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Wer Facebook schmähen will, nennt es gern Fakebook. Das hat natürlich seine Gründe.

Analyse

Wie gefährlich sind Fake News?

Die Aufregung um Falschnachrichten im Internet – die sogenannten Fake News – ist besonders seit dem hitzig geführten US-Wahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump groß. Die Befürchtungen gehen bis zu einer Gefährdung der Demokratie. Sind diese Sorgen aber wirklich berechtigt?

Fake News sind in aller Munde. Gemeint sind damit in der Regel die im Internet und nicht zuletzt in den sozialen Medien kursierenden Falschnachrichten, welche mit Lügen und ausgedachten Geschichten den leichtgläubigen Leser manipulieren sollen. Zweck dieser Nachrichten ist entweder „Clickbait“, also die Erzielung von Gewinn aus einem häufigen Anklicken dieser sensationsorientierten Meldungen und den daraus resultierenden Werbeeinnahmen, oder – was noch um einiges problematischer erscheint – politische Propaganda.

Geprägt wurde dieser Begriff nicht zuletzt durch die Vorfälle während des US-Präsidentschaftswahlkampfs zwischen der Demokratin Hillary Clinton und ihrem republikanischen Gegenspieler Donald Trump. Mehrere News-Webseiten sowie soziale Medien wie Facebook oder Twitter mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, auf ihren Plattformen würden ungehindert Falschnachrichten gepostet und weiträumig geteilt, die Trump gegenüber Clinton begünstigten. Nach dem für viele Beobachter überraschenden Wahlsieg Donald Trumps wurden Befürchtungen laut, Fake News hätten das Wählerverhalten in signifikantem Maße beeinflusst und womöglich sogar Trump erst zu seinem Sieg verholfen. Stimmten diese Vorwürfe, würde das die Funktionsfähigkeit und Glaubwürdigkeit des demokratischen Prozesses im Internetzeitalter ernsthaft infrage stellen. Doch treffen diese Befürchtungen zu? Dieser Frage gingen die US-amerikanischen Wissenschaftler Matthew Gentzkow und Hunt Allcott nach. Dazu fragten sie 1200 amerikanische Wähler, ob sie bestimmte von den Forschern ausgewählte Nachrichten über Clinton und Trump gelesen hätten. Unter diesen befanden sich wahre Geschichten, Fake News sowie Placebos, also von den Wissenschaftlern ausgedachte Nachrichten, welche in Wahrheit nie publiziert worden waren. Die Ergebnisse waren überraschend: Während erwartetermaßen eine Mehrheit der Befragten echte Nachrichten sowohl konsumierten als auch diesen Nachrichten Glauben schenkten, war der Anteil der angegebenen Fake News und Placebo-Nachrichten mit 15 beziehungsweise 14 Prozent in etwa gleich groß, und ebenso der Anteil der Befragten, welcher diese Nachrichten für wahr hielt, nämlich jeweils 8 Prozent.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus diesen Ergebnissen ziehen? Das Fazit der Forscher ist, dass die Wirkung von Fake News auf die Meinung des Lesers und somit sein Wahlverhalten eher gering sei.

Vielmehr hätten die Leser schon vorab ein in die eine oder andere Richtung gefestigtes Weltbild, für welches die Nachrichten der eigenen Seite, seien es echte oder Fake News, lediglich als Bestätigung dienten. Darüber hinaus berechneten Gentzkow und Allcott, dass eine solche Falschnachricht wohl die Wirkung von 36 TV-Wahlwerbespots haben müsste, um eine entscheidende Wirkung auf den letztendlichen Wahlausgang zu haben. Eine solche Wirkung konnten die Fake News nicht annähernd erzielen.

Zumindest nach den Ergebnissen dieser Studie erscheint es also ganz so, als ob die schädlichen Wirkungen von Fake News im öffentlichen Diskurs übertrieben werden. Darüber hinaus ist auch gerade in der jüngeren Generation eine immer größere Medienkompetenz zu beobachten, welche es leichter macht, echte von erfundenen Nachrichten zu unterscheiden.

Dennoch wäre es ein Fehler, bei diesem Thema Entwarnung zu geben. Das Internet und die sozialen Medien werden in der Zukunft eine immer größere Bedeutung als Nachrichtenquelle gewinnen, somit sollten mögliche Fehlentwicklungen stets im Auge behalten werden. Aber es besteht kein Grund zur Panik, und übereilige Maßnahmen wie eine staatlich verordnete Löschung von Fake News durch private Anbieter, wie im kürzlich in Kraft getretenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz vorgesehen, entbehren jeder Grundlage und gefährden ihrerseits die Demokratie.

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