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Rettung

Wie Akteure in Hessen dazu beitragen, das Bienensterben zu verhindern

Die Biene ist zwar ein kleines Tier, aber dennoch enorm wichtig für die Natur und hat somit auch einen hohen Wert für den Menschen – auch wirtschaftlich betrachtet. Doch die summenden Insekten sind in Gefahr. Wir verraten warum und stellen Rettungsansätze vor.

Bienen bestäuben mehr als 8o Prozent aller Blütenpflanzen. Man kann es sich kaum vorstellen, aber für acht von zehn Kirschen ist die Biene durch ihre Bestäubung verantwortlich. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Biene ist immens, denn die Bestäubungsleistung der summenden Tierchen in Deutschland hat jährlich einen Wert von rund drei Milliarden Euro. Ein Bienenvolk produziert im Jahr bis zu 50 Kilo Honig.

Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier nach dem Schwein und der Kuh. Und dennoch ist das Massensterben der Bienen nicht zu übersehen. Schuld daran sind Monokulturen, Pestizide wie Glyphosat und Schädlinge. Der natürliche Lebensraum der Biene ist die Pflanzenvielfalt, die die Natur bietet. Denn durch die vielen Monokulturen, wie kilometerlange gelbe Rapsfelder, fehlt es der Biene an jener Pflanzenvielfalt, die ihr das Überleben sichert. Nur wenn die Biene Pollen aus Mischkulturen sammelt, kann sie das Immunsystem des Nachwuchses stärken. Das minimiert die Anfälligkeit der Bienenlarve für die gefährliche Milbe.

Die Varroamilbe wurde aus Asien eingeschleppt und stellt eine enorme Bedrohung für die Bienen dar. Wenn sich die erste Biene des Volkes infiziert hat, dauert es nur ein bis drei Jahre, bis das gesamte Volk ausgestorben ist. Denn die Varroamilbe vermehrt sich in den Brutzellen, in denen die Königin ihre Eier ablegt.

Kurz bevor die Arbeitsbienen die Brutzellen schließen, dringt die Varroamilbe ein und saugt sich an der Bienenlarve fest. Die Schädlinge legen auf dem Bienennachwuchs ihre Eier ab. Wenn die ausgewachsene Biene aus der Brutzelle kommt, ist sie geschwächt, und die auf ihr sitzenden Varroamilben können sich ungestört in den Brutzellen vermehren und auf andere Bienen übertragen werden.

Imker können mit Ameisensäure die Milbe bekämpfen, doch auch das verhindert das Bienensterben nur geringfügig. Es kam heraus, dass Pestizide wie Glyphosat für das qualvolle Sterben der Bienen mit verantwortlich sind. Dieses Gift schadet allerdings nicht nur den Bienen, sondern auch dem Honig und kann somit gesundheitliche Folgen für den Menschen haben.

Im November 2015 brachte ein Imker aus Cottbus seinen Honig zum Veterinäramt und ließ ihn dort untersuchen. Ein knappes halbes Jahr später kam heraus, dass der eingeschickte Honig über das Hundertfache des Erlaubten mit dem Pestizid Glyphosat versetzt war. Die Bienen nehmen das Pestizid durchs Trinken auf. Denn es ist geruchlos und geschmacksneutral.

Eine weitere Belastung für die Population der Bienen ist der Lebensraum, der durch große Städte immer mehr minimiert wird. Die hessische Landesregierung startete die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“, um dem Bienensterben entgegenzuwirken.

Durch Aktionen wie diese und auch durch die Bekanntmachung des Problems, welches fatale Folgen für die gesamte Natur und somit auch für den Menschen hätte, stieg die Anzahl der Hobbyimker in Hessen. 2010 gab es circa 7400 Imker, die 50 000 Bienenvölker hielten. 2016 gab es bereits um die 10 000 Imker, die 56 000 Bienenvölker hielten. Hessenweit gibt es ungefähr 2,5 Milliarden Bienen, die die Obstbäume und andere Pflanzen bestäuben. Das ist zwar eine hohe Zahl, die dennoch zu gering ist.

Großmärkte wie Rewe versuchen ebenfalls das Aussterben der Bienen zu verhindern. In und um Obstplantagen werden Mischkulturen für die Bienen gepflanzt.

Man kann der Biene auch in Großstädten wie Frankfurt neuen Lebensraum verschaffen, indem man einfach auf seinem Balkon oder Garten Kräuter wie Minze, Salbei, Schnittlauch, Thymian oder Ähnliches anpflanzt sowie eine vielfältige Mischung an Blumen.

Explizit gibt es in Frankfurt das Bienenretter Bildungs- und Ökologieprojekt des Vereins FINE (Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung). Auf der Internetseite zum Beispiel kann man eine Blumensamenmischung für zu Hause anfordern. Nur durch ein wenig Gärtnern kann man den Erhalt der Bienen ein Stückchen mehr sichern und ihnen das Leben erleichtern.

Ebenso will der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bei der Rettung der Bienen helfen, was gleichzeitig auch zu Forschungszwecken dient. Denn die Fraport unterstützt den Bau eines begehbaren Mehrvölkerbienenhauses mit 10 000 Euro aus dem Umweltschutzfonds. Schulklassen können sich das Bienenvolk angucken, da der Bienenstock mit Glas ausgestattet wurde. Gleichzeitig kann so geprüft werden, wie stark die Luft am Frankfurter Flughafen verunreinigt ist oder ob sie überhaupt stärker belastet ist. Denn im Honig, der von dem Bienenvolk produziert wird, manifestieren sich alle Unreinheiten in der Natur. Sowohl CO2-Belastung als auch Giftstoffe wie im Falle des Cottbusser Imkers.

In einer kapitalistischen Welt wie dieser ist es gut, dass man aus der Biene seinen Vorteil ziehen kann und so die Biene unterstützt und ihren Bestand sichert. Wenn dem nicht so wäre, wäre die Biene vielleicht schon nicht mehr existent. Keiner der Menschen, die in dieser Welt wirklich die Macht haben, besäße das Wertebewusstsein, Leben vor Geld zu stellen. Also sollten wir dankbar dafür sein, dass die Biene Tag für Tag ihren leider in Geld aufgewogenen Wert unter Beweis stellt und viele Menschen Honig mögen.

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