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Stolz stellen sich die Jungkicker dem Fotografen. Aber sie dürfen nicht erkennbar sein ? sofern die Eltern dem nicht schriftlich zustimmten.

Recht

Datenschutz: Vereine verunsichert - was gilt es zu beachten?

Das Schreckgespenst der Datenschutz-Grundverordnung geht um. Doch was steckt hinter dem Wortungetüm tatsächlich für Vereine? Was bedeutet die Regelung für Fotos, Chroniken und die Vereinsführung?

Warum kommt die neue Regelung ausgerechnet jetzt?

Der Datenschutz gilt in der Europäischen Union als Grundrecht. In der EU-Grundrechtecharta aus dem Jahr 2000 heißt es: „Jede Person hat das Recht auf Schutz der sie betreffenden personenbezogenen Daten.“ Bisher war es den Staaten jedoch selbst überlassen, diese Regel umzusetzen. Vor rund zwei Jahren wurde im Europaparlament jedoch die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung beschlossen. Und an diese muss sich ab Freitag, 25. Mai 2018, jedes EU-Land halten.

Was sind personenbezogene Daten?

Personenbezogene Daten sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierbare Person beziehen. Darunter zählen etwa Name, Wohnort, Steuernummer und auch Religionszugehörigkeit.

Wie soll die Datenschutz-Grundverordnung durchgesetzt werden?

Jede Person, die mit personenbezogenen Daten hantiert, muss ein Verzeichnis über alle Verarbeitungstätigkeiten führen. Konkret bedeutet das für Vereine: Ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (VVT) muss erstellt werden. Das soll der Transparenz über die Verarbeitung personenbezogener Daten und der rechtlichen Absicherung des Vereins dienen. Darüberhinaus muss für einen technischen und organisatorischen Schutz der Daten gesorgt werden. Computer müssen etwa vor unbefugten Zugriffen geschützt werden – regelmäßige Datensicherung und Sicherheitsupdates sind notwendig.

Was müssen Vereinschefs nun in die Wege leiten?

Ein Verein, bei dem mindestens zehn Personen mit personenbezogenen Daten hantieren, muss einen Datenschutzbeauftragten bestellen, der auch auf der Internetseite des Vereins bekanntgegeben wird. Rechtlich gesehen bleibt die Verantwortung für die Einhaltung des Datenschutzes jedoch beim Vorstand. Der Verein sollte zudem seine datenschutzrechtlichen Einwilligungserklärungen überarbeiten. Grundsätzlich sollten nur Daten erhoben werden, die tatsächlich gebraucht werden.

Was muss bei Fotos fürs Internet berücksichtigt werden?

Beispiel Sport-Veranstaltung: Bei einem Handballspiel wird ein Zweikampf fotografiert. Dieses Foto darf ohne Einwilligung der Spieler veröffentlicht werden, weil es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, die sich an Zuschauer wendet. Auch Fotos von Fastnachtsumzügen dürfen im Internet verbreitet werden. Der Bezug zur Veranstaltung muss jedoch stets klar zu erkennen sein. Bei Mannschafts- oder Gruppenfotos, die neben einer Printveröffentlichung auch ins Internet gestellt werden sollen, empfiehlt es sich, eine Zustimmung für Veröffentlichungen einzuholen. Als Tipp gilt immer: Fragen Sie sich zunächst erst einmal selbst, ob Sie das Foto auch dann im Internet veröffentlichen würden, wenn Sie selbst auf dem Foto zu sehen wären. Falls Sie sich unsicher sind: Fragen Sie den Betroffenen und lassen Sie sich eine Genehmigung schriftlich bestätigen.

Was bedeutet die neue Regelung für Vereinschroniken?

Bei historischen Fotos kommt es vor, dass abgebildete Personen länger als zehn Jahre tot sind. Aus juristischer Sicht dürfen diese Fotos problemlos veröffentlicht werden. Bei abgebildeten Personen, deren Tod noch keine zehn Jahre zurückliegt, muss eine Einwilligung der Angehörigen eingeholt werden.

Welche Strafen blühen bei Missachtung?

Von Ende Mai an drohen Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – je nach dem, was höher ist. Bei Facebook übersteigt das schnell die Milliarden-Marke. Beim Strafmaß sollen Faktoren wie Schwere und Dauer des Verstoßes, die Zahl der Betroffenen und die Vorsätzlichkeit berücksichtigt werden.

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