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Verbrechen

14-jährige Susanna: Grausige Tat wirft Fragen auf

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Eine mysteriöse WhatsApp-Nachricht, wilde Spekulationen und möglicherweise eine spektakuläre Flucht: Der Fall der Mainzerin Susanna F. gibt den Ermittlern noch viele Rätsel auf. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang.

Am Ende war es der kleine Waschzettel an einem Kleidungsstück von Susanna, der die Ermittler zur Leiche des Mädchens führte. Er leuchtete weiß durch das Holz und Gras, mit dem der Teenager bedeckt war.

Update: Der Hauptverdächtige ist in der Nacht zum Freitag im Irak festgenommen worden:

Schon seit Tagen hatte die Polizei nach der 14-Jährigen in dem verwilderten Gebiet entlang der Bahntrasse bei Wiesbaden-Erbenheim gesucht. Ein Hubschrauber hatte das Gelände immer wieder überflogen und Hundertschaften der Polizei das Gebiet durchkämmt. Sie alle haben nach Orten geschaut, wo frisch aufgeworfene Erde zu sehen ist. Ein typisches Indiz dafür, dass dort ein Mensch verscharrt sein könnte. Denn der Verdacht, dass Susanna tot sein könnte, stand schon länger im Raum.

Auch an diesem 6. Juni wären die Beamten an der Stelle fast wieder vorbeigelaufen. „Ein gutes Erdgrab“, nennt der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller den Fundort der Leiche. Und das ist sicher nicht so abgeklärt gemeint, wie es vielleicht klingen mag. Den vier Männern, Leitender Oberstaatsanwalt, Oberstaatsanwalt, Polizeipräsident und Kriminalrat der Stadt Wiesbaden steht es ins Gesicht geschrieben, dass der Fall Susanna F. mehr als Routine ist.

Das Mädchen aus Mainz wurde laut den Ermittlungen vergewaltigt und anschließend getötet. Es ist anzunehmen, dass sie erwürgt oder erdrosselt wurde. Details zum Tathergang werden wohl erst in den nächsten Wochen ans Licht kommen. Es gibt einen Hauptverdächtigen: den 20-jährigen Iraker Ali B. Er lebte als Flüchtling in Deutschland. Einen anderen Mann hatte die Polizei festgenommen, ließ ihn gestern Abend aber wieder frei. Laut Staatsanwaltschaft besteht gegen den 35 Jahre alten Türken kein dringender Tatverdacht mehr. Er kam ebenfalls als Flüchtling nach Deutschland.

Der Verdächtige Ali B. hat Deutschland verlassen, und zwar über den Flughafen Düsseldorf. Am 1. Juni haben er und seine Familie online Flugtickets gekauft, am 2. Juni sind sie ausgereist. Erste Ermittlungen ergaben, dass B., seine Eltern und seine fünf Geschwister einen Flug nach Istanbul genommen haben. Von dort sollen sie in den Irak weitergereist sein. Ob die Ausreise der Familie im direkten Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt steht, ist derzeit Spekulation.

Dafür könnte allerdings sprechen, dass die Familie unter anderen Namen ausgereist ist. Die Aufenthaltsgenehmigungen sind laut Staatsanwaltschaft auf andere Namen ausgestellt als jene, mit denen die Familie ihre Flugtickets gebucht hatte. Bei der Ausreise habe wohl nur ein Lichtbildabgleich stattgefunden.

Wie gut Susanna den oder die Täter kannte, ist noch nicht klar. Ein Zeuge will sie einmal in der Flüchtlingsunterkunft gemeinsam mit dem verdächtigen Ali B. gesehen haben. Mit einem jüngeren Bruder von B. soll sie bekannt gewesen sein. Mit ihm habe sich das Mädchen auch eine Beziehung vorstellen können, so die Ermittler. Diese Gefühle sollen aber nicht erwidert worden sein. Inwiefern das im Zusammenhang mit der Tat steht, muss die Kripo jetzt herausfinden. Viele Punkte an diesem Verbrechen sind noch rätselhaft. So soll bereits am 29. Mai eine Bekannte der Mutter gesagt haben, dass Susanna tot sei. Eine Befragung der Frau steht noch aus.

Auch sagt die Mutter, sie habe am 25. Mai eine Nachricht vom Handy ihrer Tochter erhalten – zu einem Zeitpunkt, an dem das Mädchen laut gerichtsmedizinischer Untersuchung schon tot gewesen sein muss. Unklar ist auch die Rolle des 13 Jahre alten Flüchtlings, welcher der Polizei einen Tag nach der Ausreise B.s den entscheidenden Hinweis gegeben hat.

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