In Mainz wurden 18 jüdische Grabsteine in einer Mauer entdeckt. Kulturminister Konrad Wolf (SPD, vorne rechts) zusammen mit Landesarchäologin Marion Witteyer (hinter ihm).
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In Mainz wurden 18 jüdische Grabsteine entdeckt. Kulturminister Konrad Wolf (SPD, vorne rechts) begutachtet den Fund zusammen mit Landesarchäologin Marion Witteyer (dahinter).

Mainz

Spektakulärer Fund erzählt grausame Geschichte

  • Svenja Wallocha
    vonSvenja Wallocha
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Bei Bauarbeiten in der Altstadt von Mainz entdecken Arbeiter etwas Ungewöhnliches. Für Archäologen ist der Fund von großer historischer und religiöser Bedeutung.

  • „Einzigartige Zeugnisse jüdischer Tradition“ sind in Mainz entdeckt worden.
  • Der überraschende Fund begeistert nicht nur Archäologen.
  • Doch die Geschichte, die dahintersteckt, ist äußerst grausam.

Mainz – Bei Bauarbeiten in der Mainzer Altstadt fanden Arbeiter Ungewöhnliches. In der Rheinstraße im Osten der Stadt tauchten Steine auf, die dort eigentlich nicht hingehören. Für Archäologen ein wichtiger Fund. Es handelt sich nämlich um jüdische Grabsteine, die wohl schon vor sehr langer Zeit entwendet und dann in einer Mauer als Füllmaterial verbaut wurden.

Bereits im November 2020 wurden die mittelalterlichen jüdischen Grabsteine von Archäologen freigelegt. Laut einer Mitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz von Ende Januar handelt es sich um insgesamt 18 Fundstücke. Sie stammen ursprünglich von dem „Alten jüdischen Friedhof Mainz“ auf dem Judensand, der im 11. Jahrhundert angelegt worden war.

Überraschender Fund: Archäologen legen in Mainz 18 jüdische Grabsteine frei

Es wird vermutet, dass die Grabsteine nach dem Pogrom von 1438 von dort verschleppt und dann in die Mauer eingebaut wurden. „Die mittelalterlichen Grabsteine vom ‚Alten jüdischen Friedhof Main‘ waren nach 1438 in großer Zahl als Baumaterial zweckentfremdet worden. Das gilt auch für die jetzt wieder entdeckten Grabsteine“, so Kulturminister Konrad Wolf.

Von wem genau die Grabsteine sind, ist noch nicht klar. Die hebräischen Inschriften auf den Steinen werden derzeit genauer untersucht. Fest stehe allerdings, dass sie aus dem Mittelalter stammen und somit aus der Zeit der Schum-Städte. Die Funde sind deshalb laut Wolf „einzigartige Zeugnisse jüdischer Tradition“ in Mainz. Denn die Stadt bildete damals zusammen mit Speyer und Worms ein europaweit bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens.

Jüdische Grabsteine in Mauer in Mainz entdeckt: Fund von großer Bedeutung

„Die Grabung an der Rheinstraße ermöglicht uns erneut einen Blick auf das bedeutende historische Erbe der jüdischen Vergangenheit von Mainz“, sagte Wolf. Zudem seien sie aber auch ein Zeugnis einer der dunklen Phasen der jüdischen Geschichte. Denn nicht nur in Mainz, sondern in vielen Städten wurden jüdische Gräber geschändet und Grabsteine zweckentfremdet. Auch für Rabbiner Ahron Vernikovsky sind die Funde von großer historischer und religiöser Bedeutung für die Erschließung jüdischer Geschichte des mittelalterlichen Mainz. (svw/red)

Bei einer anderen Bohrung in Hessen entdeckten Forscher kürzlich ein drei Millionen Jahre altes Objekt. Sie bezeichneten den Fund als „erstaunlich“. Ende des Jahres gab es auch bei Renovierungsarbeiten im Kreis Limburg-Weilburg einen sensationellen historischen Fund. Ein spektakulärer Fund gelang auch Archäologen in Nürnberg. Sie fanden bei einer Ausgrabung eine 3000 Jahre alte Siedlung, die schon damals etwas Besonderes war.

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