Porträt

Ayse Asar: Eine Mutige will Mut machen

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„Herausragender Mensch mit Migrationshintergrund“ lautete der Titel des Preises, den Ayse Asar im Juni vom Land Hessen bekam. Die 42 Jahre alte Deutsch-Türkin hat schon jetzt eine beeindruckende Karriere hinter sich: Volljuristin, Justiziarin und Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main. Dabei kam manches anders, als sie zunächst dachte.

Sie ist die Verwaltungschefin über 13 000 Studierende und knapp 800 Beschäftigte und sie verwaltet einen Etat von mehr als 70 Millionen Euro im Jahr. „Ich erfülle nicht ganz das klassische Bild eines gesetzten älteren Herren, wie man sich so einen Kanzler eben vorstellt“, sagt Ayse Asar und lacht. Schwarzes Kleid, schwarze Pumps, nein, die dynamische Frau im Büro des Kanzlers der Hochschule Rhein-Main passt in kein Klischee. Mit gerade einmal 42 Jahren hat Ayse Asar eine steile Karriere hinter sich: Volljuristin, Justiziarin, Kanzlerin.

„Ich mochte es immer, Argumente auszutauschen“, erzählt Asar, Anwältin wollte sie schon früh werden, etwas im internationalen Kontext. „Bei Türken ist es ganz häufig so, man wird entweder Arzt, Jurist oder Ingenieur“, erzählt die Deutsch-Türkin.

In Gießen und Köln studierte Asar Jura, machte in London ihren Master of Law, absolvierte ein Praktikum in Istanbul, arbeitete vier Monate in einer internationalen Kanzlei in Ankara.

Dann suchte man an der Frankfurter Goethe-Universität eine Juristin, die internationale Verträge prüft, Asar bewarb sich. „Ich wollte maximal ein Jahr im öffentlichen Dienst arbeiten“, erzählt sie und lacht, eine Verbeamtung lehnte sie ab – es gab da ja auch Angebote von Großkanzleien. „Dann habe ich festgestellt, wie spannend Hochschulen und Wissenschaftsmanagement sind“, sagt sie. In Frankfurt sah man ihr Potenzial, Hochschulpräsident Rudolph Steinberg band sie ein in die Umwandlung in eine Stiftungsuniversität. „Das war für mich eine spannende Zeit“, sagt Asar.

Zwölf Jahre blieb sie am Ende an der Goethe-Universität, wurde Referentin des Kanzlers, Justiziarin, Leiterin der Präsidialabteilung, am Ende gar Vizekanzlerin. Auf Vorschlag bewarb sie sich als Kanzlerin für die Universität in Halle – und wurde prompt genommen. „Ich bin mutig, ich sage eigentlich nie Nein“, sagt Asar, doch diesem Schritt stand die Familie entgegen: Asar lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Rhein-Main-Gebiet. Stattdessen wurde sie im Oktober 2015 Kanzlerin der Hochschule Rhein-Main, der früheren „Fachhochschule“, in Wiesbaden.

„Wir haben einen ganz wichtigen gesellschaftlichen Auftrag“, sagt Asar: „60 Prozent unserer Studierenden haben keinen Akademikerhintergrund, auf den Unis haben das nur 20 Prozent.“ Sie selbst kommt ebenfalls nicht aus einer Akademikerfamilie, ihre Eltern waren türkische Gastarbeiter aus Kapadokien, die bei Black & Decker in Idstein arbeiteten. Ayse wurde in Bad Schwalbach geboren, wuchs in Idstein auf und ging dort zur Schule.

„Für meine Eltern war Bildung immer schon ganz wichtig“, sagt Asar, „Bildung ist ganz klar der Schlüssel für Integration.“ Drei weitere Schwestern und einen Bruder hat sie, alle haben studiert. „Ich hatte immer das Glück, dass ich eine tolle Familie habe“, sagt Asar. Die Mutter half bei der Betreuung ihrer Kinder, sie habe nie Elternzeit genommen, erzählt Asar, „interessanterweise ist die Rollenverteilung in der Türkei weniger streng.“

An der Hochschule habe ihre türkische Herkunft nie eine Rolle gespielt, sagt Asar. „Ich bin Muslimin, das ist Teil meiner Identität und Herkunft“, betont sie.

In Frankfurt gründete sie das „Haus der Stille“ mit, ein Haus des interreligiösen Dialogs auf dem Campus. Als Amtsträgerin einer Hochschule habe sie neutral zu sein, betont Asar. Junge Migranten zu ermutigen, die Chancen von Stipendien, Austausch- und Mentorenprogrammen mehr zu nutzen, das ist ihr wichtig.

Probleme, als Chefin akzeptiert zu werden, habe sie nie gehabt, erzählt Asar, auch nicht, wenn sie Sanierungspläne an der Hochschule durchsetzen musste. Gerade entwickelt sie die städtebauliche Rahmenplanung für den neuen Zentralcampus der Hochschule in Wiesbaden und realisiert das 32 Millionen Euro teure neue Lehr- und Lernzentrum. „Frauen können so viel“, sagt sie noch, „Dinge bewegen, Dinge umsetzen, das können Frauen.“

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