Süße Früchtchen

Erdbeersaison startet - Bauern rechnen mit weniger Ernte als sonst

Die Erdbeersaison in Hessen ist gestartet, aber die Erdbeerbauern müssen in diesem Jahr wegen des Coronavirus mit weniger Erntehelfern auskommen.

  • Die Erdbeersaison in Hessen ist gestartet
  • Erdbeerbauern fehlen wegen des Coronavirus Erntehelfer aus dem Ausland
  • Bauern rechnen mit bis zu 30 Prozent weniger Ernte

Griesheim - Hunderte Meter lang schlängeln sich die grünen Erdbeerpflanzen über die Felder in Griesheim bei Darmstadt. Unter einem Tunnel aus Plastikfolie tragen die ersten dank der Sonne der vergangenen Wochen die ersten reifen Früchte. Es ist so weit: Am Donnerstag hat in Hessen offiziell die Erdbeersaison eröffnet.

Weniger Erdbeeren wegen Corona

Die Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Grüne) ist dieses Mal, wie sonst üblich, nicht gekommen. Besuchstermine nimmt sie wegen Corona noch nicht wahr. Doch Landwirt Reiner Paul aus Hofheim-Wallau, einer der großen Erdbeerbauern in der Region, ist froh, dass es jetzt losgeht. Die Menschen sehnten sich in dieser schwierigen Zeit nach ein bisschen Normalität, so wie er selbst auch, sagt er. Dazu gehörten natürlich die heimischen Erdbeeren.

Trotzdem müssen sie sich in Hessen wohl angesichts der Corona-Pandemie auf Verluste in diesem Jahr einstellen. Es sei „zu erwarten, dass die Erdbeerernte aufgrund der Corona-Krise etwas geringer ausfällt“, sagte Andreas Lenhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises Erdbeeren Hessen. Dennoch bezeichnete der Erdbeerbauer die Situation „vorsichtig als recht entspannt“.

Erdbeeren: Bauern rechnen mit bis zu 30 Prozent weniger Ernte

Lenhardt schätzt, dass er etwa 20 bis 30 Prozent der Ernte wegen fehlender Saisonarbeitskräfte nicht einfahren kann. Angesichts der derzeitigen Lage müsse er damit „glücklich und zufrieden sein“.

Auch Kollegen berichten dem Landwirt zufolge von Verlusten in einer ähnlichen Größenordnung. Lenhardt sagte, er könne mit etwa 70 Prozent seines sonst üblichen Personals arbeiten. „Das ist nicht übermäßig viel, aber wir kommen damit zurecht.“ Es gebe Kollegen, denen wegen der Corona-Krise überhaupt keine Erntehelfer zur Verfügung stehen, weil diese aus Ländern kämen, die nicht zum Schengenraum zählen. „Das sind aber wenige Ausnahmen“, sagte Lenhardt. 

Er selbst verfügt über 70 bis 75 Prozent der sonst üblichen Saisonkräfte, die schließlich aus Rumänien nach Deutschland kamen. Den Rest müsse man ausgleichen über andere Helfer, die es durchaus gibt, wie der Wallauer Reiner Paul berichtet. Er sei überrascht glücklich gewesen über die große Welle an Hilfsbereitschaft, die ihn in der letzten Zeit erreicht habe. Menschen, die in Kurzarbeit gehen mussten, Studenten, Arbeitslose, sogar Rentner hätten sich bei ihm gemeldet und ihre Mitarbeit auf dem Feld angeboten. Darauf werde er womöglich zurückgreifen, wobei älteren Menschen die Ernte nicht zuzumuten sei. Davon werde er lieber absehen.

Erdbeeren: Viele Freiwillige melden sich als Erntehelfer

Dennoch sei es schön zu sehen, dass sich viele Menschen engagierten. Auch spüre er schon jetzt eine verstärkte Nachfrage nach heimischen Erdbeeren. Viele hätten nun Interesse nach regionalen Produkten und Lebensmitteln. Paul und andere Landwirte hoffen, dass es auch nach der Krise dabei bleibt. Die Erträge bewertet Lenhardt zwiespältig. Der milde Winter und viel Sonnenschein hätten die Erdbeeren unter den sogenannten Tunneln demnach früh reifen lassen. Hier gebe es keine Verluste. Im Freiland jedoch hätten Nachtfröste und Stürme in den vergangenen Wochen Spuren an den Erdbeerpflanzen hinterlassen. Bis Ende Juli sind Erdbeeren zu erwarten. Verschiedene Sorten werden dafür angebaut. 

Erdbeeren in Hessen teurer als im Vorjahr

Die Preise seien in Bezug auf die Direktvermarktung der Erdbeeren auf saisonüblichem Niveau, sagte Lenhardt. Laut „Gutes aus Hessen“ sind Erdbeeren pro 500 Gramm etwa 50 Cent teurer als im vergangenen Jahr zum Start der Saison. Derzeit liege der Preis für eine 500-Gramm-Schale bei rund 4,80 Euro. In den kommenden Wochen dürften die Preise aber noch fallen. Anders als in anderen Bundesländern, wie etwa Niedersachsen, darf auch wieder selbst gepflückt werden. Schon kommende Woche sollen die Felder dafür geöffnet werden.

Von Olaf Kern

Rubriklistenbild: © Olaf Kern

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