Kastration eines Hundes
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Halskrause nach der OP: Ob Hundehalter ihr Tier kastrieren lassen sollen, müssen sie gut abwägen - einige Argumente sprechen dagegen.

Vor- und Nachteile

Wann Sie Ihren Hund kastrieren lassen sollten

An eine Kastration knüpfen Halter oft Hoffnungen: Der Hund ist danach umgänglicher und weniger aggressiv. Dem ist aber nicht so. Wenig Gründe sprechen für diesen Eingriff.

Gießen/Berlin (dpa/tmn) - Mit hängenden Ohren tapst Podenco-Mix-Hündin Socke über die Wiese. Ein Schutzkragen liegt um ihren Hals. Socke wurde vor wenigen Tagen kastriert. Der Kragen soll verhindern, dass sie an die Wunde kommt.

Socke kommt aus Spanien. Über den spanischen Tierschutz war die Hündin vor dem Flug nach Deutschland kastriert worden.

Wäre Socke in Deutschland geboren und nicht über den Tierschutz vermittelt worden, wäre eine Kastration nicht so einfach möglich gewesen. Denn nach deutschem Recht widerspricht der medizinische Eingriff dem deutschen Tierschutzgesetz. «Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuführen», heißt es da unter anderem in Paragraf 1, Satz 2.

Kastration von Straßenkatzen ist legitim

«Aber es gibt Ausnahmen», sagt die Biologin Ursula Bauer vom Tierschutzverein Aktion Tier. «Hunde und Katzen zum Beispiel dürfen in Deutschland kastriert werden, wenn eine unkontrollierte Fortpflanzung verhindert und das Tier für eine weitere Haltung unfruchtbar gemacht werden soll. Dies ist zum Beispiel bei herrenlosen Straßenkatzen der Fall.»

Darüber hinaus darf der Tierarzt das Skalpell ansetzen, wenn die Gesundheit des Hundes gefährdet ist. «Würde bei der Hündin ein Tumor an der Gebärmutter oder den Eierstöcken diagnostiziert, würden wir kastrieren. Das gleiche gilt bei der Diagnose Diabetes mellitus», sagt Prof. Axel Wehrend. Er ist Fachtierarzt für Reproduktionsmedizin in der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie in Gießen.

Auch bei sogenannten Arbeitshunden wie Blindenhunden könne eine Kastration gerechtfertigt sein, damit sich die Tiere durch ihren natürlichen Geschlechtstrieb nicht ablenken lassen.

Eine Kastration kostet - je nach Aufwand - zwischen 150 und 250 Euro.

Kastrierte Hunde sind nicht umgänglicher

Dass kastrierte Hunde aber generell umgänglicher und unkomplizierter zu halten sind, dem widerspricht Tierarzt Ronald Lindner vehement. Er gibt unter anderem als TV-Tierarzt beim MDR Tipps.

Genau das Gegenteil sei oft der Fall. «Kastrierte Rüden und Hündinnen riechen aufgrund ihrer veränderten Hormonproduktion anders und werden von Artgenossen nicht als vollständig erkannt. Bei Zusammenkünften kann das zu Spannungen und schlimmstenfalls auch zu Konflikten führen», sagt Lindner.

Chemische Kastration kann eine Alternative sein

Im Zweifelsfall schlägt der Tierarzt zunächst eine chemische Kastration durch das Injizieren eines mit Hormonen angereicherten Chips vor. Dies kann man rückgängig machen. Chirurgisch kastrieren könne man den Hund im berechtigten Einzelfall anschließend immer noch.

Häufig bringen Halter Argumente vor, nach denen sich bei kastrierten Hündinnen keine oder deutlich weniger Mammatumore an der Milchleiste bilden. Sie reichen als Argument für den Eingriff aber nicht aus: Es darf kein gesundes Organ präventiv entfernt werden, nur weil der Tierhalter Angst hat, dass sich das Organ später einmal tumorös verändert.

Pro-Argumente für Kastration reichen oft nicht aus

Oft würde von Haltern auch das sogenannte Aufreiten von Junghunden missverstanden. In den meisten Fällen sei das Verhalten nicht sexuell motiviert. «Es wird oft eingesetzt, um einen Artgenossen «niederzuringen» oder in Konfliktsituationen Stress abzubauen», erklärt Wehrend.

Auch, um einer Scheinträchtigkeit entgegenzuwirken, würde heutzutage in der Regel nicht mehr kastriert. «Hündinnen, die zu Scheinträchtigkeit neigen, sollte man viel beschäftigen», rät Lindner. Außerdem sollten Halter eventuell angesammeltes Spielzeug als Welpenersatz wegräumen, um einen Nestbau zu verhindern.

«Heute wissen wir, dass kastrierte Hunde eher dazu neigen, an bestimmten Tumoren zu erkranken, die sonst selten vorkommen», sagt Axel Wehrend. Neuen Studien zufolge sei das Risiko bei kastrierten Hunden achtfach höher, zum Beispiel einen Tumor am Herzen oder eine Schilddrüsen-Überfunktion zu entwickeln.

Die Experten sind sich einig: Wer sein Leben mit einem Hund verbringen will, muss mit der Konsequenz leben, dass Rüden naturgemäß ihr Revier markieren, sowie an Hündinnen interessiert sind und dass Hündinnen zweimal im Jahr läufig werden.

Zur Info: Im Gegensatz zur Sterilisation, bei der bei weiblichen Tieren die Eileiter und bei männlichen Tieren die Samenstränge gekappt werden, werden bei der Kastration alle hormonproduzierenden Keimdrüsen entfernt. Bei der Hündin sind das die Eierstöcke und beim Rüden die Hoden.

© dpa-infocom, dpa:210318-99-877711/2

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