+

Verführt "Coin Master" Kinder und Jugendliche zum Glücksspiel?

Jan Böhmermann "zerstörte" am 10.10.2019 auf seinem "NEO MAGAZIN ROYALE"-YouTube-Kanal die Gaming-App "Coin Master" und wirft dem Hersteller, der israelischen Firma Moon Active, vor, Kinder und Jugendliche zum Glücksspiel verleiten zu wollen.

Einerseits durch die Verwendung einer virtuellen "Slot Machine" zur Generierung von "Coins" (der Hauptwährung des Spiels), andererseits durch das Engagement der Influencerin "Bibi", die gerade in der Zielgruppe der unter 14jährigen besonders bekannt und beliebt ist. Was ist an diesem Vorwurf dran? Zu Wort kommt auch Axel Weber, erfahrener Pressesprecher bei WestLotto.

Als Pressesprecher der Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG beschäftigt er sich seit etlichen Jahren intensiv mit dem Thema Glücksspiel und vertritt dementsprechend die Ansicht, dass erwachsene und mündige Bürger das Recht haben, sich mit fairen, legalen und staatlich beaufsichtigten Glücksspielen die Zeit zu vertreiben – und auch Geld einsetzen, gewinnen und verlieren zu dürfen. Kindern, Jugendlichen und Spielsüchtigen hingegen muss der Zugang zu Glücksspielen dauerhaft und zuverlässig verwehrt sein. Soweit zum Grundsätzlichen – nun aber zum Speziellen: Lässt sich "Coin Master" in die Glücksspiel-Kategorie einordnen? Und zielen die Werbespots, die Moon Active schalten ließ, explizit auf Kinder und Jugendliche ab?

Coin Master – die Slot Machine drehen und Dörfer verwüsten

Beschäftigen wir uns zuerst mit dem Spiel – das Grundprinzip ist simpel und aus unzähligen anderen Games bekannt: Wir müssen ein Dorf aufbauen und benötigen für jede Weiterentwicklung immer mehr sogenannte "Coins". Diese erhalten wir, indem wir andere Dörfer angreifen und verwüsten – oder durch Drehen des "Einarmigen Banditen". Der Clou: Wir können innerhalb eines bestimmten Zeitraums nur ein paar Mal die drei Walzen laufen lassen, steht uns aber der Sinn nach mehr, müssen wir Credits für echtes Geld kaufen. Die Optik hebt sich auch nicht vom Durchschnitt vergleichbarer Games ab und setzt auf bunte Farben, kindliche Charaktere und fröhliche Musik. Meine Einschätzung teilt auch Axel Weber, welcher auch Leiter der „Responsible Gaming Abteilung“ beim staatlichen Lotterieveranstalter WestLotto, also einer Stelle, die sich im staatlichen Glücksspielauftrag seit Jahren mit der Thematik Kinder- und Jugendschutz beschäftigt. "Das Spiel sticht nur durch den Einsatz der Slot Machine ein wenig aus dem üblichen Mainstream der Gratis-Games mit InApp-Käufen hervor. Dabei wird im Spielbetrieb schnell klar, dass die Walzen von einem Algorithmus und nicht von einem Zufallsgenerator gesteuert werden." Zudem versuchen die Spiele-Entwickler von Moon Active gewohnt hartnäckig, den User zur Verknüpfung mit Facebook und dem Zukauf von Coins zu verleiten. Gerade wenn man bereits einiges Realgeld investiert hat, macht die Accounts extrem wertvoll. Wird die App gelöscht, hilft nur noch die Datenrettung. Insofern erfordert "Coin Master" einiges an Selbstdisziplin, will man weiterhin wirklich kostenlos spielen können. Axel Webers Meinung ist daher ganz klar: "Für Kinder und Jugendlich eignen sich meiner Ansicht nach daher überhaupt keine Games mit InApp-Käufen. Hier sehe ich die Slot Machine nicht als alleiniges und entscheidendes Ausschlusskriterium, sondern eben bereits das dahinterliegende Monetarisierungsprinzip."

Bibi – Influencerin mit kritischer Zielgruppe

Völlig unangemessen empfindet der WestLotto-Pressesprecher hingegen das Werbe-Engagement der "Influencerin" Bianca „Bibi“ Heinicke – im Gegensatz zu den anderen Testimonials Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger richtet sich die Betreiberin des YouTube-Kanals „BibisBeautyPalace“ wirklich vorwiegend an Kinder und Jugendliche. "Diese Wahl war unbedacht und kurzsichtig – und führte nachvollziehbar zur öffentlichen Diskussion und der Prüfung durch die Landesmedienanstalt NRW", fügt er hinzu. Die Altersfreigabe auf 16 Jahre zu erhöhen, sollte diese Altersgruppe von "Coin Master" aber nur dann zuverlässig fernhalten, wenn auch die Eltern und Erziehungsberechtigten ihre Pflichten wahrnehmen und ihre Accounts nicht mit ihren Kindern teilen. Ansonsten lauern noch unzählige andere Games, die ebenfalls nur darauf abzielen, die Kreditkarten und Konten der User möglichst schnell zu leeren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare