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Auf dem Biohof Mager wird vieles nach alten Methoden und in Handarbeit gemacht. Die Karotten, die der 42-jährige Landwirt Sebastian Mager gerade geerntet hat, können im Hofladen in Klein-Karben und manchen Supermärkten gekauft werden.

Genuss pur

Alte Schule des jungen Bauern

Die Serie „Genuss pur“ möchte dazu anregen, es sich gut gehen zu lassen. Damit es uns, den Tieren und dem Land langfristig gut gehen kann, setzen viele junge Landwirte auf Ökolandbau. Einer von ihnen ist Sebastian Mager aus Klein-Karben.

Von Holger Pegelow

Karben - Müssen Obst und Gemüse Tausende von Kilometern zurücklegen, um beim Verbraucher zu landen? Nein, sagt der Karbener Biolandwirt Sebastian Mager. Für ihn und seine Familie, die seit 1994 Ökolandbau betreiben und zertifizierte Biolandbauern sind, geht es um etwas anderes: um kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher. Was der 42-Jährige unter regional, traditionell und nachhaltig versteht, erläutert er gegenüber dieser Zeitung.

Im Jahr 1994, als Bio nur wenigen Menschen ein Begriff war und viele mit nachhaltiger Landwirtschaft nichts anfangen konnten, schwenkte Sebastian Magers Vater Albrecht vom konventionellen auf biologischen Landbau um. Anfangs habe man gesagt: „Wir bieten das an, was wir erzeugen: 100 Prozent regional und 100 Prozent saisonal.“ Da unter einer solchen Maxime aber viele Obst- und Gemüsesorten nicht das ganze Jahr über zu erhalten waren, habe man das verändert. „Die Erwartungshaltung der Kunden ist eine andere als saisonale Ware.“ Also habe man mit anderen Biolandwirten aus der Umgebung zusammengearbeitet. „Wir haben Waren, die wir nicht selber angebaut haben, von befreundeten Betrieben abgeholt. Und wir haben Obst und Gemüse, das wir angebaut haben, dort mit hingenommen.“ Mager erzählt, auf diese Weise habe man sich zentral in Bruchköbel immer ausgetauscht.

Heutzutage, wo Biowaren immer mehr nachgefragt seien, laufe dies alles über den Naturkosthandel Phoenix. Auf diese Weise gelangen die Produkte das Magerhofs beispielsweise in die Rewe-Märkte in der Region. Der Biolandhof Mager liefert Kartoffeln, Gemüse, Eier, Fleisch- und Wurstwaren, Suppenhühner, Backwaren aus eigenem Getreide und das Getreide selbst. Die meisten Waren kämen aus der Region, auch diejenigen, die der Hof hinzukaufe.

Alte Anbaumethoden

Doch nicht immer klappt das 100-prozentig. Sebastian Mager gibt zu, dass beispielsweise die Avocados „aus Europa“ stammten. Angesichts des zunehmenden Umweltbewusstseins und der CO²-Diskussion überlege man schon, ob man dieses Gemüse aus dem Angebot nehmen solle. Gleichfalls stelle er sich die Frage, ob er noch Auberginen anbieten solle.

Nicht nur das Prädikat „regional“ trifft auf den Öko-Bauernhof am Rande von Klein-Karben zu. Traditionell arbeite man gleichfalls. Er versteht darunter „alte Anbaumethoden“. Die funktionieren auf dem Hof wie folgt: „Die Basis für den Ackerbau ist eine spezielle Fruchtfolge“, sagt Mager. Auf einem Acker wächst zwei Jahre lang die Luzerne, das ist eine Pflanze, die den atmosphärischen Stickstoff in organischen Stickstoff umwandelt und an den Boden abgibt. Im dritten Jahr wird auf demselben Feld Weizen gesät. „Der braucht am meisten Nährstoffe.“

Im vierten Jahr kommen die Kartoffeln, im fünften das Futtergetreide für die Hühner und im sechsten Jahr die Sorten, die am wenigsten Nährstoffe benötigen, wie etwa Futtererbsen, aber auch Roggen oder Dinkel. Diese sogenannte Kreislaufwirtschaft sei vor der Erfindung des Kunstdüngers Standard in der Landwirtschaft gewesen.

Traditionell heiße aber auch, man sei nicht so stark mechanisiert wie andere Betriebe. „Wir haben auch unsere Maschinen, aber bei uns machen wir noch viel in Handarbeit.“ Sebastian Mager nennt hier als Beispiel die Herstellung von Blutwurst. „Früher hat man das Schweineblut fünf Minuten mit dem Kochlöffel gerührt, damit es nicht klumpt. Das machen wir heute auch noch so.“ In Großbetrieben werde dem Blut ein Gerinnungshemmer beigemischt.

Larven gegen Läuse Rund 60 Schweine und 850 Hühner werden auf dem Hof gehalten. 80 Hektar Fläche bewirtschaftet die Familie Mager mit zwölf Angestellten rund um den Hof. Ein Drittel davon befindet sich direkt um den Hof herum, aber es gibt auch Felder in anderen Karbener Stadtteilen und in Niddatal-Kaichen.

Ebenso wie die Ackerbewirtschaftung folgt die Schädlingsbekämpfung nach traditionellen Erkenntnissen. Der Magerhof setzt etwa gegen den Kartoffelkäfer „einen natürlichen Gegenspieler ein, den Bacillus thuringiensis“, erklärt Mager. Auch Läuse an Gurken werden mit Larven bekämpft. „Die Eier dafür kommen mit der Post.“ Insekten wie Florfliegen, Marienkäfer oder Schlupfwespen sind hier die natürlichen Gegenspieler.

Und wie sieht es in Klein-Karben aus in Sachen Nachhaltigkeit aus? „Angesichts der Klimakrise überprüfen wir unser eigenes Leben“, sagt der 42-jährige Vater von drei Kindern. So erzeuge man einen Teil des Stroms für den Hof selber, die Heizung werde mit Holzpellets betrieben, und Strom kaufe man nur aus Ökostrom hinzu. Vor Jahren schon habe man die Plastikverpackungen im hofeigenen Laden auf Papier umgestellt. „Die Kunden haben aber gelernt, Tüten und Taschen selber mitzubringen.“ Aber natürlich ergäben sich in der Praxis auch mal Probleme, etwa wenn man versuche, nasse Salatköpfe in Papier einzupacken, schmunzelt der Landwirt. Mager gibt angesichts der aktuellen Diskussion, auch innerhalb der Familie, zu, dass der Weg nicht immer einfach sei: „Wir haben einen Anspruch an unsere Arbeit und unser Leben. Wir wollen zufriedene Kunden, aber unseren eigenen Prinzipien treu bleiben.“ Manchmal, sagt er, sei das „schon ein ganz schöner Spagat“.

In dem Hofladen auf dem Magerhof im verlängerten Ulmenweg in Klein-Karben werden die hofeigenen Produkte aus ökologischer Erzeugung wie Kartoffeln, Eier, Fleisch- und Wurstwaren, Brot und Brötchen, Kuchen, Obst und Gemüse verkauft. Außerdem gibt es ein umfangreiches Naturkostsortiment sowie Pflege- und Reinigungsprodukte, Keramik, glutenfreie Produkte und Tiefkühlkost. Der Hofladen ist Mo, Di, Do und Fr von 9 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 19 Uhr geöffnet.Viele Produkte werden auch auf den Wochenmärkten samstagsvormittags in Klein-Karben an der Kirche und mittwochsvormittags in Schöneck-Büdesheim auf dem Platz vor dem Rathaus angeboten. (pe).

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