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So idyllisch der Blick auf den Norden Frankfurts anmuten mag – hier eine schöne Wohnung zu einem bezahlbaren Preis zu mieten, ist Durchschnittsverdienern fast unmöglich.

Familien und Geringverdiener in Not

Mietwahnsinn im Rhein-Main-Gebiet wird immer schlimmer

Quadratmeterpreise von mehr als 13 Euro – und nur wenige Angebote. Eine bezahlbare Wohnung im Rhein-Main-Gebiet zu finden, kann eine Herkules-Aufgabe sein. Vor allem für Studierende, Geringverdiener und Familien.

Rhein-Main - Die Mieten im Rhein-Main-Gebiet steigen weiter – und mit ihnen die Anforderungen an die Bewerber. Drei Gehaltsnachweise, eine aktuelle Schufa-Auskunft, eine Bescheinigung des Vorvermieters und eine Selbstauskunft werden inzwischen häufig verlangt – nicht selten auch schon vor der Massenbesichtigung der Wohnung. Darüber hinaus will mancher Makler oder Vermieter genau wissen, warum der Bewerber umziehen möchte – insbesondere, wenn er schon irgendwo anders im Rhein-Main-Gebiet lebt und doch pendeln könnte. „Es ist schlimmer als bei einer Hausfinanzierung“, sagt der Vorsitzende des Mieterbunds in Rheinland-Pfalz, Franz Obst. 

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Studenten, Familien mit Kindern und Menschen mit Haustieren haben besonders schlechte Karten: „Es ist schlicht eine Katastrophe. Sie finden einfach nichts im bezahlbaren Bereich“, sagt Obst. Sein Kollege aus Hessen, Gert Reeh, stimmt zu: „Es wird immer schlimmer: Die Preise explodieren bei den Neuvermietungen.“ 

Mieten in Frankfurt: Auch andere Städte werden immer teurer

Nicht nur in der Rhein-Main-Metropole Frankfurt, auch in Mainz und Darmstadt sei die Lage sehr angespannt, vor allem bei kleinen Wohnungen, sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Das sind alles studentische Orte und sehr beliebte Städte.“ In Wiesbaden und Offenbach sei dies auch zu spüren. „Offenbach ist ein Standort, der sehr davon profitiert, dass Frankfurt so teuer ist.“ In der hessischen Landeshauptstadt kurble der amerikanische Militärflugplatz in Erbenheim die Mieten an, sagt der Erste Vorsitzende des Mieterbunds Hessen, Reeh. 

Bei Neuvermietungen mussten in Frankfurt im vierten Quartal 2018 im Durchschnitt 11,80 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden, wie Voigtländer sagt. In Darmstadt sind es danach 10,34 Euro, in Mainz 10,00 Euro. Wiesbaden liegt mit 9,50 Euro nur knapp dahinter, dicht gefolgt von Offenbach mit 9,30 Euro. Bei Neubauten seien es zumeist mindestens zwei bis drei Euro mehr pro Quadratmeter. 

Nach Recherchen des DGB sind die sogenannten Angebotsmieten sogar noch etwas höher. In Frankfurt kostet danach der Quadratmeter durchschnittlich 13,75 Euro – fast 16 Prozent mehr als vor vier Jahren. In Darmstadt sind es 11,36 Euro – fast 22 Prozent mehr. In Wiesbaden 10,67 Euro mehr (plus 17 Prozent) und in Offenbach beträgt der Anstieg sogar gut 23 Prozent auf 10,26 Euro. In Mainz müssen demnach für eine angebotene Vier-Zimmer-Wohnung zwischen 9,70 und 13,75 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. 

Mieten in Frankfurt: Hohe Preise gehen mit kleinem Angebot einher

Die hohen Preise gehen mit einem eingeschränkten Angebot einher. In Frankfurt fehlen nach Angaben der Stadt derzeit allein rund 40 000 Wohnungen. Nach einem Gutachten des Zentralen Immobilienausschusses ist der Markt mit einer Leerstandsquote von 0,5 Prozent in der größten Stadt im Rhein-Main-Gebiet fast leer gefegt. Auch im neu errichteten Omniturm sind die Mieten hoch

In Offenbach fehlen nach Angaben der Stadt etwa 11 000 Wohnungen. Mainz will die Zahl in diesem Jahr mit einer Untersuchung herausfinden. Wiesbaden schätzt, „dass rund 40 Prozent der Haushalte aufgrund des Haushaltseinkommens Anspruch auf eine geförderte Wohnung hätten“. Zugeklebte Briefkästen und Leerstände zeigten, dass mancher Investor auf noch mehr Rendite warte, kritisiert Reeh. 

Staat soll für bezahlbaren Wohnraum sorgen

DGB und Mieterbund sehen den Staat gefordert, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe im vergangenen Jahr nur 4000 Sozialwohnungen gefördert, kritisiert Obst. 25 Prozent Sozialwohnungen bei neuen Bauprojekten seien zudem viel zu wenig. Reeh fordert auch eine wirksame Mietpreisbremse – und von der schwarz-grünen Landesregierung in Wiesbaden ein entschiedeneres Vorgehen gegen Wohnraumzweckentfremdung. 

Die Grundsteuerreform dürfe die Mieter nicht belasten, verlangt Reeh. Wohnungsbaugesellschaften wie die Wiesbadener Helaba-Tochter GWW und der Darmstädter Bauverein sollten zudem wie die ABG Frankfurt Holding und Nassauischer Heimstätte den Anstieg der Mieten stoppen. Das wirke sich dann aufs gesamte Mietniveau aus. 

Dächer ausbauen und Einliegerwohnungen

Die wachsenden Städte täten sich mit mehr Bautätigkeit schwer, sagt Voigtländer. So ist auch das geplante Neubaugebiet im Norden Frankfurts bei den Anliegerkommunen hoch umstritten. Der Immobilienfachmann plädiert unter anderem für den Ausbau von Dächern und fordert ein Programm für Einliegerwohnungen. Viele Senioren lebten in großen Häusern, in die solche Wohnungen integriert werden könnten. 

von Ira Schaible

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