Tierherberge in Egelsbach

„Ein Hund ist ein Luxus geworden“

Anfang der Achtziger begann die Arbeit der Tierherberge in Egelsbach. Seitdem hat sich viel verändert. Unsere PJZ-Autorin Davina Laric sprach mit Tierheimleiterin Sandra Schulz über ihre Arbeit, Tierversuche und die Anforderungen an künftige Hundebesitzer.

Seit wann gibt es die Tierherberge in Egelsbach?

SANDRA SCHULZ: Der Verein ist 1981 aus einer Not heraus gegründet worden. Hier wohnte eine tierliebe Familie mit vielen eigenen Tieren. Es kamen immer neue Tiere hinzu, sodass es irgendwann überhandgenommen hat und in Frankfurt ein eingetragener Verein gegründet wurde.

Welche Tierarten werden aufgenommen?

SCHULZ: Früher gab es alle möglichen Tierarten wie Katzen, Pferde, Ponys, Schafe, Ziegen und so weiter. Seit ungefähr 20 Jahren sind es nur noch Hunde, und das reicht auch. Deswegen auch der Name „Tierherberge“, da der Name „Tierheim“ meist negativ behaftet ist.

Wie finanziert sich das Tierheim? Gibt es Zuschüsse?

SCHULZ: Wir finanzieren uns hauptsächlich durch Spenden, Vermittlungen, Erbschaften oder Patenschaften. Leider bekommen wir keine Unterstützung vom Staat. Wir sind ein rein privater Verein, also nicht so wie die kommunalen Tierheime, die von den Gemeinden Zuschüsse bekommen. Aber man muss hinzu sagen, dass durch die Bevölkerung schon einiges ankommt. Vor allem Futterspenden oder Decken für den Winter. Wir haben drei Festangestellte, zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis, der Rest arbeitet ehrenamtlich.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Behörden aus?

SCHULZ: Das Veterinäramt schaut immer sehr genau. Leider hat es uns im Sommer auch ein paar Probleme bereitet, und wir mussten das Tierheim eine Weile schließen. Das ist zum Glück jetzt alles vorbei und es ist wieder alles in Ordnung.

Aus welchen Gründen kommen Tiere in das Tierheim? Woher kommen sie? Was sind Abgabegründe?

SCHULZ: Die Gründe sind ganz unterschiedlicher Art. Wir haben uns in den letzten Jahren auf den Auslandstierschutz spezialisiert und arbeiten mit in Europa verteilten Tierheimen zusammen. Dort verstärkt mit Hunden aus Rumänien, aber auch aus Griechenland, Spanien und Ungarn. Wir haben auch eine Kooperation mit einem Versuchslabor, allerdings nicht so dramatisch, wie man es aus den Medien kennt. Meist werden Entwurmungsmittel oder Zeckenpräparate getestet. Wenn diese Hunde freigegeben werden, kann es vorkommen, dass wir zehn bis 20 Beagle auf einmal bekommen. Natürlich nehmen wir auch Fundtiere auf, genauso wie Privatabgaben. In den letzten Jahren tritt das durch Scheidungen oder durch Arbeitslosigkeit bedingt vermehrt auf. Ein Hund kostet mittlerweile mehr als früher. Es geht schon mit den Tierarztkosten los und den Spezialsachen wie Sommer- und Winterbett, Spezialfutter und ähnliches. Es ist viel stärker ein Luxus geworden, einen Hund zu halten als noch vor 20 Jahren.

Was passiert, wenn im Tierheim kein Platz mehr ist?

SCHULZ: Meist findet sich hier immer ein Platz. Allerdings müssen kommunale Tierheime in Deutschland Tiere, die abgegeben werden, auch aufnehmen.

Was passiert mit Tieren, die nicht vermittelt werden?

SCHULZ: Bei uns dürfen diese Tiere ihren Lebensabend verbringen. Wir haben aktuell einen 15-jährigen Schäferhund-Mischling, der nicht einfach ist und die letzten sieben Jahre durchgängig hier war, aber er darf bleiben bis zum Schluss.

Kommen manchmal auch Tiere zurück, die schon einmal vermittelt wurden, wenn ja, was sind die Gründe?

SCHULZ: Ja das kommt auch vor, aber zum Glück selten. Wir prüfen vor der Abgabe eines Tieres im Vorfeld schon ziemlich genau. Man muss schon öfter hierher kommen und viele Gespräche führen, bis ein Hund letztendlich mitgenommen werden kann. Es gibt Ausnahmen, wo es zu Hause überhaupt nicht funktioniert, wenn zum Beispiel schon vorher vorhandene Tiere sich mit dem neuen Tier nicht verstehen. Das kann man im Vorfeld leider manchmal nicht ganz genau abklären.

Kann man im Tierheim helfen? Welche Möglichkeiten gibt es, wenn man das Tierheim unterstützen möchte, aber kein Tier aufnehmen kann?

SCHULZ: Das ist möglich zum Beispiel durch Gassi gehen und natürlich durch Spenden – diese sind jederzeit gerne willkommen. Man kann auch Patenschaften für Hunde übernehmen. Kleine Summen helfen uns schon.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, um ein Tier aufnehmen zu können?

SCHULZ: Nein keine dramatischen Voraussetzungen. Es sollte eben passen. Zeit ist ein Hauptfaktor, aber man sollte sich auch über die Kosten eines Tieres im Klaren sein, wenn das Tier dann doch mal etwas hat und zum Tierarzt muss.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare