+

Grippe

Impfstoff wird knapp - Lage in Hessen aber noch nicht dramatisch

Die Nachfrage nach Grippe-Impfungen ist in diesem Herbst größer als zuletzt. Deshalb gibt es in einigen Regionen keinen Impfstoff mehr.

Grippe-Impfstoffe werden in vielen Teilen Deutschlands knapp. Auch in Hessen sollen die Vorräte aus einem bestellten Groß-Kontingent des Landesapothekerverbands bald erschöpft sein. Der hessische Hausärzteverband hat hingegen keinen Engpass bemerkt. Auch Karl Matthias Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, sieht noch keine aktuelle Notlage: Lediglich in Einzelfällen könne es in Praxen zu Engpässen kommen. „Im Moment haben wir eine gute Situation, das kann sich aber auch ändern und zuspitzen“, sagt Roth.

Das sieht eine Betriebsärztin aus Frankfurt ähnlich. Wenn ihre Vorräte zur Neige gehen, könne es mit Nachbestellung knapp werden, befürchtet sie. Die Nachfrage sei viel höher als im letzten Jahr. Dazu hätten zweifellos die Berichte über die Grippewelle im letzten Winter beigetragen. Stand jetzt hätten sich so viele Leute impfen lassen wie vergangenen Winter bis Januar.

Rege Nachfrage im Hochtaunus hat auch Kreissprecherin Andrea Nagell festgestellt. Von fehlendem Impfstoff sei derzeit nichts bekannt. Auch Dr. Frauke Voigtländer, Hausärztin aus Mainz, sieht bisher kein Problem mit dem Impfstoff. Sie hat in ihrer Gemeinschaftspraxis von etwaiger Verknappung noch nichts mitbekommen.

Aber in einigen anderen Bundesländern wie Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gibt es in einigen Regionen Lieferverzögerungen oder Engpässe.

Über die Gründe wird diskutiert. „Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen“, sagte Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). „Ob sich auch insgesamt mehr Menschen impfen lassen oder die Impfungen nur früher stattfinden, können wir noch nicht wissen.“ Verspätete Bestellung?

Auch sie hält die große vergangene Grippewelle für einen möglichen Grund für das Interesse. Laut Apothekenkammer des Saarlandes könnte zu einer großen Nachfrage geführt haben, dass die gesetzlichen Kassen nun erstmals für den Vierfach-Impfstoff gegen Grippe bezahlen. Er gilt als wirksamer als der mit drei Komponenten vom letzten Jahr. Das Bundesgesundheitsministerium nennt als mögliche Ursachen für den Mangel neben einer höheren Nachfrage eine verspätete Bestellung von Grippe-Impfstoffen durch Ärzte und Apotheker, zu große Vorräte in manchen Arztpraxen und Apotheken sowie Direktverträge zwischen Krankenkassen und Apothekern.

Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe abgegeben werden. „Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“, sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Genaue Informationen über die Impfstoffvorräte in EU-Ländern liegen dem Ministerium jedoch nicht vor. Insgesamt seien in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar – rund eine Million mehr als im vergangenen Jahr genutzt wurden.

Fest steht: Die Pharmakonzerne können für diese Saison keinen Grippe-Impfstoff mehr herstellen. Es dauere etwa sechs Monate, um einen üblichen Impfstoff auf Hühnereibasis zu produzieren, sagte eine Sprecherin des Herstellers Sanofi. „Zur Zahl der Vorbestellungen packen wir eine gewisse Sicherheitsmarge drauf, aber wir können nicht für 80 Millionen Menschen produzieren.“ Der Pharmaforscher Gerd Glaeske wirft den Herstellern vor, die Nachfrage ziemlich falsch eingeschätzt zu haben. ds, hin, dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare