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Wie Eisbären und Smileys beim Energiesparen helfen

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Green Nudging
Die Ingenieure der Firma Amphiro, die diesen Duschkopf entwickelt haben, haben in Studien nachgewiesen, dass Menschen kürzer duschen und im Durchschnitt 22 Prozent Energie sparen, wenn sie sehen, was sie verbrauchen. © Amphiro AG/dpa

Kleine Anreize mit großer Wirkung: Green Nudging fördert ohne Zwang und Verbote umweltfreundliches Verhalten. Wie bei den Eisbären in der Dusche.

Zürich - Erst sind fünf Eisbären auf dem Duschkopf zu sehen,dann vier, drei, zwei, einer. Die Botschaft: Je kürzer Du duschst,desto mehr Eisbären bleiben übrig. Die Ingenieure, die das SchweizerProdukt entwickelt haben, konnten in Studien zeigen, dass Menschenkürzer duschen und im Durchschnitt 22 Prozent Energie sparen, wennsie darauf hingewiesen werden, was sie verbrauchen.

Die Eisbären sind ein sogenannter „Green Nudge“, ein Stups oderAnreiz, sich grüner, also umweltfreundlicher zu verhalten. „GreenNudging“, das Konzept, Menschen ohne große Verbote oder neue Regelnzu umweltfreundlicherem Verhalten zu animieren, ist groß im Kommen.

Die Eisbären sollen die Folgen des Klimawandels anschaulich machen:Wer viel Energie verbraucht, trägt zu Treibhausgasen bei. Die sorgenfür die Klimaerwärmung, was zu Eisschmelze führt und den Lebensraumder Eisbären bedroht.

Die gemeinnützige Klimaschutzagentur Energiekonsens des BundeslandsBremen hilft Unternehmen beim Green Nudging. Mehr als 20 sind esinzwischen, die allerhand ausprobiert haben.

Roter Smiley, grüner Smiley...

Bei einer Fischfeinkost-Firma haben Mitarbeiter aus Bequemlichkeitoft die Tore zu den Kühlräumen offengelassen und damit unnötigEnergie verbraucht. Heute sind nahe den Toren große Anzeigen mit derTemperatur und einem Smiley angebracht: Wenn es zu warm wird, ist einroter Smiley mit nach unten gezogenen Mundwinkeln zu sehen; wenn dieTemperatur stimmt, lacht ein grüner Smiley von der Anzeige herunter.Fazit: In einem Zeitraum von 25 Tagen wurden mit der Smiley-Anzeige19 Prozent weniger starke Temperaturabsenkungen zum Nachkühlen derRäume benötigt als im gleichen Zeitraum vorher.

Ein Unternehmen für Design, Architektur und Messebau hat in seinemBuchungssystem für Dienstfahrzeuge neu die Verkehrsmittel mit demgeringsten CO2-Ausstoß nach oben gestellt. Es gibt neben elektrischenFahrrädern dort E-Autos, Benzin- und Dieselfahrzeuge. Zudem gab eseine Info-Veranstaltung mit E-Bike-Rallye zum Ausprobieren der Räder.Die Buchungen von Benzin-Fahrzeugen gingen seither von 26 auf 19Prozent zurück, die der E-Autos stiegen von 37 auf 41 und die derE-Fahrräder von 36 auf 40 Prozent.

Nicht verboten, nichts belohnt

„Beim Green Nudging wird nichts verboten und nichts belohnt“, sagtdie Bremer Projektleiterin Astrid Stehmeier. „Man lässt die Leute wiesie sind, aber ändert die Entscheidungsumgebung.“ Viele Menschenwollten sich ja gerne klimafreundlicher verhalten, seien aber ohnegroßes Überlegen in einer Routine verhaftet. Oft reiche es,Voreinstellungen zu ändern. So könne die Klimaanlage im Büroroutinemäßig zu einer bestimmten Zeit ausgehen oder die Spülmaschinekönne automatisch auf Ökowaschgang eingestellt sein. Wer will, kanndie Einstellungen ändern. „Nudging ist ein schlankes Instrument fürKlimaschutz, da muss kein großes Rad gedreht werden“, sagt Stehmeier.

Green Nudging
Ein Thermometer im Kühlhaus eines Unternehmens zeigt die Temperatur neben einem Smiley an. © Energiekonsens/dpa/Handout

Das Nudging-Konzept wurde von den amerikanischen VerhaltensökonomenRichard Thaler, der 2017 den Nobelpreis erhielt, und Cass Sunsteingeprägt. Sie legten dar, wie Menschen durch kleine Anregungen vonFirmen oder Behörden ganz ohne Zwang zu Verhaltensänderungen gebrachtwerden können.

Ist das nicht Manipulation? „Es geht ja um ein Verhaltensangebot, dasder Umwelt und der Allgemeinheit zuträglich ist“, sagt ElisabethDütschke vom Fraunhofer-Institut für System- undInnovationsforschung. Dagegen sei kaum etwas einzuwenden. VonManipulation könne man im Supermarkt sprechen, wo Menschen durchNudges zu Käufen veranlasst würden, etwa durch die Platzierung vonSüßem, Schnaps und Zigaretten dort, wo man in der Warteschlange stehtund den Blick schweifen lässt.

Duschen mit App

Nudges, sagt die Psychologin, funktionieren: „Wir sollten uns dasPotenzial, das in solchen Anreizen liegt, nicht entgehen lassen.“Dütschke bezweifelt aber, dass Menschen durch solche Nudges zuUmweltfreunden werden, die es vorher nicht waren.

Oft reicht als „Nudge“ schon eine konkrete Information, hat Stehmeierfestgestellt. Etwa, wenn im Büro an Müllbehältern Symbole kleben, diegenau zeigen, was wo hineingehört. Eine Firma hat damit erreicht,dass der Anteil der korrekt sortierten Müllstationen von 46 auf 71Prozent gestiegen ist.

Oder bei der Dusche mit den Eisbären, die auch den Wasser- undEnergieverbrauch anzeigt. Die Firma Amphiro lässt den Duschkopf auchvia App mit einem Smartphone verbinden. So kann die Schnelligkeit,mit der die Eisbären verschwinden, eingestellt werden. In der Appkönnen Duschende verfolgen, wie sich ihr Energieverbrauch entwickelt.Auf Instagram ist die Firma mit Informationen wie dieserpräsent: „Eine Sekunde warm duschen verbraucht so viel Energie wiedas Aufladen eines Smartphones.“ dpa

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