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Die Teilnehmer des Projekts Junge Zeitung nehmen die Plätze der Redakteure ein. Welche Geschichten für die Samstagsausgabe geplant sind, stellen sie Chefredakteur Matthias Thieme in der morgendlichen Themenkonferenz vor. Foto: Salome Rössler

Junge Zeitung

Reporter von morgen machen Blatt von heute

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Schon zum elften Mal in Folge produzieren Schüler und Studenten beim Projekt Junge Zeitung eine komplette Ausgabe dieser Tageszeitung. 100 Teilnehmer von verschiedenen Schulen und Unis nahmen in diesem Jahr teil.

Frankfurt - Der Konferenzraum der Frankfurter Neuen Presse ist um 11 Uhr voll besetzt. Doch heute sitzen nicht wie sonst die Ressortleiter am Tisch und stellen Chefredakteur Matthias Thieme ihre Themen vor, sondern Schüler und Studenten. Für die 100 Teilnehmer des Projekts Junge Zeitung, von denen 80 am Freitag aktiv dabei waren, wurde extra ein größerer Raum organisiert. „Sie haben heute unsere Mitarbeiterzahl verdreifacht“, sagt Thieme.

Seit elf Jahren gibt es die Junge Zeitung

Seit nun schon elf Jahren gibt es das Projekt Junge Zeitung. Es ist deutschlandweit einmalig. Alle teilnehmenden Schüler und Studenten können ein mal im Jahr eine ganze Zeitungsausgabe mit eigenen Geschichten, Illustrationen und Bildern füllen. Dafür haben sie in den vergangenen sechs Monaten mit der Unterstützung von Redakteuren Interviews geführt, recherchiert, Umfragen gemacht und Bild-Entwürfe gezeichnet. Herausgekommen sind spannende und aktuelle Themen wie ein Portrait über die erfolgreiche Youtuberin Coldmirror, ein Interview mit einer Wissenschaftlerin zum Thema Digital Detox (Digitale Entgiftung) oder ein Selbstversuch einer Schülerin, im Alltag auf Plastik zu verzichtet.

Einige Beiträge der Jungen Zeitung und weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier

Brexit ist "total ausgelutscht"

Doch: Wie kommt der eigene Text auf die Seite und wo? Diesen Prozess erleben die Teilnehmer heute hautnah im Frankfurter Haupthaus und den Außenredaktionen in Rüsselsheim, Limburg und Bad Homburg. In der sogenannten Aufrisskonferenz wird nach der morgendlichen Themenkonferenz diskutiert, welche Geschichten wo auf welche Seite kommen. Heute ist auch die Meinung der Schüler und Studenten gefragt. „Was sollten wir auf der Titelseite aufmachen?“, fragt Thieme in die Runde. Nicht den Brexit – da sind sich die Schüler einig. „Das ist total ausgelutscht.“

Für Schülerin Janine Rinke (16) ist es spannend mitzuerleben, wie sich die anfangs leeren Seiten von Stunde zu Stunde mit Text und Bildern füllen. „Es wird den ganzen Tag an der Zeitung gearbeitet“, sagt sie. Student Alexander Wingarz (19) findet vor allem interessant zu sehen, wie ein Chefredakteur arbeitet.

Volles Redaktionshaus

Nach der Konferenz und einem energiespendenden Mittagessen gibt es noch einiges zu tun. Texte müssen fertig geschrieben werden, passende Bilder platziert und das ganze noch einmal Korrektur gelesen werden. Die Schüler sitzen mit den Redakteuren vor den Computerbildschirmen. Da es für so viele Jungredakteure nicht genug Stühle gibt, werden auch mal Bürocontainer zweckentfremdet.

„Schaut mal, hier fehlt noch eine Zeile“, sagt Christiane Warnecke, verantwortlich für das Ressort Hessen, zu den zwei Schülerinnen und Schwestern Liv-Greta (14) und Stella Bartholmess (11). Sie schreiben gerade eine Meldung. „Den Text haben wir schon ein ganzes Stück gekürzt, das war gar nicht so einfach“, sagt Liv-Greta. „Jetzt ist er aber viel verständlicher “, findet Stella.

„Ich bin total begeistert“, freut sich Lehrerin Alexandra Werner von der Weiberfeldschule in Dreieich.„Ich kann das Projekt nur empfehlen.“ Es sei ein Gewinn für alle. „Das Schönste ist, dass die Schüler Inhalte, die im Unterricht nur theoretisch besprochen werden können, hier ganz praktisch umsetzen.“

Auch Chefredakteur Matthias Thieme staunt über die Jungjournalisten. „Es ist beeindruckend, wie viele gute und relevante Themen die jungen Reporter zusammengetragen haben.“ Auch dass viele sich getraut haben Themen aus dem eigenen Leben zu beschreiben, findet er mutig. „Das macht heute einen Riesenspaß“.

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