Projekt Junge Zeitung

Ein Kindheitstraum wird wahr

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Melanie Bäder hat es geschafft: Vor sechs Jahren nahm sie noch am Projekt Junge Zeitung teil, heute ist sie Volontärin bei der FNP. Hier erzählt die Kollegin, wie sie in ihren Traumberuf gekommen ist.

In einer Redaktion zu arbeiten, das war für mich schon als kleines Mädchen eine aufregende Vorstellung. In meiner Phantasie zog ich durch die Stadt auf der Suche nach spektakulären Geschichten. Schon mit zehn Jahren war es mein größter Wunsch, später einmal Journalistin zu werden. Ein Leben zwischen Artikeln schreiben und Pressekonferenzen schien genau meine Vorstellung vom Traumjob zu sein. Als Kind wurde ich noch dafür belächelt, jeder hat ja Kindheitsträume dachten sich wahrscheinlich viele Erwachsene.

Doch auch fünf Jahre später war der Gedanke nicht aus meinem Kopf zu bekommen. Ich wollte es immer noch und arbeitete immer intensiver darauf hin. Mein erstes großes Ziel war ein Praktikum bei der Presse. Das stellte sich jedoch als schwieriger heraus, als ich gedacht hatte. Schülerpraktikanten nahm man nur in sehr seltenen Fällen und ich konnte noch keine Berufserfahrung vorweisen. Erstmal war deshalb nichts zu machen.

Mit 18 sollte ich dann endlich meine Chance erhalten. Da natürlich auch meine Lehrer über meinen Berufswunsch Bescheid wussten, sprach mich mein Deutschlehrer persönlich an, ob ich Lust hätte an einem besonderen Projekt teilzunehmen. Einen Tag würden junge Menschen die komplette Ausgabe der Frankfurter Neuen Presse gestalten und dabei Einblicke in den Alltag eines Redakteurs erhalten. Die Rede war vom Projekt Junge Zeitung. Ich war gleich begeistert und wollte unbedingt mitmachen. Das war eine große Chance, endlich einmal meinen Traumjob etwas näher kennenzulernen.

Nur eine Woche später saß ich das erste Mal in einer Redaktion und ließ mir von den Redakteuren erklären, worum es bei dem Projekt geht. Danach war direkt Brainstorming angesagt. Welches Thema war am besten geeignet? Wie war es umzusetzen? Wer war mein Betreuer? Viele Fragen, die es zu besprechen galt.

Als alles geklärt war, wurden wir in die große Welt des Journalismus entlassen. Erst da begriff ich, wie anstrengend der Job eigentlich ist. Denn man geht nicht einfach irgendwo hin, lässt sich was erzählen und schreibt dann einen tollen Artikel. Es steckt viel mehr dahinter. Erst einmal muss ein Termin ausgemacht werden, dann muss man recherchieren, mit wem man es überhaupt zu tun hat. Anschließend muss man sich Fragen zu dem Termin überlegen und dann noch einen Fotografen organisieren.

Während meiner ersten tapsigen Schritte im Journalismus standen mir die Redakteure aber immer helfend zur Seite. Sie halfen mir Informationen über mein Gegenüber einzuholen und gaben mir Vorschläge für Fragen. Ich war absolut begeistert von der Arbeit. Der Job war nicht wie ich ihn mir vorgestellt hatte: Er war besser! Ich genoss jeden Augenblick des Projekts, stürzte mich motiviert in die Arbeit und freute mich schon, endlich die Artikel schreiben zu können.

Aber auch das stellte sich als Herausforderung heraus. Denn wie schreibt man überhaupt, damit es für eine große Tageszeitung angemessen ist? Ich hatte schon einige Texte für die Schule verfasst, war mir aber sicher, dass das nicht der Stil war, der in einer Zeitung angebracht ist. Auch in diesem Punkt hier wurde ich an die Hand genommen. Haarklein erklärten die Redakteure, warum diese Formulierung besser klang als die in meinem Text oder warum das ein oder andere so nicht in der Zeitung stehen konnte.

Der Erscheinungstag rückte immer näher. Die Termine waren gelaufen, die Geschichten geschrieben. Am eigentlichen Tag des Projekts durften wir dann noch einmal richtig in der Redaktion mitarbeiten und uns selbst einige außergewöhnliche Dinge im Layout ausdenken. Ich war neugierig, wie die fertige Zeitung am nächsten Tag aussehen würde. Nach einer unruhigen Nacht wusste ich es dann. Ganz aufgeregt rannte ich zum Zeitungsrohr und fischte die selbst mitgestaltete Ausgabe heraus. Ich schlug direkt den Teil auf, in dem mein Artikel stehen sollte. Dann stockte mir der Atem: Über einem großen Artikel mit Bild stand MEIN Name. Ich konnte es nicht fassen. Das war einer der überwältigsten Momente in meinem journalistischen Dasein. Zum allerersten Mal konnte ich meinen Namen in unserer Tageszeitung lesen. Ungeduldig rannte ich ins Haus, um auch meinen Eltern zu zeigen, was ich produziert hatte.

Ich werde diesen Tag wohl nie vergessen, die Begeisterung über meinen Artikel. Es hat mich bekräftigt, ich wollte mehr denn je Journalistin werden. Im kommenden Jahr nahm ich erneut am Projekt teil, dieses Mal als „alter Hase“ sozusagen. Da ich mein Abitur in der Tasche hatte, fragte ich einen der Redakteure, ob ich ein Praktikum bei der Frankfurter Neuen Presse machen könnte. Ich wollte unbedingt noch mehr über diesen aufregenden Beruf herausfinden. Nur einige Wochen nach dem Ende des Projekts saß ich wieder in der Redaktion – diesmal als Praktikantin. Die Zeit war gekommen, um den alltäglichen Aufbau einer Zeitung kennen zu lernen. Es ging also nicht nur um das Geschichten suchen und schreiben. Man gab mir die Möglichkeit, eine ganz andere Facette des Jobs kennenzulernen.

Nach dem Praktikum war ich wehmütig. Ich wollte nicht schon wieder aufhören, die fünf Wochen waren viel zu schnell vergangen. Doch es ging nicht anders. Vier lange Jahre habe ich darauf gewartet, endlich wieder fest in einer Redaktion zu arbeiten. Während meines Studiums habe ich frei gearbeitet und später einen Studentenjob in der Online-Redaktion der FAZ bekommen. Doch ich wollte einen festen Job als Journalistin, wollte mich zur Redakteurin ausbilden lassen – kurzum ich wollte Volontärin werden.

Beworben habe ich mich bei der Frankfurter Neuen Presse, weil ich mit dieser Zeitung groß geworden bin und weil ich dort die Möglichkeit bekommen habe, meine ersten journalistischen Erfahrungen zu sammeln. Dass es mit dem Volontariat geklappt hat, ist für mich das größte Geschenk.

Ich weiß mittlerweile, dass der Job nicht nur aus Artikel schreiben und Terminen besteht, wie ich eingangs geschrieben habe, aber das ist mir egal. Ich bin immer noch begeistert von dem Job, und immer noch aufgeregt, wenn ich meinen Namen in der Zeitung lese. Seit ich im vergangenen März mein Volontariat begonnen habe, hatte ich aber noch einen weiteren Traum: Ich wollte einmal eine ganze Zeitungsseite mit einer schönen Geschichte füllen. Im Oktober vergangenen Jahres hat sich dieser Traum erfüllt. Ich habe eine ganze Seite gestaltet. Diese Seite habe ich zu Hause aufgehängt. Einfach nur um mich jeden Tag daran zu erinnern wie sehr ich meinen Job liebe!

 

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