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Fake-Shops bieten Ware im Internet meist zum Schnäppchenpreis an, liefern dann aber nicht.

Kriminalität

Verfahren um Millionenbetrug gestartet: Erste Geständnisse im Fake-Shop-Prozess

Drei Männer sollen Tausende von Kunden im Internet übers Ohr gehauen haben. Stehen nur „Strohmänner “ in Frankfurt vor Gericht? Die Hinterleute könnten in der Türkei stecken.

Frankfurt - Drei mutmaßliche Betreiber eines sogenannten Fake- Shops im Internet müssen sich seit Mittwoch wegen bandenmäßigen Betruges vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die 32 bis 55 Jahre alten Männer sollen laut Anklage in den Jahren 2017 und 2018 in mehr als 9300 Fällen bundesweit Unterhaltungselektronik und andere Waren im Internet zum Kauf angeboten haben, die in Wirklichkeit aber gar nicht existierten. Von Kunden wurde Vorkasse verlangt, geliefert wurde dann aber nichts.

28 000 Geschädigte

Am ersten Verhandlungstag legten zunächst der 55 Jahre alte Geschäftsführer der betrügerischen Firma sowie ein Gehilfe (32) Geständnisse ab. Der dritte Angeklagte will sich kommende Woche äußern. Die Wirtschaftsstrafkammer signalisierte bei Geständnissen Haftstrafen von bis zu vier Jahren. Der Gehilfe soll eine Bewährungsstrafe erhalten.

Die Staatsanwaltschaft errechnete in der Anklage einen Schaden von 5,1 Millionen Euro. Sie geht aber davon aus, dass die tatsächliche Summe mehr als elf Millionen Euro beträgt und dass es rund 28 000 Geschädigte gibt. In 9300 Fällen wurde Anzeige erstattet. Einem der Angeklagten wird zusätzlich noch Steuerhinterziehung in einer Höhe von 1,6 Millionen Euro zur Last gelegt.

Zwei Täter in U-Haft

Nachdem sich die Strafanzeigen der betrogenen Kunden im September vergangenen Jahres gehäuft hatten, wurden die Männer festgenommen. Zwei von ihnen sind noch immer in Untersuchungshaft. Den Ermittlungen zufolge war auch der Geschäftsführer nur ein „Strohmann“ für die von der Türkei aus agierenden Hinterleute. Bei den bislang unbekannten Haupttätern soll auch der größte Teil der betrügerischen Einnahmen gelandet sein. Das Gericht hat zunächst fünf Verhandlungstage bis Ende März geplant. Durch die Geständnisse könnte der Prozess aber auch schneller zu einem Abschluss kommen.

(dpa)

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