Arbeiterwohlfahrt Bad Vilbel

Gemeinsam schmeckt’s besser

Fast vier Stunden stehen die ehrenamtlichen Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt Bad Vilbel jeden Montag in der Küche. Mit Ehrgeiz zaubern sie den Gästen Leckeres zum Mittagessen. Hierbei sind die Kosten stets im Blick.

Jeden Montagmittag öffnet die Arbeiterwohlfahrt Bad Vilbel (Awo) ihre Tür für ein gemeinschaftliches Mittagessen. Hierzu sind vor allem ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und finanziell Benachteiligte eingeladen. Für wenig Geld erhalten alle Gäste eine Vorspeise, ein Hauptgericht und einen Nachtisch. Dazu muss sich jeder Besucher im Voraus anmelden. „Finanziell Benachteiligte, die einen Ausweis der Tafel haben, zahlen statt fünf Euro nur 1,50 Euro“, erzählt Hans-Joachim Hisgen, der Vizevorsitzende der Awo.

Bevor der Mittagstisch im Mai 2008 erstmals stattfand, habe Hisgen lange auf ein solches Angebot gedrängt. „Ich wollte, dass wir, ähnlich wie die Tafel, preiswertes und gutes Essen anbieten“, schildert er, „Es sollte für die Gäste etwas anderes sein als nur Tütensuppen.“

Der Mittagstisch sei für viele Teilnehmer außerdem ein Ort der Geselligkeit. Rosie Reifschneider (65) ist schon seit vielen Jahren regelmäßig Gast beim Awo-Mittagstisch. „Ich fahre immer mit dem Bus aus Gronau hierher“, sagt sie. Als Alleinstehende schätze sie besonders die Geselligkeit beim gemeinsamen Essen. Durch Mundpropaganda und die Zeitung habe sie damals von dem Angebot erfahren.

Zusammen mit dem ehrenamtlichen Helfer Joachim Hempel führt Hans-Joachim Hisgen die Liste mit allen Gästen des Mittagstisches. Jeder Teilnehmer wird abgehakt und der Beitrag bezahlt. Außerdem sind beide an diesem Tag für das Servieren des Essens zuständig.

„Normalerweise gibt es für fünf Euro kein Drei-Gänge-Menü mit vernünftig zubereitetem Essen“, merkt Hisgen an. Zu jedem finanziell Benachteiligten steuere die Stadt Bad Vilbel außerdem drei Euro dazu. So könne das Team die Kosten in etwa decken. „Eigentlich reicht das Geld nicht, weil die Räumlichkeiten auch finanziert werden müssen“, sagt Hisgen.

Die Awo biete aber auch andere Veranstaltungen an. So gebe es drei Mal in der Woche eine Betreuung für Demenzkranke, genannt „Café Kleeblatt“. Zweimal im Monat finde außerdem das „Café Gute Laune“ statt. Es bietet Menschen die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und den Nachmittag in Gesellschaft zu verbringen. „Wir sind weniger ein Verein“, findet Hisgen, „wir wollen nicht nur Geselligkeit bieten, sondern gesellschaftlich benachteiligten Menschen vor Ort Angebote geben.“ Dabei sei der Mittagstisch nur eines von vielen Projekten.

Der Awo-Mittagstisch besteht momentan aus durchschnittlich 16 Teilnehmern jede Woche. Wahrgenommen wird das Angebot in der Regel von Menschen, die nicht mehr berufstätig sind. Die meisten kommen regelmäßig und kennen sich deshalb gut untereinander. „Die Stimmung unter den Helfern ist optimal“, urteilt Hans-Joachim Hisgen. „Wir bemühen uns, den Menschen etwas Schönes auf den Tisch zu bringen.“ Von der Vorspeise bis zum Nachtisch bekommt jeder Gast sein Essen serviert. So können sie untereinander ins Gespräch kommen.

In Ausnahmefällen wird das Essen nicht vor Ort gekocht, sondern zuhause vorbereitet. Das ist immer dann der Fall, wenn jemand krank oder anderweitig verhindert ist. Auch heute ist die meiste Arbeit schon vorher erledigt worden. So kann sich das Küchenteam auf die Vorspeise konzentrieren. Dieses Mal haben Annette Hilscher, Konny Kirchner und Ursula Schmidt Brot mit Aufstrich, Linseneintopf mit Würstchen und Kokoskuchen vorbereitet. Mit viel Mühe wird jeder Teller hergerichtet und von Hans-Joachim Hisgen und Joachim Hempel serviert.

„Wichtig ist die Wertschätzung und der Umgang mit den Menschen“, sagt Hempel, „Das Essen wird nicht einfach auf den Teller geklatscht, sondern schön zubereitet.“ Dabei sei es eine Herausforderung, für so viele Personen zu kochen, erzählt Konny Kirchner. Dennoch haben alle drei Spaß an ihrer Arbeit.

Um die Kosten gering zu halten, achtet das ganze Team auf Sonderangebote. „Bei manchen Bad Vilbeler Firmen bekommen wir auch Preisnachlass beim Einkaufen“, erklärt Annette Hilscher. Das zubereitete Essen habe immer gute Qualität, sagt Hisgen stolz. „Wir wollen in Zukunft unsere Räumlichkeiten noch mehr mit Leben füllen“, erzählt Hisgen. Neue Projekte sollen deshalb noch entstehen.

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