Eintracht Frankfurt

Aymen Barkok: "Zidane war der perfekte Spieler"

Vor gut einem Jahr zauberte Eintracht-Trainer Niko Kovac mit Aymen Barkok ein großes Talent aus dem Ärmel. Der 19-Jährige aus der Frankfurter Nordweststadt schoss bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Bremen gleich das Siegtor. Mit unseren PJZ-Autoren Charlotte Günther und Raul Callmann sprach der Mittelfeldspieler unter anderem darüber, wie ihm seine Bolzplatz-Erfahrungen helfen, dass es wichtig ist, bodenständig zu bleiben – und dass es sein Ziel ist, einmal in der Champions League zu spielen.

Charlotte: Aymen, tabellarisch betrachtet ist Frankfurt seit langer Zeit nicht mehr so stark gewesen, wie es momentan der Fall ist. Wie erklärst Du Dir das ?

AYMEN BARKOK: Wir haben sehr viele Neuzugänge, 13 Spieler, im Winter jetzt den 14. Wir sind eine Multikulti-Mannschaft, mit vielen verschiedenen Sprachen, aber wir verstehen uns in der Mannschaft sehr gut. Die Mannschaft ist gut drauf, wir lachen viel, wir unternehmen auch manchmal etwas außerhalb vom Sport. Natürlich liegt es aber auch am Trainer, der seine Prinzipien hat und sie auch durchsetzt. Somit hat er Stabilität in die Mannschaft gebracht.

Raul: Bei der diesjährigen Ausgabe des Projekts Junge Zeitung ist das Oberthema „Werte“. Was sind für Dich die wichtigsten Werte beim Fußball, auf und neben dem Platz?

BARKOK: Außerhalb und auf dem Platz auf jeden Fall die Disziplin. Auf dem Platz muss man Grundvoraussetzungen mitbringen. Man muss den Willen haben, seine Leistung zu hundert oder auch mehr Prozent abzurufen, robust sein, sich in den Dienst der Mannschaft stellen und neben dem Training bereit sein, auch was für seinen Körper zu machen. Stabilität und Talent gehören auch dazu.

Charlotte: Vor Deiner eigentlichen Fußballkarriere hattest Du Dich ursprünglich für den Studiengang des Maschinenbaus entschieden. War für Dich der Fußball nicht die erste Option, oder wolltest Du Dir ein zweites Standbein schaffen?

BARKOK: Fußball ist schon immer meine erste Option gewesen. Mit dem Studium wollte ich mir ein zweites Standbein schaffen, falls eine Verletzung hinzukommt oder falls ich später keinen Fußball mehr spielen kann.

Raul: Durch Dein Spiel bei Werder Bremen und dem Tor, das Du dabei geschossen hattest, bist du von dem einen auf den anderen Moment bekannt geworden. Wie hat sich das für Dich angefühlt?

BARKOK: Ich habe versucht, bodenständig zu bleiben, ich wohne immer noch in der Nordweststadt. Man muss mental stark und bodenständig bleiben und sollte nicht abheben und nicht auf Wolke sieben schweben.

Raul: Was haben denn die anderen Leute in der Nordweststadt gesagt, die sich über Dein Tor gefreut haben? Hast du ein großes Feedback bekommen?

BARKOK: Ja, auf jeden Fall. Die Leute haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: „Mach weiter so.“

Charlotte: Stelle Dir vor, Du schlägst irgendwann einmal die Zeitung auf und liest die Schlagzeile: ,,Barkok zu Bayern“. Kannst du Dir vorstellen, später einmal zu einem renommierteren Verein, der auch regelmäßig in der Champions League spielt, zu wechseln? Oder ist Dir der Bezug zu Frankfurt dafür von zu großer Bedeutung?

BARKOK: Der Bezug zu Frankfurt ist mir sehr wichtig. Momentan könnte ich mir nicht vorstellen, zu wechseln. Wenn ich aber ein erfahrener Bundesligaspieler mit 150 Spielen bin, ziehe ich das durchaus in Betracht.

Raul: Du hast marokkanische Wurzeln. Bist Du jemals deshalb auf dem Platz diskriminiert worden und ist Dir der Kampf gegen Rassismus wichtig?

BARKOK: Der Kampf gegen Rassismus ist mir auf jeden Fall wichtig. Das hat ja auch mein Teamkollege Kevin-Prince Boateng in der Öffentlichkeit oft gesagt und wir haben in der Kabine darüber gesprochen, dass so etwas wie das Werfen von Bananenschalen und Affengeräusche nicht in Ordnung sind. Man hat ihm dabei zugehört und jeder steht an seiner Seite und empfindet genauso wie er. Ich persönlich wurde bisher nur einmal bei einem Auswärtsspiel in der letzten Saison beim Aufwärmen hinter dem Tor rassistisch beleidigt.

Charlotte: Du läufst für die deutsche Juniorennationalmannschaft auf. Bist Du jeweils im Zwiespalt gewesen, ob Du für die deutsche oder die marokkanische Mannschaft spielen möchtest?

BARKOK: Meine Eltern sind beide Marokkaner und es ist selbstverständlich schön, für sein Vaterland spielen zu können. Aber ich habe mich erst einmal für den Weg in der deutschen Junioren-Nationalmannschaft entschieden. Danach ist alles noch offen.

Raul: Dieses Jahr ist WM und Marokko hat sich zum ersten Mal seit langem dafür qualifiziert. Wenn Deutschland auf Marokko trifft: Wem drückst du die Daumen?

BARKOK: (lacht) Schwierig. Der Bessere soll gewinnen.

Charlotte: Von dem römischen Philosophen Seneca entstammt das Zitat ,,Per aspera ad astra“, also ,,durch das Raue zu den Sternen“. Bist du deiner Meinung nach schon bei den Sternen angelangt ?

BARKOK: Nein, sicherlich noch nicht. Ich habe mich natürlich über meinen Profivertrag gefreut, aber ich habe noch weitere Ziele. Erst wenn ich ein etablierter Bundesligaspieler bin, kann ich mir neue Ziele setzen. Mein langfristiges Ziel ist es auf jeden Fall, einmal in der Champions League zu spielen.

Raul: Wenn man Dir beim Fußball spielen zuschaut, sieht man, dass du den ein oder anderen Trick auspackst. Stammt diese Spielweise von deinen Anfängen auf den Bolzplätzen?

BARKOK: Auf jeden Fall. Wenn man sich auf dem Bolzplatz auf engem Raum durchsetzen kann, dann glaube ich, dass dies auch beim Profifußball hilfreich ist. Talent ist zwar angeboren, aber man lernt viel dazu.

Raul: Wer waren in Deiner Kindheit Deine Idole im Fußball?

BARKOK: Zidane war und ist immer noch mein größtes Vorbild neben dem brasilianischen Ronaldo. Aber an erster Stelle steht Zidane.

Charlotte: Was hat Dir an Zidane so gut gefallen?

BARKOK: Seine Unbekümmertheit, seine Technik, seine Tore und die Freistöße – einfach alles, er war ein perfekter Spieler.

Charlotte: Bei der Eintracht hat sich Boateng zur Leitfigur entwickelt. Gibt es neben ihm weitere Führungsspieler, die auf und neben dem Fußballplatz die Mannschaft leiten?

BARKOK: Ja, beispielsweise Marco Russ, Timothy Chandler, David Abraham oder auch Makoto Hasebe. Sie sind der verlängerte Arm vom Trainer.

Raul: Letzte Frage: Warst du als Kind schon Eintrachtfan oder kam dies erst, als du in der Jugend anfingst für die Eintracht zu spielen?

BARKOK: Als ich klein war, eher gar nicht. Erst als ich von Kickers Offenbach zur Eintracht in die Jugend gewechselt bin, hat sich das bei mir entwickelt. Dadurch, dass ich damals hin und wieder Balljunge war und öfters im Stadion war, wurde es immer intensiver.

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