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Interview

„Limburg hat eine Menge gemacht“

Seit Jahren herrscht „dicke Luft“ in Limburg. Dabei tut die Stadt schon viel für den Umweltschutz, wie Bürgermeister Dr. Marius Hahn unserer PJZ-Autorin Joelle Falke im Interview versichert.

Ich bin von der NNP und schreibe für das Projekt „Junge Zeitung“. Es geht um Werte. Ich habe mir den Wert „Umwelt“ ausgesucht, da die schlechte Luft in Limburg ein großes Thema ist. Seit Februar gibt es in Limburg die Umweltzone. Von wem und wo werden die Autos in der Umweltzone kontrolliert?

MARIUS HAHN: Ob nur Fahrzeuge in die Umweltzone fahren, die dort auch reindürfen, kann durch das Ordnungsamt und die Polizei kontrolliert werden. An der grünen Plakette sieht man sehr gut, ob ein Auto die Vorgaben erfüllt.

Wie viele mussten denn schon Strafe zahlen?

HAHN: Da kann ich leider nichts zu sagen, aber die Umweltzone ist noch ganz neu in Limburg.

Was wurde bisher schon konkret erreicht für bessere Luft in Limburg?

HAHN: Limburg hat schon eine Menge gemacht. Was wir selbst beeinflussen können, wird getan und da sind wir auch sehr stolz drauf. Wir haben zum Beispiel die meisten Elektrotankstellen in Deutschland bezogen auf die Einwohnerzahl.

Wir haben eine Wasserstofftankstelle, auch das ist einmalig zwischen Köln und Frankfurt. Sicherlich gibt es noch nicht so viele Autos, die einen solchen Antrieb haben, aber ich glaube, wir müssen in die Zukunft schauen. Leider wird zurzeit die Anschaffung von Wasserstofffahrzeugen finanziell nicht gefördert. Wir würden den Wasserstoffantrieb gerne mal bei den Bussen unserer Stadtlinie testen.

Gibt es weitere Angebote?

HAHN: Wir bieten als Stadtverwaltung unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Jobticket, das ist auch eine ganz wichtige Sache. Unsere Mitarbeiter können somit, finanziell gefördert, durch die Stadt mit Bus und Bahn zur Arbeit zu fahren. Es gibt in der Region keine andere Behörde, die das aktuell anbietet.

Wir bieten zudem das „E-Bike-Leasing“ durch die Stadt an, was auch schon einige Mitarbeiter in Anspruch genommen haben. Außerdem wird das Radwegenetz ausgebaut, was nicht immer so konfliktfrei läuft, wie manche Diskussionen zeigen. Wir tun eine Menge, jedoch gibt es Punkte, da können wir schlichtweg nichts tun.

Was wären die Punkte, für die Sie nichts tun können?

HAHN: Zum Beispiel können wir eine Hardwareumrüstung von Autos nicht zahlen. Das wird die Autoindustrie machen müssen. Nach meiner Einschätzung müsste die viel mehr in die Pflicht genommen werden, weil sie die Leute „veräppelt“ haben. Die Leute haben eine Technologie gekauft, die nicht so sauber ist, wie es ihnen gesagt wurde.

Was halten Sie von der Blauen Plakette?

HAHN: Ich halte erst dann etwas von der Blauen Plakette, wenn die Menschen, die ihre Autos im guten Glauben an eine möglichst saubere Technologie gekauft haben, auch die Umrüstung bezahlt bekommen – dann ist die Plakette in Ordnung.

Wären Sie dann vorerst für ein komplettes Dieselfahrverbot?

HAHN: Nein. Denn dann würden genau die Leute bestraft, die damals ihr Geld für die Anschaffung einer vermeintlich sauberen und fortschrittlichen Antriebstechnik ausgegeben haben. Es gibt sicherlich viele Leute, die könnten sich das leisten. Aber es gibt auch viele Leute, die auf ihr Auto angewiesen sind, die zur Arbeit fahren müssen, die viel Geld ausgegeben haben und mit einem Dieselfahrverbot konsequent aus der Innenstadt ausgesperrt würden. Das finde ich nicht geglückt.

Haben Sie noch persönliche Ideen zur Verbesserung der Luft?

HAHN: Ja, wir werden intelligente Verkehrsleitsysteme brauchen. Wir haben zum Beispiel schon einen Verkehrsleitrechner, um die Ampeln verkehrsabhängig zu steuern. Es hat zwar lange gedauert, bis er gut funktioniert, doch die Stickstoffdioxidbelastung ist 2017 im Vergleich zu 2016 ein bisschen gesunken, das schreiben wir dem Verkehrsleitrechner zu. Vielleicht kämen wir ja zu temporären Lenkungsmaßnahmen, sodass wir dann in der Stadt eine bessere Luft hätten.

Man darf auch nicht vergessen, dass wir nicht in der gesamten Stadt diese hohen Werte haben, sondern nur an ausgewählten Stellen. Wie schon gesagt, intelligente Verkehrslenkung könnte helfen, diese Stellen zu entlasten.

Vor dem Bau des Schiedetunnels gab es die Idee, den Tunnel bis hinter die Schiedekreuzung zu bauen. Wäre das für Limburg eine Option?

HAHN: Natürlich würde es den Verkehr an der größten Kreuzung Limburgs beschleunigen und damit auch die Belastung für die Bewohner reduzieren. Aber eine Verlängerung des Tunnels kann die Stadt nicht bezahlen. Für große Lösungen, dazu zählt für mich auch der Bau einer Südumgehung, brauchen wird die Unterstützung von Bund und Land.

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