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Herbert Lang ist umgeben von Leckereien. Foto: Roessler

Genuss pur

So genießen die Hessen

Die Serie „Genuss pur“ möchte dazu anregen, es sich gut gehen zu lassen. Heute erzählt Herbert Lang, Leiter Tourismus- und Kongressmarketing der Hessen Agentur, wie und wo die Hessen am liebsten genießen und gibt Tipps für Auszeiten vom Alltag.

Herr Lang, was verstehen Sie unter Genuss?

Alles, was man hören, sehen, riechen und schmecken kann. Also die gesamte Bandbreite der sinnlichen Erfahrungen. Dabei spielt Wohlfühlathmosphäre eine wichtige Rolle und wird von jedem anders definiert. Während die einen sich im Herzen der Natur am wohlsten fühlen, blühen die anderen im Großstadttrubel auf und genießen jede Facette unserer quirligen Gesellschaft. Glücklicherweise bietet Hessen von allem etwas: ländliche Schönheit genauso wie urbanes Entertainment.

Sind die Hessen denn Genießer?

Auf jeden Fall. Das zeigen schon die vielen Spezialitäten, für die unser Bundesland berühmt ist: von der Grünen Soße über den Handkäs’ bis hin zum Äppelwoi. Nicht zu vergessen die Ahle Wurscht, für deren traditionelle Herstellung sich sogar ein eigens gegründeter Förderverein engagiert.

Welche Regionen zeichnen sich durch besonderen kulinarischen Genuss aus?

Da gibt es die Rhön mit ihren Schafen, den Vogelsberg mit seinem Wild und den Süden mit seinem Handkäs’. Die älteste Handkäserei Hessens ist ja in Groß-Gerau beheimatet.

Zudem lassen sich die Hessen gern von Süßem verführen, oder?

Ja, und die Lebkuchen aus Reichelsheim-Beerfelden schmecken besonders gut. Das konnte ich erst kürzlich auf dem Bauernmarkt in Groß-Umstadt feststellen. Dort war Baumann, die älteste Lebkuchenbäckerei im Bundesland, mit einem Stand vertreten. Obendrein finden sich in jeder Region die Hessischen Landfrauen, die super gut backen können und ihre heimischen Produkte bestens einsetzen.

Regionale Leckereien kommen nicht nur auf die Teller, sondern auch ins Glas. Welche beispielsweise?

Natürlich der Äppler oder das Stöffche, das Kenner aus dem Gerippten trinken. In Süd- und Mittelhessen ist der Apfelanbau stark verwurzelt. Mit dem Rheingau und der Hessischen Bergstraße verfügen wir über zwei wunderbare Weinbauregionen, die für Spitzenerzeugnisse bekannt sind.

Welche Rebsorte betrachten Sie als außergewöhnlich?

Den Roten Riesling von der Bergstraße. Das Kuriose daran: Wir sprechen von einer weißen Rebsorte, die eine rote Schale hat, aber als Grundlage für Weißwein dient. Anders als die klassische Riesling- Traube ist der Rote Riesling kaum bekannt. Dabei hat er eine fast ebenso lange Geschichte. Früher galt er als Urform des Rieslings. Heute wissen wir, dass es sich um eine farbliche Mutation handelt. Mittlerweile sind mehr und mehr Weinbauern, auch der jungen Generation, an dieser Rebsorte interessiert.

Wie wichtig ist den Hessen das Thema „Bio“?

Sehr wichtig, das sieht man schon an der steigenden Nachfrage. Die Konsumenten kaufen bewusster ein, achten selbst im Supermarkt da- rauf, ob ihre Eier mit einer 0, 1 oder 2 gekennzeichnet sind. Früher waren Bio- Produkte allenfalls Nischenprodukte. Doch Lebensmittelskandale haben dafür gesorgt, dass sich die Menschen wieder mehr für die Herstellung interessieren. Es ist die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen. Und da ist Hessen meiner Ansicht nach hervorragend aufgestellt.

Von kulinarischem zu kulturellem Genuss: Welches sind die hessischen Hochburgen?

Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Kassel zählen selbstverständlich dazu. Allerdings wurden auch viele kulturelle Initiativen auf dem Land gegründet. Ich war letztens beim „Musical Sommer“ in Fulda. Vor dem Dom findet jedes Jahr eine Musical-Produktion statt. Auf einer 56 Meter breiten Bühne mit Chor und Orchester. 2019 gab es den Bonifatius. Das fand ich sehr spannend und war eine schöne Auszeit von Alltag.

Der Alltagsstress lässt sich beim Sporteln genauso gut abbauen. Wie geraten die Hessen in Bewegung?

Etwa beim Radfahren. Entlang der Flüsse gibt es zahlreiche Radwanderwege. Für Mountainbiker eignet sich der Spessart. Wunderschöne Täler und Höhen sowie klare Bäche bestimmen dort das Tourennetz. Zudem ist Hessen bestens mit Wanderwegen ausgestattet, beispielsweise im Taunus und in der Rhön. Paddeln dagegen ist auf der Lahn angesagt.

Obendrein kann die Landschaft an sich genossen werden.

Besonders gut geht das im Unesco-Welterbe Nationalpark Kellerwald-Edersee, der sich durch einen einzigartigen, zusammenhängenden Buchenwald auszeichnet. Er gehört zu den „Buchenwäldern der Karpaten und Mitteleuropas“. Sie reichen von Rumänien über Thüringen bis nach Hessen. Auf die Wanderwege sollte man sich nur mit einem Geo-Ranger begeben. So lässt sich die Natur zugleich schützen und genießen.

Unter Genuss verstehen viele Hessen auch Wellness. Was hat das Bundesland in diesem Bereich zu bieten?

Das Kur-Royal Day Spa in Bad Homburg zählt sicher zu den schönsten Wellness- Anlagen. Daneben hält der Hessische Heilbäderverband tolle Angebote in den Heilbädern und Kurorten bereit. Manchmal sind die Grenzen zwischen dem, was man sich selbst gönnt, und dem, was verschrieben wird, fließend. Wichtig ist, dass es den Hessen und den Gästen unsers Bundeslandes gut geht. Sie sollen gesund sein, gute Luft atmen, lecker essen und trinken – einfach genießen.

Das Gespräch führte Andrea Möller.

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