund und führt sich dann die Hand direkt ins Gesicht“, sagt Stürmer. Er habe von einer solchen Art der Ansteckung noch nie gehört. Trotzdem rät er den Hundebesitzern und auch generell allen Menschen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, um dem Coronavirus eine möglichst geringe Chance zu geben. Diese Meinung teilt auch das Friedrich-Loeffler-Institut. Es empfiehlt, sich nach jedem Kontakt mit einem Haustier die Hände mit Seife zu waschen.

Tierschützer halten Corona-Ansteckung vom Hund zum Mensch für unwahrscheinlich

Auch die Welttierschutzgesellschaft hält eine Ansteckung durch das eigene Haustier für nahezu ausgeschlossen. „Im Grunde genommen kann natürlich jedes Tier, ganz genau wie auch Gegenstände, einen Virus auf sich tragen und somit weiter transportieren“, heißt es der Internetseite der Gesellschaft. Eine Ansteckung vom Tier auf den Menschen sei aber sehr unwahrscheinlich. Dazu könne es theoretisch kommen, wenn das Tier zuvor direkt von einem Erkrankten angehustet oder angeniest werde und der Erreger dann unmittelbar vom Tier an einen anderen Menschen weitergegeben werde, in dem er sich beispielsweise nach dem Streicheln mit der Hand ins Gesicht fasst.

Ob die Ergebnisse der spanischen Wissenschaftler tatsächlich die Forschung über die Verbreitung des Coronavirus voranbringen, bleibt abzuwarten. Fest steht freilich, dass Hundehalter zwar besonders auf die Hygiene achten sollten, aber keinesfalls das Tier in den eigenen vier Wänden einschließen müssen, um sich und es vor dem Virus zu schützen.

Tatsächlich können Coronaviren allgemein für Haustiere gefährlich werden. Von dem Fall des Schäferhund „Buddy“, der nach einer Corona-Infektion starb, erhoffen sich Forscher wichtige neue Einblicke. (Tobias Ketter)

Rubriklistenbild: © Emilio Morenatti/AP/dpa

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