Sanierung

Landtag hat sich in Langzeitbaustelle verwandelt

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An Baustellen mangelt es der Politik derzeit wahrlich nicht. Auch in Hessen wird derzeit schwer gebaut – und zwar dieses Mal im wahrsten Sinne des Wortes.

Die rhetorischen Schlachten sind fürs erste Halbjahr 2018 geschlagen, die meisten Abgeordnete im Urlaub, wenn sie nicht noch in einem Ausschuss sitzen. Andere bereisen das Land auf Sommertouren. Von Ruhe kann im hessischen Landtag derzeit dennoch keine Rede sein – oder vielmehr: am Wiesbadener Stadtschloss, in dem das Landesparlament residiert.

Unschwer zu erkennen ist das an dem Baugerüst, das vom Ostflügel in Richtung Schlossplatz über den historischen halbrunden Treppenaufgang bis zum Westflügel in Richtung Marktstraße reicht und die Sicht auf das klassizistische Gebäude verstellt. Davor steht ein Bauzaun mit Informationen.

Nicht etwa, dass sich das Hessenparlament für den wahrscheinlichen Einzug der AfD nach den Landtagswahlen im Oktober rüstet. Vielmehr handelt es sich um eine aufwendige Sanierung. Diese betrifft vor allem das Dach, wo sich der Hausschwamm eingenistet hat. Es ist eine Folge eines Bombeneinschlags im Zweiten Weltkrieg, der den Ostflügel des Schlosses beschädigt hatte. Weil bei den Reparaturen in der Nachkriegszeit geschlampt wurde, konnte sich in Teilen des Dachstuhls und der Wände durch Eindringen von Feuchtigkeit der Hausschwamm ausbreiten.

Im Laufe der Zeit verursachte der holzzerstörende Pilz derart schwere Schäden, dass nun die ganze Dachkonstruktion erneuert werden muss. Außerdem sind Sanierungen fällig, die sich auch auf das zweite Obergeschoss des Schlosses erstrecken. 11,2 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, weitere 6,9 Millionen Euro kostet es, um den Brandschutz im gesamten Gebäude auf den neuesten Stand zu bringen.

Nötig wurde dies, weil im Schloss Brandschutztüren fehlen und die Treppenhäuser als Rettungs- und Fluchtwege nicht mehr den Anforderungen entsprechen. Damit wurde bereits im Oktober vorigen Jahres begonnen, nachdem die Sanierung zuvor wegen anderer Projekte jahrelang immer wieder verschoben worden war.

Von den Arbeiten betroffen sind auch etliche Mitarbeiter des Landtags sowie zwei Parlamentarier der FDP und die fraktionslose Abgeordnete Mürvet Öztürk. So musste der Chef des Hauses, Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU), nebst Verwaltung bereits im vorigen Jahr in den Mittelbau des Gebäudes umziehen. Die Mitarbeiter von Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit sind in einem dreistöckigen Containerblock im Innenhof des Parlaments untergebracht worden. Ein weiterer Teil der Mitarbeiter musste externe Büros außerhalb des Stadtschlosses beziehen.

Sie alle müssen noch eine Weile mit dem Provisorium leben, zumal die Bauarbeiten erst Ende 2020 beendet sein sollen respektive das Gebäude an den Nutzer übergeben wird.

Zuvor gibt es aber für die Öffentlichkeit noch zwei spektakuläre Ereignisse. Das erste dürfte noch im Laufe des Juli stattfinden, wenn ein riesiger Kran am Stadtschloss vorfährt. Mit dessen Hilfe wird eine Zwischendecke über das Gebäude gesetzt, unter der dann die Arbeiten weiterlaufen.

Und damit die Öffentlichkeit zumindest optisch nicht auf den Anblick der ehemaligen nassauischen Residenz verzichten muss, wird eine Plane im XXL-Format vor dem Baugerüst heruntergelassen. Darauf ist dann das Stadtschloss in seiner ganzen Pracht zu sehen.

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