Eine glückliche Momentaufnahme im Leben von Familie Schleichert. Sie sammelt Geld für eine Stammzellentherapie, damit Vater Roland bald wieder gesund wird.
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Eine glückliche Momentaufnahme im Leben von Familie Schleichert. Sie sammelt Geld für eine Stammzellentherapie, damit Vater Roland bald wieder gesund wird.

Spendenaufruf

Stammzellentherapie als letzte Chance für ein „normales Familienleben mit MS“

  • vonDr. Daniela Hamann
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Roland Schleichert ist an schwerer Multipler Sklerose erkrankt. Die Familie aus Mainz sammelt Spendengeld auf "Go Fund Me", damit er im Ausland behandelt werden kann.

Mainz - Freude und Schmerz können nah beieinanderliegen. Das erfuhren Katrin und Roland Schleichert im Schicksalsjahr 2016. Kurz bevor sich das Paar das Ja-Wort gab, erhielt Roland Schleichert die Diagnose "Multiple Sklerose" (MS) - die aggressive Form. Im Dezember erblickte dann die Tochter das Licht der Welt. Der Familienvater erlebte in den vergangenen vier Jahren schwere Krankheitsschübe, die ihn zunehmend körperlich einschränkten.

Als seine Tochter noch kleiner war, ging Roland Schleichert regelmäßig mit seiner Tochter im Kinderwagen spazieren. Inzwischen ist jedoch sein Gehvermögen so weit eingeschränkt, dass er kaum mehr 100 Meter am Stück laufen kann. "Das ist ganz schlimm für mich. Ich kann mit meiner Tochter nicht mehr das unternehmen, was jeder gesunde Vater machen kann. Das fängt schon mit einem Besuch auf dem Spielplatz an", erzählt der Familienvater.

Mainz: Roland Schleichert will „so viel Zeit wie möglich mit der Familie verbringen

Inzwischen habe er sich ein Elektromobil gekauft, um mit der Familie weiter Ausflüge unternehmen zu können. "Das Elektromobil bekomme ich gerade noch so für den Transport in das Auto. Wer weiß aber wie lange noch." Dabei hatte der inzwischen 45-Jährige immer schon seine Selbstständigkeit und Unabhängigkeit geschätzt. "Ich habe mein Leben lang gearbeitet - als Anlagenfahrer bei Nestle in Mainz. Jetzt bekommt ich Erwerbsminderungsrente, weil ich leider keine Arbeit mehr ausüben kann."

Neben Einschränkungen in der Motorik leidet Roland Schleichert mittlerweile an Missempfindungen, die sich durch Schmerzen im Gesicht, kraftlose Hände und ein konträres Kalt-Warm-Empfinden äußern. Ganz schlimm war es für ihn 2018, als er seiner Schwester dabei zusehen musste, wie sie an einem multiplen Organversagen in Folge ihrer MS-Krankheit starb. "Dass meine Schwester und ich beide an dieser aggressiven Form erkrankt sind, dafür gibt es keinen Grund. Denn die Krankheit ist nicht erblich bedingt", sagt der Familienvater resigniert. Der Tod der Schwester habe bei ihm den Wunsch verstärkt, so viel Zeit wie möglich mit seiner Familie zu verbringen. Das Fortschreiten der Erkrankung möchte er möglichst lange aufhalten.

Mainz: Eine Stammzellenspende könnte helfen - Therapie würde in Deutschland 100.000 Euro kosten

Helfen könnte ihm eine Stammzellentherapie. Doch die wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. "Wir haben uns umgehört. Hier in Deutschland würde die Therapie um die 100.000 Euro kosten. Uns wurden zwei Kliniken in Moskau und Mexiko empfohlen, wo man mit der Therapie bereits beste Ergebnisse erzielt hat", berichtet Katrin Schleichert. Dort würde die Therapie, inklusive Flug, nur rund 50 000 Euro kosten. Doch die Therapie im Ausland bringt eigene Herausforderungen mit sich: Roland Schleichert müsste die Reise ohne seine Familie bewältigen, da er wochenlang auf der Isolierstation liegen würde.

"Das Ganze dauert einen Monat. Zunächst müsste ich mich noch einmal genau untersuchen lassen. Dann würde ich eine Chemotherapie erhalten, die mein Immunsystem komplett zerstört. Durch die aus dem Knochenmark gewonnen Stammzellen wird mein Immunsystem danach wieder aufgebaut. Dann bin ich eine Zeitlang MS-frei", beschreibt Roland Schleichert die Prozedur.

Mit seinen Einschränkungen könnte Roland Schleichert heute nicht einmal mehr den Kinderwagen schieben.

Mainz: Therapie für die kleine Tochter

Im Idealfall besserten sich die Symptome, und die Krankheitsschübe ließen für ein paar Jahre nach. Diese Aussicht lasse ihn die Angst vor der Therapie vergessen, sagt der Familienvater. Doch aufgrund der finanziellen Situation in Folge der Arbeitsunfähigkeit des Vaters und der Teilzeitbeschäftigung der Mutter ist die Familie nicht in der Lage die 50 000 Euro selbst aufzubringen.

Deshalb hat Katrin Schleichert einen Spendenaufruf auf der Internetplattform "Go Fund Me" (de.gofundme.com) mit dem Titel "Herzenswunsch: normaleres Familienleben trotz MS" und ein Spendenkonto auf Paypal eingerichtet. Sie hofft, dass sich der Herzenswunsch der Familie auf diesem Weg erfüllt. Inzwischen sind etwas mehr als 2500 Euro auf den beiden Konten eingegangen - lange noch nicht genug. "Ich weiß, dass das Reisen jetzt in der Pandemie-Zeit schwierig ist", sagt Roland Schleichert. "Doch mir rennt die Zeit davon. Sobald wir das Geld zusammenhaben, möchte ich mit der Therapie beginnen - für meine kleine Tochter", bekräftigt er. (Daniela Hamann)

Ein an Corona erkrankter Mann bittet am Mainzer Hauptbahnhof um Hilfe und löst damit einen Polizeieinsatz aus. Die Polizei sperrt daraufhin einen kompletten Rewe-Markt ab.

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