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Mit den Elektroschockern können Polizisten Verdächtige aus einer Distanz von bis zu 7,5 Metern außer Gefecht setzen.

Polizei

Innovationsoffensive für Hessens Sicherheitskräfte

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Bessere Bewaffnung, hochtechnisierte Ausstattung, Drohnen-Einsatz: Hessens Polizei rüstet angesichts geänderter Bedrohungsszenarien immer weiter auf. Und das längst nicht nur mit Waffen.

Gelbes Hemd, braune Hosen, darüber eine jägergrüne Schutzweste, eine sogenannte SK2, in der Hand eine MP 5-Maschinenpistole und im Gürtel eine Pistole. Ein Schutzmann, wie er noch 1998 üblich war. Im Gegensatz dazu der dunkelblau gewandte Schutzmann Modell 2018: ballistischer Helm, Schutzbrille, Schutzweste und Plattenträger am Oberkörper, Schulter-, Hals- und ein sogenannter Tiefschutz sowie natürlich eine verbesserte Bewaffnung. Von der Anmutung eher High-Tech-Soldat als Polizist.

Es ist ein Zusammentreffen von Vergangenheit und Gegenwart, das sich am Mittwochvormittag auf dem Gelände der Polizeiakademie Hessen in Wiesbaden abspielt. Und es ist zugleich eine Demonstration, wie sich die Polizei und die Herausforderungen, vor die sie gestellt wird, innerhalb der letzten Jahrzehnte verändert haben.

„Technische Innovationen für Hessens Sicherheit“ nennt sich das Motto der Veranstaltung, bei der sich Innenminister Peter Beuth (CDU) die neuesten und auch die geplanten Errungenschaften der hessischen Sicherheitskräfte vorführen lässt. Zum Beispiel bei einem Übungsszenario, bei dem eine terroristische Bedrohung simuliert wird. Im Mittelpunkt stehen Beamte einer Beweis- und Festnahmeeinheit (BFE), die demonstrieren, wie sie an einer Kontrollstelle und bei einem Feuergefecht ins Land eingesickerte Gewalttäter außer Gefecht setzen.

Quasi eine öffentliche Premiere feiert dabei das G 36-Sturmgewehr, mit dem nach Plänen des Innenministeriums künftig auch Streifenbeamte ausgestattet werden sollen. Rund 1500 Gewehre werden in den nächsten Monaten bestellt und im kommenden Jahr an die Polizei übergeben. Die BFE-Einheiten, die unterhalb der Spezialeinsatzkommandos eine stärkere Rolle bei der Terrorabwehr spielen sollen, benutzen bereits die Mitteldistanzwaffen.

Daneben erhalten die Sicherheitskräfte ein weiteres Gerät, um Täter außer Gefecht zu setzen. „Die hessische Polizei wird landesweit mit Distanzelektroimpulsgeräten ausgestattet“, gibt Beuth in der Polizeiakademie bekannt. Der Taser habe sich bewährt, bilanziert der Innenminister die Erfahrungen eines Probebetriebs seit Mitte Mai 2017 in Frankfurt und seit Mitte November 2017 in Offenbach.

„Er soll die Schusswaffen nicht ersetzen“, betont Beuth, werde aber eine sinnvolle Ausrüstungsergänzung sein. Die Waffe habe einen hohen präventiven Effekt, in der Testphase hat oftmals schon die Androhung des Einsatzes zu einer Deeskalation geführt. Zunächst würden Unterstützungseinheiten wie das Überfallkommando und die Einsatzkräfte von Innenstadtrevieren im Umgang geschult und ausgerüstet. Hierdurch werde gewährleistet, dass zukünftig jedem Polizeipräsidium rund um die Uhr ein Elektroschocker zur Verfügung steht. Vorläufig werde die Waffe nur in Situationen zum Einsatz kommen, in denen ein oder mehrere Polizisten den Taser-führenden Schutzmann absichern, sagt Beuth.

Damit nicht genug. Auch der Einsatz von Körperkameras, den sogenannten Bodycams, wird ausgeweitet. Nachdem bislang 99 dieser Geräte im Einsatz waren und über 900 Beamte geschult wurden, sollen weitere 300 Kameras angeschafft und Ende des Jahres eingeführt werden.

Überhaupt kommt Hessens Ordnungshüter immer mehr in der digitalen Welt an, wie auf dem Gelände der Polizeiakademie deutlich wird. Dazu gehören ein polizeieigener Messengerdienst namens „HePolChat“, mit dem zum Beispiel Fotos von Vermissten oder von Einsatzorten übermittelt werden können. Noch bis Ende Juli läuft außerdem ein Pilotprojekt mit Kleindrohnen. Sie kommen möglicherweise bei den Autobahnpolizeistationen zum Einsatz, wo sie dann die teuren Hubschrauberflüge ersetzen. „Wir sind noch in der Evaluierungsphase“, sagte ein Polizeiexperte. „Bis jetzt spricht aber alles dafür.“

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