Spiel Brettspiel Corona Mit Eifer ins Geschäft Familie Wiesbaden
+
Rebecca und Lara Schwaderlapp spielen das eigens kreierte Spiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“.

„Mit Eifer ins Geschäft“

Familie aus Wiesbaden entwickelt Corona-Brettspiel

  • Ines Alberti
    VonInes Alberti
    schließen

Schwere Zeiten erfordern innovative Maßnahmen: Eine Familie aus Wiesbaden hat ein Corona-Brettspiel entwickelt. Es war ähnlich schnell vergriffen wie Klopapier im Frühjahr.

  • Eine Familie aus Wiesbaden entwickelt das Corona-Brettspiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“.
  • Der erste Lockdown gab den Ausschlag für die zündende Idee.
  • Das Spiel war schnell vergriffen, aber eine zweite Auflage soll bald kommen.

Wiesbaden - Vor dem Supermarkt Schlange stehen, sich mit Maske und Abstand durch die Gänge kämpfen, leere Klopapier-Regale vorfinden - Einkaufen 2020 war zeitweise eine echte Challenge. Was noch vor einem Jahr nicht vorstellbar war, wurde ab März zur Realität. Und was könnte eine bessere Vorlage für ein herausforderndes Spiel sein als derlei Schwierigkeiten im echten Leben? Das haben sich wohl auch zwei junge Frauen aus Wiesbaden-Biebrich gedacht. Sarah (20) und Lara (14) Schwaderlapp haben ein Corona-Brettspiel entwickelt.

„Corona - Mit Eifer ins Geschäft“ heißt das Spiel, das für vier Personen ausgelegt ist. Im Wesentlichen geht es im Spiel darum, für andere einkaufen zu gehen und aus verschiedenen Geschäften mitzubringen, was auf einer gezogenen Einkaufsliste steht. Auf dem Weg zum Geschäft und beim Einkaufen erwarten die Spieler verschiedene Hindernisse, etwa leergekaufte Regale, das Coronavirus selbst oder Auftraggeber, die nachträglich Artikel ordern.

Familie aus Wiesbaden entwickelt Corona-Brettspiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“

Dabei haben die Spielentwicklerinnen alles in das Spiel hineingepackt, was seit Beginn der Pandemie Realität war oder ist: Wer eine Masken- oder Taxi-Karte zieht, ist eine Zeit lang vor dem Virus geschützt. Bei der Karte „Balkonkonzert“ heißt es eine Runde aussetzen und der Musik zuhören - man mag sich wundern, wie viel über die Monate schon wieder fast in Vergessenheit geraten ist.

Doch wie kommt man auf die Idee, aus dem Nichts ein Brettspiel zu entwickeln? Familienvater Benedikt Schwaderlapp erzählt im Interview, alles habe damit begonnen, dass seine ältesten Töchter Sarah und Stella (beide 20) ihr Freiwilliges Soziales Jahr, für das sie im Frühjahr jeweils in Frankreich und Bonn waren, aufgrund des Lockdowns abbrechen mussten. „Sie waren wieder zuhause, da war eine Welt zusammengebrochen. Die ganze Freiheit nach dem Abitur war weg. Sie hatten viel Zeit, aber eigentlich was anderes vorgehabt mit der Zeit“, so Schwaderlapp, der selbstständig einen Partyservice betreibt, über seine Zwillingstöchter.

Momentaufnahme einer besonderen Zeit: Eine Familie aus Wiesbaden hat ein Corona-Brettspiel entwickelt.

Idee für Corona-Brettspiel aus Wiesbaden entstand im ersten Lockdown

In dieser Zeit, als im ersten Lockdown Bilder von Hamsterkäufen und leeren Regalen durch die Medien gingen, sei aus einer Kombination von Zeitvertreib und kreativem Schub bei den Töchtern Sarah und Lara die Idee für das Spiel entstanden. Einen Tag lang habe sie in der Luft gehangen, so Benedikt Schwaderlapp, bis seine Frau Paulette den Impuls gab, es tatsächlich umzusetzen. Auf einem A3-Papier wurde mit Stiften der erste Prototyp gemalt. Ein befreundeter Grafiker, der durch die Corona-Pandemie ebenfalls Leerlauf hatte, übernahm die Illustrationen. Im April und Mai nahm die Familie erstmals Kontakt zu Druckereien auf, um Angebote einzuholen.

Doch bis die ersten Spiele geliefert werden konnten, sollten noch ein paar Monate vergehen. Ende November war es so weit. Etwa 2000 Exemplare des Corona-Brettspiels hat Familie Schwaderlapp aus Wiesbaden bislang verkauft. 600 davon hat der Rofu-Kinderladen in Wiesbaden in seine Regale aufgenommen. Nach TV-Berichten des Hessischen Rundfunks war auch der auf der eigens kreierten Website verfügbare Bestand von 500 Exemplaren innerhalb von 45 Minuten vergriffen. 300 Vorbestellungen gibt es bereits.

Ab Februar soll die Lieferung einer überarbeiteten Version des Spiels wieder möglich sein. Die zweite Auflage soll unter dem Namen „Anoroc - Mit Eifer ins Geschäft“ (Corona rückwärts buchstabiert) erscheinen und bietet mit einem leicht veränderten Kartenset neue Spielvarianten. „Anoroc“ deshalb, „um das Spiel etwas aus dem aktuellen Corona-Zusammenhang zu lösen“, so Benedikt Schwaderlapp.

Corona-Brettspiel: Familie aus Wiesbaden unterstützt mit Einnahmen soziale Projekte

Doch bis dahin verbringt Familie Schwaderlapp wahrscheinlich noch viel Zeit damit, die bestellten Spiele, die in der Garage lagern, zu verpacken und verschicken. Zum neuen Familienunternehmen soll „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“ aber nicht werden: Auf lange Sicht soll es in professionelle Hände gegeben werden. Benedikt Schwaderlapp erwarte Angebote von verschiedenen Verlagen und hat Hoffnung, dass das Spiel bald in den Bestand aufgenommen werden kann: „Wenn man ein Kompliment von einem Verlagsleiter bekommt, dass es von der Spielidee bis zur grafischen Umsetzung toll ist für ein Erstlingswerk, da ist man schon stolz, was seine Töchter für eine Idee hatten“, so Schwaderlapp. Und unrealistisch ist die Aufnahme in einen Verlag nicht, stehen doch Spiele und Puzzles seit dem ersten Lockdown hoch im Kurs.

Mit den Einnahmen aus dem Vertrieb des Corona-Brettspiels werden aber nicht nur die Kosten gedeckt, sondern Familie Schwaderlapp aus Wiesbaden hat sich soziales Engagement auf die Fahnen geschrieben. Zehn Prozent des Spielpreises (38,40€) gehen an soziale Projekte wie etwa den Verein „Kindern eine Chance“. Außerdem gibt es zum dritten Advent (Sonntag, 13.12.2020) eine Weihnachtsedition des Spiels, bei der der Kaufpreis auf etwa 80 Euro steigt und eine Spende für zwei Moskitonetze für Kinder in Uganda beinhaltet. Zwischen 100 und 180 Exemplare dieser Edition soll es geben. „Wir jammern hier auf hohem Niveau“, so Schwaderlapp, während in anderen Ländern die Krise viel schlimmer sei.

Familie Schwaderlapp aus Wiesbaden mit ihrem Spiel: Die Töchter Stella, Lara, Rebecca, Sarah, Mutter Paulette und Vater Benedikt (von links).

Corona-Brettspiel aus Wiesbaden: Familie will sich beim „Spiel des Jahres“ bewerben

Neben der positiven Resonanz und der guten Verkaufszahlen habe sich Benedikt Schwaderlapp aus Wiesbaden aber über eines am meisten gefreut: „Das größte Geschenk war die ganz dichte Familienzeit während der Entwicklung.“ Das habe man sonst im Berufsalltag nicht. Und ein wichtiges Zeichen sei: „Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich hätte auch verzweifelt in der Ecke sitzen können. Der Partyservice hätte 25-jähriges Jubiläum gehabt und was ist? Die Party ist vorbei. Aber es tun sich andere Türen auf. Mit kreativen Ideen kommt man weiter“, versucht Benedikt Schwaderlapp, dem Jahr 2020 doch etwas Gutes abzugewinnen. Das Spiel solle auch Zusammenhalt signalisieren. Seine Familie sei ermutigt dadurch, dass eine so verrückte Idee funktionieren konnte.

Unter die Spielemacher wollen die Schwaderlapps in Zukunft aber nicht unbedingt gehen. Es sei zwar alles offen, aber seine berufliche Zukunft sehe Benedikt Schwaderlapp nicht in der Entwicklung und dem Vertrieb von Spielen. „Letztendlich muss man es Profis überlassen“, so der 58-Jährige. Die ältesten Töchter hätten außerdem zu studieren angefangen, worauf jetzt der Fokus liege. Eines hat die innovative Familie aus Wiesbaden aber trotzdem vor: Sie will sich mit ihrem Spiel „Corona - Mit Eifer ins Geschäft“ beim Wettbewerb „Spiel des Jahres“* bewerben. Eine Auszeichnung wäre wohl das Sahnehäubchen auf der kometenhaften Karriere dieses in einer sehr verrückten Zeit entstandenen Brettspiels. (Ines Alberti) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare