+
Frankfurt ist eine Weltmetropole – doch dort lebt es sich bekanntlich auch teuer.

Mieten, Kaufen, Wohnen: So sieht es auf dem Frankfurter Immobilienmarkt aus!

Noch sind die Zinsen niedrig. Zudem befinden sich die Immobilienpreise in Frankfurt am Main weiterhin auf hohem Niveau. Ist jetzt also der richtige Zeitpunkt, um Wohnobjekte zu erwerben?

Frankfurt – Mit weit über 700.000 Einwohnern zählt Frankfurt am Main ohne Frage zu den größten Städten in Deutschland – und zu den wirtschaftlich wichtigsten. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die hessische Stadt am Main das Banken- und Börsenzentrum Deutschlands ist. Letztlich haben hier Finanzinstitute wie die Deutsche Bank oder Commerzbank ihren Firmensitz. Nach einem Brexit könnte sich sogar der europäische Finanzmarkt von London in Richtung Frankfurt verschieben

Doch wo viele Menschen arbeiten und noch mehr Geld von A nach B fließt, dort müssen Menschen natürlich auch wohnen. Und gerade aufgrund der zukünftig wohl weiterwachsenden wirtschaftlichen Bedeutung Frankfurts dürfte es in absehbarer Zeit noch enger im städtischen Zentrum werden. Dies belegen auch Zahlen:

  • Zuzüge / Wegzüge 2017: 63.186 / 57.809
  • Bevölkerung 1990 / Bevölkerung 2018: 622.776 / 747.848

Die Nachfrage für Wohnraum ist folglich hoch, das Angebot wird aber knapper und knapper. Für Mieter ist diese Entwicklung weniger erfreulich, Investoren und Immobilienbesitzer dürften sich darüber aber umso mehr freuen, denn seit Jahren steigen mit der wachsenden Einwohnerzahl natürlich auch die Preise für Immobilien und Mieten.

Mietpreisspiegel 2019 für Wohnungen in Frankfurt; 30, 60 und 100 m² im Länder- und Bundesvergleich

Frankfurt

Hessen

DE

30

21,81 €

16,03 €

11,34 €

60

15,29 €

10,92 €

7,87 €

100

15,07 €

10,70 €

9,22 €

Jahr

Frankfurt

DE

30

2011

12,28 €

7,63 €

30

2018

18,07 €

11,06 €

Jahr

Frankfurt

DE

60

2011

10,30 €

5,65 €

60

2018

13,96 €

7,59 €

Jahr

Frankfurt

DE

100

2011

11,13 €

6,11 €

100

2018

14,63 €

8,88 €

Doch damit scheint überraschenderweise nun Schluss zu sein. Eine aktuelle Untersuchung des Maklerunternehmens Von Poll Immobilien zeigt ein Ende des Preisanstiegs für Immobilien in Deutschlands Finanzzentrum. Doch wie ist das zu erklären?

Zahlen aus Frankfurter Immobilienspiegel trügen 

Die Studie untersuchte die Immobilienpreise in Frankfurt für das Jahr 2018. Das Ergebnis war, wie angekündigt, etwas überraschend. Denn der durchschnittliche Preis für Ein- und Zweifamilienhäuser verringerte sich um 6,7 Prozent auf knapp 529.400 Euro. Auch der Immobilienpreis für Eigentumswohnungen sank, wenn auch nur knapp um 1,9 Prozent auf 401.500 Euro.

Hauspreis in Frankfurt

Laufzeit Kredit

Monatliche Rate

529.400

120 Monate

5.724,42 €

Tabelle: Die Berechnung der Darlehenssumme haben wir mit dem Kreditvergleich von Kreditvergleich.net durchgeführt.

Bedeutet dies nun, dass der Immobilienboom endet und sich Investoren und Immobilienbesitzer allmählich Gedanken machen müssen? Höchstwahrscheinlich nicht, denn Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter und Mitgründer des Unternehmens Von Poll Immobilien, ist sich sicher: „Die Nachfrage nach Wohnimmobilien wird weiter bestehen und sogar steigen.“

Zudem ist bei etwas näherer Betrachtung der Datensätze zu erkennen, dass 2018 vor allem Immobilien am Frankfurter Stadtrand gekauft wurden. Und dort sind die Preise zumindest vergleichsweise noch günstiger als im oder in der unmittelbaren Nähe des Stadtzentrums. Von einem Abwärtstrend bei den Frankfurter Immobilienpreisen kann daher nicht wirklich die Rede sein.

Doch dies kann zumindest bedeuten, dass Immobilien am Frankfurter Stadtrand derzeit durchaus als lukratives Investment betrachtet werden können, auch wenn kein Eigenbedarf besteht. Denn selbstverständlich will nicht jeder kaufen, viele Personen suchen auch vorübergehenden Wohnraum zur Miete – und selbst der ist knapp bei weitersteigender Nachfrage. Für Investoren sind dies natürlich perfekte Voraussetzungen.

Wer also das nötige Kapital besitzt oder bereit ist, sich für ein Immobilieninvestment Kapital bei der Bank zu leihen, und zumindest etwas Risikobereitschaft nicht scheut, für denjenigen könnten Frankfurter Immobilien auch jetzt noch interessant sein, wobei Kosten und Erlöse potentieller Mietobjekte vorab über einen Mietrenditerechner ins Verhältnis gesetzt werden sollten, um das Investment fachgerecht bewerten zu können.

Kleine Eigentumswohnungen – große Kapitalanlage

Einen Haken hat die Entwicklung des Frankfurter Immobilienmarktes aber dennoch. Kaufinteressenten für Häuser und Wohnungen werden nämlich nur bedingt von den sinkenden Durchschnittspreisen profitieren können. Der Grund liegt nämlich in den simultan steigenden Quadratmeterpreisen für Eigentumswohnungen, die immer kleiner werden. Circa 5.166 Euro mussten Käufer noch im letzten Jahr für einen Quadratmeter zahlen. 2018 lag der Preis bereits bei stolzen 6.000 Euro, zumindest für Neubauten. Da scheint es nur schlüssig, dass in Frankfurt vor allem zum Zwecke der Kapitalanlage gebaut wird. Da werden dann gerne auch kleinere Wohnungen aus dem Boden gestampft, für die es dementsprechend nur eine überschaubare Zielgruppe gibt.

Letztlich geht es nämlich gar nicht ums Eigentliche, also um das Wohnen. Entstehen in Frankfurt neue Wohneinheiten, so steckt dahinter vor allem ein Investmentinteresse. Denn klar, aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sind Wohneinheiten mit Blick auf die Nachfragseite unabhängig ihrer Größe als Kapitalanlage durchweg attraktiv. „Im Moment baut man vor allem für das Investment. Wenn die Zinsen irgendwann steigen, werden wir auch wieder größere Wohnungen sehen“, erklärt Daniel Ritter die aktuelle Lage auf dem Frankfurter Immobilienmarkt.

Auch dies bestätigen aktuelle Zahlen. In der hessischen Metropole sind knapp 89 Prozent aller Neubauten Eigentumswohnungen. Dieser Wert mag besonders hoch erscheinen, ist im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten aber nicht exorbitant hoch. Da aber praktisch ohne Sinn und Verstand und rein aus Investmentinteressen gebaut wird, verbleiben einige Eigentumswohnungen leerstehend. 2018 wurde 3.587 aller Wohnungen verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um elf Prozent.

Droht erneut das Platzen einer Immobilienblase?

Je nach Perspektive kann die Entwicklung des Frankfurter Immobilienmarktes positiv, aber auch negativ betrachtet werden. Zumindest für die soziale Mittel- bis Unterschicht dürfte die aktuelle Lage aber eher nichts Gutes bedeuten. Langfristig betrachtet werden steigende Immobilienpreise auch höhere Mietpreise zur Folge haben. Der Trend aus den obigen Tabellen dürfte fortgeführt werden, obwohl Frankfurt im Vergleich zum deutschen Mietpreisdurchschnitt ohnehin bereits als sehr teuer bezeichnet werden muss.

Die Entwicklung selbst sei Daniel Ritter zufolge aber kein Sonderfall und durchaus mit den Marktvorgängen anderer deutscher und europäischer Großmetropolen vergleichbar. Teils könnten die Immobilienpreise in Frankfurt am Main gar noch als moderat bezeichnet werden. Doch wo führt dies hin? Der ein oder andere dürfte bereits jetzt die nächste Immobilienblase ausgemacht haben, die zwangsläufig irgendwann platzen muss.

In Frankfurt können die ersten Anzeichen dafür schon entdeckt werden. Noch kann die Geschwindigkeit der Neubauten in Hessens Metropole zwar noch nicht den Bedarf an Wohnraum decken, trotzdem bleiben Eigentumswohnungen aber bereits auf dem Markt liegen, da sie, wie erwähnt, rein als Kapitalanlage fungieren und eben nicht die breite Käuferschaft ansprechen. Und bleiben die Käufer auf Dauer aus, platzt auch irgendwann die Blase.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare