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Hayati Kirim, Daniel Pfeill und René Krah (von links) leiten die monatlichen Mitternachtsturniere und haben dabei genauso viel Spaß wie die teilnehmenden Jugendlichen.

Freitagabend

Mitternachtssport statt Nachtleben

Egal ob Schüler, Azubi oder Berufstätiger – für viele ist der Freitagabend der schönste Abend der Woche, denn zwei freie Tage stehen bevor. Endlich Zeit, sich mit Freunden zu treffen, zu feiern oder zu chillen. Ganz anders nutzen einmal im Monat zwischen 50 und 80 Jugendliche und junge Erwachsene den Freitagabend – oder besser gesagt die Freitagnacht.

Während in den Straßen rund um die Gesamtschule am Gluckenstein kaum jemand unterwegs ist, geht die Tür zur Schulsporthalle ständig auf und zu. Jugendliche, meist mit größeren Taschen, geben sich die Klinke in die Hand. Sie wollen Sport machen, genauer gesagt kicken. Dabei ist es schon 22 Uhr. Doch müde scheint keiner von ihnen zu sein. Das sollten sie auch nicht, denn das Turnier wird bis etwa 2 Uhr nachts gehen.

Auch die Organisatoren vom Juz Oberste Gärten, der stellvertretende Leiter René Krah und Mitarbeiter Hayati Kirim, machen einen fitten Eindruck. Sie werden vielfach mit Handschlag und Umarmung begrüßt. „Habt Ihr Bälle für uns?“, will ein Jugendlicher wissen. Klar. Ohne Zeit zu verschwenden nimmt der junge Mann einen Ball, und los geht’s.

Die Teams aus je fünf Spielern sind schnell gebildet. Viele kommen schon als Mannschaft. Krah notiert die Anmeldungen, stellt einen Spielplan auf. Dieses Mal sind es sieben Mannschaften. Gespielt wird heute für je zehn Minuten. Kommen mehr Teams, verkürzt sich die Spielzeit. Unterstützt werden Krah und Kirim von Daniel Pfeill vom Juz Ober-Eschbach/Ober-Erlenbach. Er übernimmt den Schiedsrichter-Part.

Zielgruppe des Mitternachtssports sind Homburger Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. „Jeder darf mitmachen. Meistens kommen zwischen 50 und 80, quasi alle Nationen sind vertreten“, sagt Krah. Allerdings nur deren männlicher Teil. Mädchen kommen nicht, zumindest nicht aufs Spielfeld.

Ziel des Mitternachtssports, der einmal im Monat im Wechsel in der Hochtaunushalle und der GaG angeboten wird, ist, abends eine Freizeitmöglichkeit zu bieten “, sagt Krah. „Die Idee für ein solches Angebot stammt aus Amerika. Man wollte die Jugendlichen von der Straße holen und so letztlich die Kriminalität senken.“

In Bad Homburg gibt es bereits seit 2001 Mitternachtssport, seit 2008 liegt die Organisation des laut Krah jährlich 2500 Euro kostenden Angebots in den Händen des Juz Oberste Gärten. Das passt in dessen Konzept: „Wir sind stark auf Sport ausgerichtet“, sagt Krah. Dieser sei ein Weg, um an die Jugendlichen ranzukommen, ihnen beizubringen, dass sie sich an Regeln halten müssen. „Viele meinen, Sie kämen ohne Regeln durchs Leben“, sagt Krah. Beim Mitternachtssport sei Fairness das oberste Prinzip. „Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist das so.“ Viele spielten mit viel Engagement. „Wenn sich zwei in die Haare kriegen, nehmen wir sie raus“, sagt Krah. Auch gilt beim Sport – wie im Juz – absolutes Alkohol- und Drogenverbot, und das auch vor der Halle.“

Konflikte oder Regelverstöße gibt es an diesem Abend keine. Pfeills Pfeifen stößt auf keinen Widerstand. Sollte mal etwas nicht glatt laufen, haben sie externe Unterstützung: „Hier in der GaG sind immer drei Security-Mitarbeiter da, in der Hochtaunushalle zwei“, sagt Krah. „Die Security dient eher der Prävention und ist nur für den Notfall da.“ 2008 habe man mal Hausverbote aussprechen müssen. Seither laufe es gut.

Während Krah die Ergebnisse notiert und die Mannschaften aufruft, sammelt Pfeill die Trikots und Torwarthandschuhe ein, um sie gleich an die nächsten Teams weiterzugeben. Er wirft den Ball rein, und weiter geht’s. Die Jugendlichen sind mit Begeisterung bei der Sache. „An einem Freitagabend Sport machen zu können, ein bisschen mit den Freunden zu kicken, ist mal eine Abwechslung. Deswegen komme ich gerne hierher“, meint Leo Müller (18). Das sieht Kristian Dambacher (18) ähnlich. „Freitags geregelt in einer Halle mit beziehungsweise gegen seine Freunde kicken zu können, ist etwas, was immer Spaß macht, am meisten natürlich, wenn man gewinnt.“ Viele kommen regelmäßig zu den Turnieren, freuen sich immer schon auf den nächsten Termin. Während es für andere verrückt klingt, freitagnachts bis 2 Uhr Sport zu machen, ist es für sie ein Highlight.

Bis zu den Sommerferien gibt es noch drei Mitternachtssport-Termine: am 16. März in der Sporthalle der GaG, am 20. April in der Hochtaunushalle und am 18. Mai in der GaG.

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