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Große FNP-Gesundheitsserie

Bewegung und mediterrane Kost schützen vor Demenz

1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Mit der normalen Vergesslichkeit, die im Alter zunimmt, hat die Erkrankung nichts zu tun, weiß Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt.

Jeder kennt sie, diese Situation, wenn einem der Name des Bekannten partout nicht einfallen will, oder wenn man in die Küche geht, bloß um sich zu fragen, was man dort eigentlich sucht. Je älter wir werden, umso häufiger stellen sich diese Situationen ein – und damit bei vielen auch die Angst davor, dass im Oberstübchen vielleicht nicht mehr alles in Ordnung sein könnte. „Die Menschen haben vor Demenz genauso viel Angst wie vor Krebs“, weiß Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt.

Dabei hat Demenz nichts mit Altersvergesslichkeit zu tun. Etwa ab dem 50. Lebensjahr lässt die kognitive Leistungsfähigkeit langsam nach. „Das kann man mit dem Sport vergleichen: Ein 50-Jähriger läuft einen Marathon auch nicht in der gleichen Zeit wie ein 25-Jähriger. Die Hauptsache ist, dass er ankommt“, sagt Pantel. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der „normalen“ Altersvergesslichkeit und Demenz: Ein gesundes Gehirn ist auch im Alter noch in der Lage, dazuzulernen, eben nur nicht mehr so rasch wie früher. Demenzkranke hingegen können sich keine neuen Dinge mehr aneignen. Und was sie einmal vergessen, ist für immer ausgelöscht. Einem Gesunden aber fällt der Name des Bekannten, der ihm entfallen war, nach einer Weile wieder ein, und auch, was er in der Küche suchen wollte.

Wer hin und wieder etwas vergisst, braucht sich keine Sorgen zu machen. Ein Warnsignal, das Betroffene und Angehörige ernst nehmen sollten, ist es, wenn bizarre oder außergewöhnliche Dinge passieren: Also wenn die Pantoffeln auf einmal im Kühlschrank stehen oder sich jemand in vertrauter Umgebung, etwa auf dem Heimweg vom Supermarkt, hoffnungslos verläuft.

Warnsignale

Ein Warnsignal ist es auch, wenn jemand wiederholt nicht auf wichtige Informationen zugreifen kann, etwa darauf, wie viele Enkelkinder er hat oder wie der Ehepartner heißt. „Wenn das einmal passiert: Schwamm drüber! Wenn es wiederholt passiert, muss man es ernst nehmen“, rät Pantel. Derartige Symptome können aber auch andere, vergleichsweise harmlose Ursachen haben, betont der Vorsitzende der Alzheimergesellschaft Frankfurt: Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, vorübergehende Durchblutungsstörungen oder ein neues Medikament können der Auslöser sein. Dies sollte jedoch medizinisch abgeklärt werden. „Betroffene sollten nicht aus Angst vor der möglichen Diagnose den Arztbesuch vermeiden“, betont der Altersmediziner.

Früh behandeln

Und auch wenn es bislang kein Medikament gibt, mit dem die Ärzte Demenz heilen können, so gibt es doch durchaus Arzneimittel, die die Symptome lindern können. „Ich würde jedem Betroffenen raten, mit so einer Behandlung möglichst früh zu beginnen“, sagt der Experte.

Wieso Menschen an Demenz erkranken, ist nach wie vor unklar. Klar ist, dass im Gehirn massenhaft Nervenzellen und deren Verknüpfungen (Synapsen) absterben. Dabei spielen körpereigene Eiweißstoffe eine Rolle, die aus ungeklärter Ursache bei Demenzkranken massenhaft gebildet werden. Sie docken an die Nervenzellen und Synapsen an. „Das wirkt dann wie Gift“, weiß der Altersmediziner Pantel. Ein wirksames „Gegengift“ ist aktuell noch nicht in Sicht.

Drei Faktoren schützen

Allerdings kann jeder seinen Teil dazu beitragen, sich vor Demenz zu schützen. Wissenschaftler haben drei Faktoren herausgearbeitet, mit denen man das Risiko „um 60 Prozent oder mehr“ verringern kann, sagt der Mediziner.

An erster Stelle steht Bewegung: Drei mal pro Woche 45 Minuten im „mittleren Ausdauerbereich“ empfehlen die Experten. „Es sollte schon ein bisschen anstrengend sein“, macht Pantel deutlich. Und: „Es ist auch mit 70 noch nicht zu spät, damit anzufangen. Das zeigt einen unmittelbaren Effekt.“

An zweiter Stelle kommt eine mediterrane Ernährung mit täglich frischem Obst und Gemüse sowie hochwertigen Fetten mit hohem Omega-3-Anteil, dazu Hülsenfrüchte und Nüsse. „Wer sich so ernährt, kann sein Risiko bedeutsam senken“, sagt Pantel. „Es bringt allerdings nichts, eine gesunde Ernährung durch Kapseln zu ersetzen.“An dritter Stelle nennt der Altersmediziner geistige Aktivität: eine Fremdsprache lernen, einen Computerkurs machen, ins Museum gehen, eine Bildungsreise unternehmen – egal was, Hauptsache, die grauen Zellen haben etwas zu tun.

Darüber hinaus sollte man grundsätzlich auf sich achten, mahnt Pantel dazu, Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck nicht unbehandelt zu lassen, da sie sonst die Entstehung von Demenz fördern können. Das gilt übrigens auch für Übergewicht im mittleren Lebensalter. Stefanie Liedtke

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