+
Der Weihnachtsmann kommt ohne Schnee aus. Hier steht er in einer grünen Weihnachtsbaumplantage.

Meteorologe im Interview

Weshalb es an Weihnachten so selten schneit

Über die schlechten Aussichten auf weiße Weihnacht und die Frage, wo man sie in Deutschland noch findet, sprachen wir mit dem Meteorologen von wetter.net, Udo Baum, der in Nauheim lebt.

Wie sind die Chancen auf weiße Weihnacht?

UDO BAUM: Da muss ich Sie enttäuschen. Die Temperaturen werden weiter steigen mit zwei Höhepunkten: der Erste ist am kommenden Freitag mit viel Wind von den Azoren; der Zweite an Heilig Abend, wo wir ebenfalls zweistellige Temperaturen um die elf Grad bekommen. Zwar geht es an den Feiertagen mit den Temperaturen langsam wieder abwärts, aber auf Schnee können wir auch dann nicht hoffen. Es ist einfach zu mild, was an den westlichen und südwestlichen Winden liegt, die sich während dieser Woche noch verstärken werden.

Schnee an Weihnachten? Vermutlich nicht

Wo muss man hin, wenn man unbedingt weiße Weihnachtstage in Deutschland erleben will?

BAUM: Dann sollte man auf die höchsten Erhebungen der Mittelgebirge oder in die Alpen gehen, denn die Schneefallgrenze sinkt dann erst am zweiten Feiertag auf etwa 1000 bis 700 Meter überhaupt. Vorher taut bei dem milden Wetter alles, was unterhalb von 1000 Metern ist, so gut wie weg oder bis Weihnachten sind nur noch Schneereste zu finden.

Lesen Sie auch: Tipps für ein harmonisches Weihnachtsfest

Muss ich ins östliche Mittelgebirge oder gibt es allgemein im Mittelgebirge gute Chancen auf eine dicke Schneedecke?

BAUM: Im Mittelgebirge allgemein in den Gipfelregionen. So könnte der Brocken eine Chance bieten, auch der Fichtelberg bei Oberwiesenthal im Erzegbirgskreis zum Beispiel. Aber in den mittleren Lagen um 500 bis 600 Meter gibt es keine Chancen.

Ich selbst kann mich nicht mehr erinnern, wann die letzte weiße Weihnacht in unseren Breitengraden war. Helfen Sie mir auf die Sprünge?

BAUM: Die letzten weißen Weihnachten gab es relativ flächendeckend 2006. 2010 war es ebenfalls in größeren Teilen Deutschlands über die Weihnachtstage weiß. Da gab es ja auch die Rekordschneefälle im Osten.

Keine Chancen auf weiße Weihnacht

Woran liegt es, dass sich Schnee in der letzten Dezemberwoche zunehmend rar macht?

BAUM: Als eine von verschiedenen Singularitäten im Jahr haben wir das sogenannte Weihnachtstauwetter. Das ist hartnäckig und relativ häufig, sodass die Wahrscheinlichkeit für Schnee in den westlichen und nördlichen Niederungen generell nur auf zwischen zehn und 20 Prozent einzuschätzen ist. Das heißt, dass man in zehn Jahren maximal ein bis zweimal über die Feiertage mit Schnee rechnen kann. In allen anderen Fällen schmilzt eventuell zuvor gefallener Schnee, oder das Tauwetter aus der Vorwoche hält an bzw. verstärkt sich unmittelbar vor den Weihnachtstagen deutlich wie in diesem Jahr.

Hängt das auch mit der globalen Aufheizung des Planeten zusammen?

BAUM: Natürlich verringert sich durch die Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit auf dauerhaften Schneefall über die Feiertage in Zukunft weiter. Dennoch lässt sich natürlich nicht genau sagen, ob nächstes Jahr, in fünf Jahren oder wann auch immer weiße Weihnacht kommt. Es wird sie sicherlich auch mal wieder geben, aber das wird weiterhin rar bleiben und vom Trend her wahrscheinlich immer seltener dazu kommen.

Von Ullrich Riedler

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare