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Pippi Langstrumpf, die stärkste Freundin aller Kinder.

Pippi Langstrumpf, Hanni und Nanni, Hase Felix...

„Ich wollte nie erwachsen sein“

Während sich jeder nur noch mit sich beschäftigt, erinnert sich kaum einer mehr daran, was Freundschaft früher bedeutet hat.

Von ISABELLA GENNRICH

Wenn man klein ist, wünscht man sich nichts mehr, als endlich erwachsen zu werden. Doch wenn man erwachsen ist, blickt man sehnsüchtig auf die Kindheit zurück: Wie viel einfacher es war, die Welt zu verstehen, in seinem ganz eigenen Horizont! Und vor allem, wie viel einfacher es war, Freundschaften zu schließen.

Tatsächlich wandelt sich unser Freundschaftsideal mehrmals im Leben. Fest steht, dass man als Kind Freundschaft anders empfindet als Erwachsene. Trotzdem bleibt manches davon im Hinterkopf, vielleicht eine Erinnerung an ein Ereignis oder die eine oder andere Geschichte. Wer von uns kennt sie nicht, die Erzählungen über Freundschaft von Enid Blyton, Astrid Lindgren & Co, die uns in eine Welt aus Freude, Streit, Spannung und Happy End versetzen.

Wenn Hanni und Nanni mal wieder gemeinsam den Lindenhof auf den Kopf stellen. Wenn Pippi mit Tommy und Annika Pfannkuchen backt, eine spontane Ballonfahrt die Prusseliese in Ohnmacht versetzt oder Pippi die Schule aufmischt. Wenn fünf Freunde aus dem gewöhnlichen Urlaub bei ihrer Tante in ein Abenteuer um einen Schatz geraten und immer cleverer und schneller als die Polizei handeln, weil sie sich gegenseitig unterstützen. Das kleine Gespenst, das dem Uhu Schuhu alles berichtet, was es erlebt und, obwohl sie sich niemals duzen, beste Freunde sind. Heidi, die es mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Lebensmut schafft, Klara wieder das Gehen beizubringen. Wenn Sophie einen Brief vom Hasen Felix vom anderen Ende der Welt bekommen hat und jedem Wiedersehen freudig entgegensieht. Wenn Findus und Pettersson zusammen den Fuchs jagen wollen und stattdessen Gustavsson und seinen Hund mit einem Pfefferhuhn in die Flucht schlagen. Was wäre eine Kindheit ohne Karl Mays Winnetou, der mit seinem Pferd Iltschi für Gerechtigkeit kämpft? Ohne Emil und seine Detektivfreunde, die einen Taschendieb überführen? Die wilden Hühner zwischen Bandenkampf mit den Pygmäen und Sprottes hühnerschlachtender Oma? Oder Tabaluga und die Schneehäsin Happy gegen Arktos?

Wir wurden geprägt durch die lustige Geschichten rund um das Sams, das Herrn Taschenbier mit jedem blauen Punkt in seinem Gesicht einen Wunsch erfüllen konnte. Durch die tiefe Freundschaft zwischen Momo und ihrer Schildkröte Kassiopeia im Kampf gegen die grauen Herren. Wir waren gefangen zwischen Traum und Realität in „Alice im Wunderland“, die mit dem Hutmacher ein ganzes Reich vor der roten Königin rettete. Auf der Suche nach Maikäfer Sumsemanns sechstem Beinchen reisten wir in „Peterchens Mondfahrt“ durch die Milchstraße und lernten mit seinen Freunden wundersame Gestalten kennen. Wir lachten mit Meister Eder über die Einfältigkeit seines Pumuckl. Und mit der kleinen Hexe und ihrem Raben Abraxas flogen wjr auf den Blocksberg und feierten unsere eigene Walpurgisnacht.

Alle diese Bücher haben eines gemeinsam: Sie zeigen, wie wichtig Freundschaften sind, um seine Ziele zu verwirklichen. Heute laufen und laufen wir gegen die Zeit und haben keine mehr, um uns an unsere so wahren Freundschaften aus dem Kindergarten zu erinnern, die nicht darauf beruht haben, wie wir aussehen oder aus welchem Milieu wir kommen. Diese Bücherfreundschaften haben unsere Kindheit geprägt und sind doch verloren gegangen. Verloren im Erwachsenwerden, verloren im Existenzkampf, verloren im Streben nach Höherem. Wir belächeln sie. Behalten sie als fiktive, nicht auf die Realität übertragbare Märchen im Kopf.

Aber eigentlich hätte jeder von uns immer noch gerne einen Freund wie den Hasen Felix, der uns aus aller Welt schreibt. Eine Hanni, die mehr an Streiche als an Schulaufgaben denkt. Eine Pippi, der immer neue Abenteuer einfallen. Oder einen Uhu Schuhu, der uns nie den Weg nach Hause vergessen lässt. Vielleicht sollten wir alle wieder ein bisschen mehr wie Hanni und Pippi werden.

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