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Nedal Altahan aus Syrien (links) und Amin Nawabi aus Afghanistan haben in Kronberg Unterstützung gefunden. Zum Beispiel hilft Tina Olbrich von der Flüchtlingshilfe.

Flüchtlinge in Kronberg

Freunde in der Fremde

Nedal Altahan fehlen die Worte. Die Freundschaft, die ihm in Kronberg entgegengebracht wurde, überwältigt ihn. Der 26-Jährige ist vor dem Bürgerkrieg aus Syrien geflohen.

Von KATHARINA BACKHAUS

Nedal Altahan fehlen die Worte. Die Freundschaft, die ihm in Kronberg entgegengebracht wurde, überwältigt ihn. Der 26-Jährige ist vor dem Bürgerkrieg aus Syrien geflohen. Vor einem Jahr kam er nach Deutschland, wurde nach einem Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen nach Kronberg geschickt. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden“, sagt er. „Alle waren sehr freundlich zu mir.“

Altahan hat vom Engagement vieler Kronberger profitiert, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Etwa 100 Personen arbeiten dort ehrenamtlich mit. Eine von ihnen ist Tina Olbrich. „Freundschaften ergeben sich automatisch, wenn man mit Menschen zu tun“, sagt sie. „Man muss nur aufgeschlossen sein.“ Olbrich hat ihren Beruf als selbstständige Fotografin zurückgestellt. „Die Arbeit mit Flüchtlingen ist ein Vollzeitjob. Das ist jetzt wichtiger“, erklärt sie.

Die Flüchtlingshilfe Kronberg unterstützt Flüchtlinge bei Behördengängen, bietet Sprachkurse an, vermittelt Wohnungen oder auch Ausbildungsplätze. Dabei spürt Tina Olbrich große Unterstützung durch Unternehmen in Kronberg. „Es gibt ganz tolle Angebote“. Ein Flüchtling hat zum Beispiel eine Ausbildung im Schlosshotel begonnen.

Der Syrier Altahan ist beliebt. Er spricht schon so gut Deutsch, dass er zu einem gefragten Übersetzer geworden ist. Da er als Flüchtling offiziell anerkannt wurde, konnte er sich einen Job suchen. Altahan hat in Syrien Jura studiert und einen Bachelor-Abschluss in der Tasche. Eine Flüchtlingshelferin vermittelte ihm den Kontakt zur Frankfurter Niederlassung der internationalen Rechtsanwaltskanzlei King & Wood Malleson. Dort ist er seit Anfang des Monats tätig. Für ihn ist das etwas ganz Besonderes: „Der Job ist für mich etwas ganz Großes, das kann man gar nicht beschreiben.“

Dank der Hilfe der Flüchtlingshelfer hat Altahan mittlerweile eine eigene Wohnung. Sein 17 Jahre alter Bruder Mohammed ist ebenfalls aus Syrien geflohen und kam nach ihm nach Kronberg. Für ihn hat Altahan die Vormundschaft. Beide haben Wünsche für ihre Zukunft, erzählt Altahan: „Ich will weiterarbeiten, die Sprache noch besser beherrschen und hier bleiben. Mein Bruder will später Ingenieur werden.“

Insgesamt leben derzeit etwa 200 Flüchtlinge in Kronberg. Einer von ihnen ist Amin Nawabi (20). Er stammt aus Afghanistan und wartet noch darauf, ob er als Flüchtling anerkannt wird oder nicht. Seit kurzem darf er sich eine Arbeit suchen, mit der Einschränkung, dass er keinem Deutschen oder EU-Bürger eine Stelle wegnimmt. Das prüfen die Behörden. „Ich habe Schreiner gelernt und will dies hier weitermachen, doch es ist schwer“, sagt Nawabi.

Die Villa Winter im Stadtzentrum ist der allgemeine Treffpunkt der Flüchtlingshilfe. Dort ist der „Treffpunkt International“ täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet. In dem Café besteht die Möglichkeit, Flüchtlinge und Helfer zu treffen. Durch das freie WLAN können Flüchtlinge Kontakt zu ihren Familien halten.

Hans Willi Schmidt hat die Flüchtlingshilfe in Kronberg mitbegründet. Er sagt: „Wir gehen hier den ersten Schritt des Willkommens, wollen aber auch Religions- und Geschlechtergleichheit vermitteln.“ Er betont: „Ich verlange von den Flüchtlingen auch, dass sie selbst etwas tun.“ Damit meint er beispielsweise, dass sich die Flüchtlinge mit der Handy-App „Ankommen“ beschäftigen, die unter anderem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Goethe-Institut entwickelt wurde. In der App bekommen die Flüchtlinge in verschiedenen Sprachen erklärt, wie Deutschland funktioniert. Gelernt haben sie in Kronberg auch ohne die App, dass sie auch in der Fremde Freunde finden können.

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