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Der 38-jährige Palästinenser Issam Al Kasem am Steuer seines Busses in Mainz.

Integrationsprojekt

Flüchtlinge arbeiten in Mainz als Busfahrer

Als vor allem im Sommer 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sah ein rheinland-pfälzisches Nahverkehrsunternehmen seine Chance: Es rekrutierte die Männer aus Syrien und Afghanistan als Busfahrer.

Issam Al Kasem hat geschafft, wovon viele Geflüchtete träumen. 2013 kam er aus Nazareth nach Deutschland, mittlerweile lebt der 38-Jährige nicht nur mit seiner Frau und zwei Töchtern in Mainz, er hat auch einen Job gefunden: Al Kasem arbeitet als Busfahrer bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG).

Seit dem Sommer 2015, in dem viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hatten viele Unternehmen die Hoffnung, dass Fachkräfte darunter sind oder die Geflüchteten zu solchen ausgebildet werden. Das ließ sich – auch wegen bürokratischer Hürden – schwieriger an als erwartet. Aber die Zeichen stehen gut: Im September 2017 – das sind die aktuellsten Daten – waren 3510 Menschen aus den acht Staaten mit den meisten Asylanträgen der vergangenen Jahre als Fachkraft sozialversicherungspflichtig in Rheinland-Pfalz beschäftigt. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Im September 2016 waren es nur 2019 Flüchtlinge – eine Steigerung um fast 75 Prozent.

„Wir sind unvoreingenommen an die Sache rangegangen“, erklärt Stefan Löhner von der MVG trocken. „Uns fehlen Bus- und Straßenbahnfahrer, also stellen wir seit 2011 schon internationales Fahrpersonal an.“ Was mit Menschen aus Tschechien, der Slowakei und Kroatien begann, wurde dann nach 2015 mit Migranten unter anderem aus Syrien, Afghanistan und dem Iran fortgesetzt. „Uns geht es darum, Fahrer zu finden, die von der Mentalität zu uns passen, uns ist egal, wo sie herkommen“, verdeutlicht Löhner.

Also fuhr er zusammen mit einer Kollegin in Flüchtlingsheime und suchte sich seine künftigen Angestellten selbst aus. „Das war zwar rustikal, ganz ohne Arbeitsagentur und Unterstützung, aber es hat funktioniert“, resümiert Löhner. Aus dem unkonventionellen Ansatz wurde ein Projekt, das mittlerweile sechs Geflüchteten einen Arbeitsvertrag verschafft hat, fünf weitere beginnen Anfang August. Die MVG hatte von Beginn an allen Teilnehmern eine Einstellung zugesichert.

Die größte Herausforderung für Al Kasem und seine Kollegen ist neben den völlig neuen Lebensumständen die deutsche Sprache. Noch heute kämpft er damit – etwa wenn er der Leitstelle durchgeben muss, was im Bus defekt ist. Außerdem muss, wer als Busfahrer in Deutschland arbeiten will, das IHK-Zertifikat zur Personenbeförderung erwerben. „Wir haben dafür ein spezielles Training entwickelt, weil die Bewerber teils viermal durch die Prüfung gefallen sind“, berichtet Doris Hormel, Projektleiterin bei dem gemeinnützigen Unternehmen Arbeit & Leben in Mainz. Auch der Sprachkurs wurde extra für die Branche angepasst. Ende des Jahres läuft die Förderung im Mainzer Projekt aus. Isaan Al Kasem blickt freilich positiv in die Zukunft. Er will weiter an seinem Deutsch arbeiten.

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