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AfD-Landtagsabgeordnete bedient sich auf Facebook rechtsextremer Rhetorik

Die Alternative für Deutschland (AfD) wird künftig 19 Plätze im Hessischen Landtag einnehmen. Eine der neuen Berufspolitiker ist Alexandra Walter. Die Rüsselsheimerin sorgt allerdings mit Facebook-Posts für Irritationen.

Mit 15 Prozent wollte die Alternative für Deutschland (AfD) in den Hessischen Landtag einziehen, am Ende sind es 13,1 Prozent geworden. Das macht 19 Sitze im Landesparlament. Auf einem dieser Plätze wird die Rüsselsheimerin Alexandra Walter Platz nehmen. Die 40-Jährige aus dem AfD-Kreisverband Groß-Gerau ist auf Platz 12 der Landesliste.

Landtagsabgeordnete der AfD irritiert im Netz

Bis dato sind es aber weniger Konzepte zur aktuellen politischen Lage, die die Aufmerksamkeit auf die gebürtige Frankfurterin lenken. Im Gegenteil: Walter gehört wohl zu den Neu-Politikern, die eine ganz eigene Tradierung der deutschen Geschichte pflegen.

Einschlägige Rhetorik

So ist die Fremdsprachenkorrespondentin allen Anschein nach rege auf Facebookseiten unterwegs, die sich vor allem den in die Jahre gekommenen – oder bereits verstorbenen – SS-Funktionären und deren Anekdoten aus dem Krieg widmen. Dies belegt eine Sammlung von Diskussionsbeiträgen, die Walter bei Facebook zu unterschiedliche Themen abgesetzt hatte.

Nach Bericht der FNP: AfD Hessen prüft Vorwürfe

So hat Walter unter anderem Vorträge von dem verurteilen Kriegsverbrecher Dries Coolens besucht - zumindest schreibt dies die Politikerin in einem entsprechenden Post, indem sie ihn außerdem einen „tollen Menschen“ nennt. Und auch zum Ausgang des Zweiten Weltkrieges hat sie eine eigene Interpretation. „Ja,ja, auch im 2. Weltkrieg verfielen deutsche Soldaten der Schönheit des feindlichen Weibes“, heißt es da unter einem Post zur deutschen Geschichte. „Verrat an jeder Ecke hat zur Niederlage Deutschlands nicht unwesentlich beigetragen.“

Journalistische Standards


Außerdem bedient sich die AfD-Politikerin in dem sozialen Netzwerk einer, unter Rechtspopulisten einschlägigen Rhetorik. So sympathisiert sie auf Facebook mit einem Nutzer, der Halloween als „Besatzerfest“ bezeichnet. Menschen mit Migrationsgeschichte nennt sie „Braungebrannte“. Gesammelt und archiviert hat die Äußerungen der frischgewählten Landtagsabgeordneten das Recherche-start-up „Achtsegel“. Die Frankfurter waren es auch, die Walters Kommunikation in einer Sammlung bei Twitter öffentlich gemacht haben. Mittlerweile sind die meisten Kommentare und Reaktionen gelöscht worden und nur noch über die Sammlung von Achtsegel zugänglich.

Es gibt mehrere Indizien

„Das ist eines von mehreren Indizien, dass es sich um ihren echten Facebook-Account handelt“, sagt Fabian Jellonnek vom Rechercheteam Achtsegel. Ein Aspekt, der dem jungen Unternehmen wichtig ist. Nachvollziehbare Belege seien Voraussetzung für eine Veröffentlichung. Man bemühe sich um Arbeit nach journalistischen Standards, allerdings mit einer politischen Agenda, so Jellonnek. „Wir möchten uns mit unseren Recherchen für eine weltoffene demokratische Gesellschaft einsetzen“, so der Politikwissenschaftler. Deshalb habe man sich am Montag, nachdem die Sitzvergabe im hessischen Landtag feststand, eingehender mit den neuen, etwas unbekannteren AfD-Politikern beschäftigt, erklärt Jellonnek. Was sie dabei gefunden haben, habe sie „sehr schockiert.“

Alexandra Walter indes wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht konkret äußern. „Ich muss den Vorgang erst prüfen“, so die Politikerin und hielt damit offen, ob sie die Äußerungen tatsächlich getätigt hatte oder ob es sich um sogenanntes Fake-Profil handeln könnte.

Walter wär nicht die erste hochrangige AfD-Politikerin, die mit nationalsozialistischem Gedankengut sympathisiert. Am Dienstag veröffentlichten die Zeitschrift Stern und das journalistische Portal Correktiv eine gemeinsame Recherche, die sich mit den nationalsozialistischen Umtrieben des AfD Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter beschäftigen. So soll der Politiker dieser Bilder mit Adolf Hitler oder mit einem Hakenkreuz gekachelte Duschkabinen via dem Nachrichtendienst Whatsapp verschickt haben. Auch hier bestritt der Politiker zunächst, dass es sich um authentisches Material handele, räumte dann aber laut Stern ein paar Tage später ein, dass er die Bilder aus Recherchezwecken zur politischen Lage in Deutschland archiviert hatte. Man darf also gespannt sein, wie sich Alexandra Walter nach eingehender Prüfung zu ihren Social-Media-Statements äußern wird.

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