Chefredakteur 1949-1965

Freundschaft mit Frankreich

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Marcel Schulte hieß der vierte Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse, der noch zu Zeiten des Verlegers Hugo Stenzel zur Zeitung kam. Der am 30.

Marcel Schulte hieß der vierte Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse, der noch zu Zeiten des Verlegers Hugo Stenzel zur Zeitung kam. Der am 30. Januar 1910 in Brüssel geborene Sohn eines westfälischen Kaufmanns kam zum Journalismus, weil ihm der damalige Reichskanzler Heinrich Brüning bei einem Treffen mit der Zentrumsjugend nahegelegt hatte, sein starkes politisches Engagement doch in diesen Beruf einzubringen.

Der politischen Berufung folgend, verurteilte der Katholik Schulte 1936 in einem Leitartikel für den „Freien Aachener Volksfreund“ die kirchenfeindliche Politik der Nazis. Diese hatten von 1935 bis 1937 mehrere Strafverfahren gegen katholische Priester und Ordensangehörige wegen angeblicher „Devisen- und Sittlichkeitsvergehen“ begonnen. Schultes Kritik brachte ihm ein Berufsverbot ein.

Erst nach dem Krieg fand der gelernte Volkswirt zum Journalismus zurück – über den Umweg als stellvertretender Leiter des hessischen Wirtschaftsministeriums, dann als Chef der Presseabteilung der Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebiets, der „Bizone“ und später „Trizone“, wie es 1948/49 hieß. Schulte war Mitbegründer der Frankfurter CDU. Ende 1949 wurde er neuer FNP-Chefredakteur. In dieser Funktion machte sich Schulte vor allem für die Aussöhnung mit Frankreich stark. Den Schlüssel für ein künftiges Europa sah er in der deutsch-französischen Freundschaft. Er verhehlte nie, dass dies auch seinem Herzenswunsch entsprach. Denn von der französisch sprechenden Mutter hatte er die Sprache gelernt, kannte das Land von zahlreichen Besuchen schon von früher Kindheit an. Nicht von ungefähr daher der Vorname Marcel. Der Austausch zwischen Journalisten beider Länder lag Schulte ebenfalls am Herzen.

Es gelang im recht schnell, der Frankfurter Neuen Presse ein eigenes politisches Profil zu geben, nicht zuletzt dank seines Engagements in der Frankfurter CDU, die er damals selbst als „linksbürgerlich“ bezeichnete. Er vertrat die deutsche Journaille im Presserat und im internationalen Presseinstitut, das sich um die Zusammenarbeit der Zeitungen in der freien Welt stark machte.

Im Alter von nur 55 Jahren starb Marcel Schulte am 16. Oktober 1965 nach schwerer Krankheit.

(itt)

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