Corona

Schulstart in Hessen: Kreis ordnet Maskenpflicht auch im Unterricht an

  • vonFriedrich Reinhardt
    schließen

In Hessen startet das neue Schuljahr unter Corona-Auflagen. Nun haben die ersten Schulen die Regeln rund um die Maskenpflicht verschärft.

  • Zum Schulbeginn in Hessen nach den Sommerferien stellen sich wegen der Corona-Pandemie viele Fragen.
  • Maskenpflicht gilt in allen Schulen – nicht aber in den Klassenräumen.
  • In einigen Schulen in Hessen soll es jedoch auch eine Maskenpflicht im Unterricht geben.

Update vom Dienstag, 18.08.2020, 09.47 Uhr: Nachdem bereits das Gymnasium Elisabethschule in Marburg und auch die Kopernikus-Gesamtschule in Freigericht im Main-Kinzig-Kreis angekündigt haben, eine Maskenpflicht zusätzlich in Klassenräumen einzuführen, folgt nun auch der Kreis Groß-Gerau. In Teilen des Landkreises müssen Lehrer und Schüler auch während des Unterrichts eine sogenannte Alltagsmaske wegen der Corona-Pandemie tragen.

Landrat Thomas Will (SPD) begründete die Anordnung am Montag mit den zuletzt stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen im nördlichen Teil des Kreisgebiets. Vor allem Reiserückkehrer haben der Kreisbehörde zufolge zuletzt für einen Anstieg gesorgt. „Für Schulen in Rüsselsheim am Main, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasenbedeckung auch für den Präsenzunterricht im Klassen- oder Kursverband“, teilte der Kreis mit. Auch ein Sportunterricht dürfe nicht stattfinden. Die Regelung gilt zunächst bis Ende August.

Schulstart in Hessen: Groß-Gerau ordnet Maskenpflicht im Unterricht an

Die neue Allgemeinverfügung im Kreis Groß-Gerau ist jedoch umstritten. Rüsselsheims Schuldezernent, Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) kritisierte, dass somit Schüler die gesamte Zeit über eine Maske tragen müssten. „Das ist kein praxistauglicher Umgang mit dem Problem, denn die Schulen sind in der Zwickmühle, gegen welche Vorgabe sie jetzt verstoßen sollen. Eine regelmäßige ,Maskenpause‘ im Freien bei Wahrung der Abstandsregelung ist aus meiner Sicht dringend geboten.“ Im Schulalltag müsse es unter sicheren Bedingungen möglich sein, die Maske regelmäßig abzulegen.

Schulbeginn in Hessen: Erste Schulen machen Ernst – Bald Maskenpflicht im Unterricht?

Update vom Montag, 17.08.2020, 12.28 Uhr: Nach den Sommerferien hat für knapp 705.000 hessische Schülerinnen und Schüler am Montag der Unterricht in Hessen wieder begonnen. Wegen der aktuellen Corona-Pandemie jedoch unter ganz besonderen Bedingungen. Am Dienstag (18.08.2020) kommen dann die 55.600 Erstklässler dazu. Das Land bleibt zwar vorerst bei seiner Linie, für die Klassenzimmer keine Maskenpflicht anzuordnen - allerdings muss generell auf dem Schulgelände bis zum Betreten des Klassenraums ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Einige Schulen in Hessen kündigten jedoch bereits an, eine Maskenpflicht auch im Unterricht anzuordnen. Darunter das Gymnasium Elisabethschule in Marburg und auch die Kopernikus-Gesamtschule in Freigericht im Main-Kinzig-Kreis. „Die Schulkonferenz hat in einer Eilentscheidung beschlossen, dass zum Beginn des Schuljahres 2020/2021 zunächst für die Dauer von zwei Wochen, also vom 17.-28.08.2020, eine allgemeine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) auch im Unterricht eingeführt wird", ist auf der Homepage der Schule im Main-Kinzig-Kreis zu lesen.

Schulstart in Hessen: Schule mit Maske und Abstand - Corona-Risiko bei Lehrern und Schülern

Auch in Teilen des Kreises Groß-Gerau, der aktuell mit vielen Neuinfektionen zu kämpfen hat, könnte es laut „hessenschau.de" demnächst eine flächendeckende Maskenpflicht in den Schulen geben. Das staatliche Schulamt sei dafür aktuell in Abstimmung mit den Ämtern und Schulträgern. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) rechnet damit, dass bis zu sechs Prozent der Lehrer mit Verweis auf ihr besonderes Corona-Risiko für den Unterricht in der Schule ausfallen. Diese Prognose fuße auf den Erfahrungen in anderen Bundesländern. Bei den Schülern geht Lorz von einer Quote von unter fünf Prozent von Kindern und Jugendlichen aus, die zu einer Corona-Risikogruppe zählen und daher per Attest vom Unterricht in der Schule freigestellt werden.

Schulbeginn in Hessen: Das wird sich durch Corona am Unterricht ändern

Update: Mittwoch, 12.08.2020, 14:45: Die Unsicherheit wegen der Maskenpflicht bei Schulleitungen, Lehrern und Schülern hat das hessische Kultusministerium am Mittwoch beendet. Fünf Tage, bevor in Hessen die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb starten, fiel die Entscheidung: In hessischen Schulen herrscht Maskenpflicht - nicht aber während des Unterrichts, nicht aber im Klassenzimmer.

Wegen der Corona-Krise waren die Schulen im März geschlossen. Unterricht fand - verbunden mit vielen Problemen - zu großen Teilen über Internet zu Hause statt. Nun sollen die Schüler wieder regulär in der Schule unterrichtet werden. Schulleitungen und Bildungspolitik muss dies aber so regeln, dass sich Schulen nicht zu Infektionsherden in der Corona-Pandemie entwickeln.

Die Entscheidung des Kultusministeriums zu einer Maskenpflicht im Schulgebäude, aber nicht im Klassenzimmer, ist eine der leichteren unter den diskutieren Varianten der Maskenpflicht. Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber hatte etwa auch die Maskenpflicht in den Unterrichträumen gefordert - zumindest für die ersten Wochen.

Nur noch mit Maske in die Schule? Was für Eltern und Schulkinder wichtig ist.

Erstmeldung vom Dienstag, 11.08.2020, 9:34 Uhr: Frankfurt / Hessen - Corona hin oder her, in Hessen beginnt am 17. August nach den Sommerferien wieder die Schule. Anders als vor den Sommerferien soll in den Schulen wieder der Regelbetrieb aufgenommen werden. Das heißt, Home-Schooling wird nur noch in Ausnahmefällen genehmigt und in den Klassenzimmern werden die Schülerinnen und Schüler wieder in voller Klassenstärke unterrichtet.

Der Ausnahmezustand ist für die Schüler, Lehrer und Eltern allerdings noch lange nicht vorbei. Entgegen der Hoffnungen sind die Infektionszahlen in der Corona-Krise bis zum Ende der Schulferien nicht weiter gesunken, sondern in den vergangenen Wochen wieder angestiegen. Schulen und Eltern stellt die Corona-Krise somit vor eine Herausforderung. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

Schulstart mit Corona: Dicht drängen sich Schüler mit Masken

Was ist genau mit „Regelbetrieb“ gemeint?

"Regelbetrieb" heißt vor allem, dass die Corona-Abstandsregeln im Klassenzimmer aufgehoben werden und für (fast alle) Schülerinnen und Schüler der Präsenzunterricht wieder verpflichtend ist. Vor den Sommerferien durften an hessischen Schulen maximal 15 Personen gemeinsam unterrichtet werden. Die meisten Schüler wurden von zuhause aus von ihren Lehrern mit Unterrichtsstoff versorgt. Ein fester Stundenplan konnte so in den allermeisten Schulen nicht gefolgt werden. Diese Regelung wird nun Rückgängig gemacht und Schulen kehren zu ihrem alten Kurs- und Klassenunterricht zurück.

Wird es in den Schulen wieder die Wahlfächer und Ganztags-Angebote gebe?

Prinzipiell ja. Sofern die Schule ausreichend Lehrkräfte und andere Mitarbeiter hat. Der reguläre Unterricht habe aber Vorrang, heißt es aus dem Kultusministerium.

Warum gehen Schulen in den Regelbetrieb, wenn die Corona-Krise noch nicht vorbei ist?

Die Kultusministerkonferenz hat am 18. Juni 2020 beschlossen, dass Schulen wieder nach den Sommerferien wieder im Regelbetrieb starten sollen. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus „auf ein erfreulich niedriges Niveau gesunken“, wie es aus dem hessischen Kultusministerium hieß. Inzwischen waren sind die Infektionszahlen zwar wieder gestiegen. Das Ministerium möchte mit dem Regelbetrieb aber auch Familien entlasten, und ihnen erleichtern Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Ebenso solle „auch dem Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit Rechnung getragen“ werden.

Wie wird mein Kind in der Schule vor einer Infektion mit dem Corona-Virus geschützt?

Die allgemeinen Hygieneregeln wegen des Corona-Virus sollen laut Kultusministerium auch in Schulen in Hessen gelten. Dazu gehöre etwa:

  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen
  • Körperliche Kontakte sind zu vermeiden
  • Der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern soll auch in der Schule eingehalten werden, wenn es denn geht
  • Klassenzimmer sollen regelmäßig gelüftet werden
  • Oberflächen und Toiletten werden regelmäßig (teils nach jeder großen Pause) gereinigt oder desinfiziert
  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung (Corona-Maske) zu tragen, empfiehlt das Kultusministerium

Mit diesen Empfehlungen bleibt das Ministerium hinter manchen Forderungen zurück. Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hatte etwa am Dienstag, 4. August, vom Land einheitliche Richtlinien gefordert, die das Tragen von Corona-Masken in der Schule regeln. Wo und ob Schüler in der Schule Maske tragen müssen, ist bislang den Schulen überlassen. Am Mittwoch, 12 August, werde aber das hessische Corona-Kabinett tagen, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums. Dann werde über eine genauere Regelung der Maskenpflicht in Schulen beraten. Am Freitag sollen sie dann bekannt gegeben werden.

Infektionsketten in der Schule sollen zudem mit weiteren Maßnahmen möglichst frühzeitig unterbrochen werden. Dazu zählen:

  • Lehrerinnen und Lehrer sollen möglichst detailliert dokumentieren, wer mit wem engeren und längeren Kontakt hatte. Damit sollen bei möglichen Infektionen die Infektionsketten möglichst schnell nachvollzogen werden können.
  • Schulen müssen Infektions- und Verdachtsfälle dem Gesundheitsamt melden.
  • Schulkantinen dürfen nur Essen ausgeben, wenn sie die Regeln der Kontaktbeschränkung berücksichtigen.
  • Lehrerinnen und Lehrer dürfen sich aller 14 Tage kostenfrei auf das Corona-Virus testen lassen, selbst wenn sie keine Symptome haben.

Und wie soll das konkret in der Praxis aussehen?

Ein Beispiel: In der Frankfurter Schule am Mainbogen sollen alle Schüler auf den Gängen und in den Toiletten eine Maske tragen, erklärt Schulleiterin Christine Georg. Der Schulhof werde räumlich aufgeteilt, so dass etwa Acht-Klässler bei Acht-Klässlern stehen und Fünft-Klässler bei Fünft-Klässlern. Damit sollen klassenübergreifende Infektionswege durchschnitten werden. (Eine Besonderheit der Schule am Mainbogen ist zu dem, dass sie geraden eine Außenstelle habe und damit zwei Schulhöfe. „Ein Schulhof ist für die Fünft- bis Siebt-Klässler, der andere für die Acht- bis Zehnt-Klässler.) Vor jeder Unterrichtsstunde solle sich jeder Schüler die Hände waschen und desinfizieren, sagt Georg. Masken-Pflicht solle nur auf den Gängen und Toiletten gelten, insofern die hessische Landesregierung nicht noch etwas anderes beschließt. Mit ausreichend Seife und Einmal-Handtücher habe sich die Schule schon vor den Sommerferien eingedeckt und während der Ferien den Vorrat noch weiter aufgestockt. Die zusätzlichen Kosten habe das Stadtschulamt übernommen.

Das Kind oder ein Elternteil gehört zur Risikogruppe, gibt es da keine Ausnahmen von der Präsenzpflicht?

Doch. Ausnahmefälle sieht die hessische Landesregierung auch vor. Dafür braucht das aber ein ärztliches Attest. Der Arzt muss darin bescheinigen, dass bei einer Infektion mit dem Coronavirus ein schweren Krankheitsverlauf droht. Diese Ausnahmeregelung gilt nicht nur für Schülerinnen und Schüler sondern auch für Lehrkräfte und andere schulische Mitarbeiter. Werden Lehrer vom Unterricht freigestellt bleiben sie weiterhin im Dienst und müssen an Dienstversammlungen, Lehrerkonferenzen teilnehmen und müssen darüberhinaus ihrer Kolleginnen und Kollegen unterstützen.

In der Schule am Mainbogen etwa würden sie in einem separaten Raum andere Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung und bei den Korrekturen unterstützen, erklärt Schulleiterin Christine Georg.

Wenn Schüler weiterhin im Distanz-Unterricht bleiben, werden sie dann Noten bekommen können?

Schwierig, aber prinzipiell ja. Laut hessischen Kultusministerium können schulische Leistungen dann bewertet werden, „wenn sie im Zusammenhang mit dem Präsenzunterricht erbracht worden sind“, wenn der Lehrer den Schüler auch tatsächlich beurteilen kann. Beim Unterricht zuhause kann das schwierig sein. Die Lösung des Ministeriums:  „Von Seiten der Lehrkraft ist sicherzustellen, dass eine direkte Anbindung an den Präsenzunterricht in dem Rahmen hergestellt wird, wie es die technischen Bedingungen vor Ort zulassen“. Schüler sollen per Video dem Unterricht zugeschaltet werden. Das hat die Politik übergangsweise gestattet. Dafür könnten Schüler sich auch Laptops oder Tabletts ausleihen. Um das zu ermöglichen hat der Bund für Hessen 7,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und das Land hat die Summe mit dem Programm „Digitale Schule Hessen" um weitere 50 Millionen Euro aufgestockt. Allerdings ändern Computer und Software für Videoschalten nichts daran, dass viele Schulen in Hessen kein ordentliches Internet haben.

Wird die Schulmensa trotz Corona geöffnet haben?

Ja. Eine Schulmensa kann wieder öffnen. Allerdings müssen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden.

Und kann es im neuen Schuljahr auch wieder auf Klassenfahrten gehen?

Erstmal nicht. Mehrtägige Klassenfahrten und Schüleraustausche wird es frühestens im Februar 2021 wieder geben.

Von Friedrich Reinhardt und Svenja Wallocha (mit dpa)

Erstes Lehrer-Fazit: Die Maskenpflicht im Unterricht ist unzumutbar. Die GEW stellt eine klare Forderung an das Land Hessen.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare