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Wie die Erweiterungspläne für die Rhein-Main Deponie in Wicker aussehen, soll Ende November bekanntgegeben werden.

Das Müll-Geheimnis wird erst später gelüftet

Restabfall auf der Rhein-Main Deponie soll weitere 20 Jahre entgegengenommen werden

Die Pläne zur Erweiterung der Rhein-Main Deponie werden im November vorgestellt. Dazu werden die Anwohner aus den Kommunen rund um das Deponiegelände gefragt werden.

Wicker - Was genau auf dem Areal der Rhein-Main Deponie (RMD) im Flörsheimer Stadtteil geplant ist, wissen bislang nur Insider. Die Pläne zur Erweiterung, an denen Ingenieure und Geschäftsführung seit Monaten arbeiten, sollen am 26. November öffentlich vorgestellt werden. Das teilte der Sprecher der Geschäftsführung, Heino von Winning, mit. Seinen Angaben zufolge würden die Bürgermeister der Anrainerkommunen Flörsheim und Hochheim sowie die Lokalpolitiker beider Städte ebenfalls erst an diesem Abend über Details informiert. "Wir wollen das Geheimnis für alle gleichzeitig lüften und verhindern, dass bereits hinter den Kulissen darüber geredet wird", sagte von Winning.

Frankfurt: Fünf Millionen Tonnen

Dass die Rhein-Main Deponie, deren Stilllegung bereits im Jahr 2005 beschlossen wurde, nun doch erweitert wird, ist keineswegs unumstritten. Details zur Erweiterung der Deponie in Wicker wollte von Winning noch nicht nennen. Er machte aber deutlich, dass sich am Betrieb selbst, so wie er bisher läuft, nichts ändern soll.

Heino von Winning (Sprecher der Geschäftsführung, rechts) und Marcus Losch, Ansprechpartner für das Sanierungsgutachen. Archivbild: Reuß

Geplant sei, die Ablagerung von Restabfällen im bisherigen Umfang für weitere 20 Jahre fortzusetzen. Bei 250 000 Tonnen pro Jahr handele es sich um ein Gesamtvolumen von fünf Millionen Tonnen. "Damit wäre die lokale Entsorgung der Restabfälle von zwei Millionen Menschen des Rhein-Main-Gebietes langfristig gesichert. Auch die Gebühren blieben stabil", erklärte von Winning. Ohne Erweiterung sei das Deponievolumen in Wicker in spätestens zwei Jahren ausgeschöpft. Auch nirgendwo anders in der Region könnten Deponien nach 2029 Müll annehmen. Einen neuen Standort im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet zu finden, sei kaum möglich. Der Rhein-Main Deponie komme vor diesem Hintergrund besondere Bedeutung zu. Von Winning: "Es wäre Wahnsinn, wenn wir beschließen, dass wir den Müll der Bürger aus dem Rhein-Main-Gebiet klimaschädlich in entfernte Regionen transportieren, um ihn dort zu entsorgen."

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt bei den Erweiterungsplänen die schwierige finanzielle Situation, in die der kommunale Müllkonzern 2017 geraten ist. Als Gründe wurden Niedrigzinsen bei den für die Deponienachsorge gebildeten Rücklagen sowie eine längere gesetzliche Nachsorgepflicht bis 2075 genannt, ebenso Erlösrückgänge beim Verfüllen der Deponien in Wicker und Brandholz.

Rhein-Main: Deponie noch 20 Jahre in Betrieb

Die Gesellschafter Main-Taunus- und Hochtaunuskreis verpflichteten sich, bis Ende 2027 jeweils 30,87 Millionen Euro für die Sanierung zu zahlen. Dazu kam eine Bürgschaft von 2,2 Millionen Euro, um ein Betriebsmitteldarlehen der Taunus Sparkasse abzusichern. Das Sanierungsgutachten, das danach erarbeitet wurde, habe für die Zeit nach 2027 ohne die Erschließung neuer Geldquellen ein "Schreckensszenario" gezeichnet, so von Winning. Von den 150 RMD-Mitarbeitern sei die Hälfte dort beschäftigt. Weder das Bodenbehandlungszentrum in Wicker noch die Schlackeaufbereitung hätten eine Zukunft. Auch die Bioabfallbehandlung müsse aufgegeben werden.

Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung, die am Dienstag, 26. November, 18 bis 20 Uhr, in der Goldbornhalle ausgerichtet wird, wollen von Winning, die Aufsichtsratsvorsitzende der RMD, Madlen Overdick, sowie Experten über das Verfahren zur Deponieerweiterung berichten. An Themenständen können die Besucher mit Experten diskutieren. "Wir wollen durch die frühe Bürgerbeteiligung auf mögliche Vorbehalte aller Akteure eingehen", sagte Heino von Winning.
von Andrea Rost

Noch im Jahr 2018 stand die Deponie in der Kritik, weil für die Sanierung bis zu 25 Millionen Euro ausgegeben werden müssen.

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