Heikles Thema

Was Mobbing anrichten kann

Es geht schnell und braucht nicht viele Gründe: Mobbing kann jeden treffen. Die Folgen für die Opfer sind oft schlimmer als erwartet. Aus anfänglich kleinen Sticheleien können Depressionen und Suizid entstehen. Und das ist keine Seltenheit!

Mobbing ist ein immer wieder auftretendes Thema. Mobbing beschreibt das Schikanieren und Bloßstellen von Einzelnen durch eine Gruppe oder Mehrheit. Dabei gibt es viele Formen, es ist längst nicht mehr nur das Anwenden von körperlicher Gewalt.

Wenn man das Wort Mobbing hört, denkt man sofort an eine Gruppe großer Jugendlicher, die zusammen einen kleineren, schwächeren Schüler herumschubsen, ihn beschimpfen oder sogar auch schlagen. Das liegt daran, dass Fälle von Misshandlungen oft nur an die Öffentlichkeit gelangen, wenn offene Gewalt im Spiel ist.

„Noch häufiger müssen Mobbing-Opfer verbale Gewalt und Ausgrenzung erleiden“, sagt Johann Haffner, Psychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Heidelberg, in einem „Spiegel Online“-Interview. Hinzu kommt das Verbreiten von Gerüchten und Lügen. Ganz zu schweigen von dem sich stets weiter verbreitendem Cybermobbing.

Die Betroffenen werden meist willkürlich gewählt, es herrscht kein Prinzip. „Vielleicht ist ein Schüler neu in der Klasse, trägt eine Brille oder spricht mit einem Dialekt“, berichtet Haffner. „Der tiefere Grund für das Mobbing hat mehr mit dem Angreifer zu tun als mit dem Opfer“, sagt Jo-Jacqueline Eckardt, Autorin des Buches „Mobbing bei Kindern“ ebenfalls im Interview mit „Spiegel Online“.

Mitschüler spielen dabei eine große Rolle. Der Verursacher oder Angreifer versucht vor ihnen cool zu wirken, er profiliert sich mit seinen Taten. Die Gefahr, ein Opfer von Mobbing zu werden, betrifft also jeden. Die Betroffenen wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen, zu petzten macht sie ja noch uncooler. Also wie kann man ihnen helfen?

Eine häufige und effektive Maßnahme sind die Streitschlichter. Streitschlichter gibt es an vielen Schulen in Deutschland, auch am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) in Bad Vilbel. „Wir sind extra geschult worden und haben gelernt, wie man in solchen Situationen eingreift“, erzählt Kai Laurich (16), Streitschlichter am GBG. Es sind oft ältere Schüler, die als Ansprechpartner für Betroffene dienen. Ältere Schüler anzusprechen ist nicht so schlimm wie Lehrer oder Eltern. Streitschlichter suchen den Kontakt mit Lehrern oder versuchen, die Situation direkt zu klären.

Das Cybermobbing ist eine weitere schlimme Form des Mobbings und weit verbreitet. Als Cybermobbing wird das Mobben übers Internet bezeichnet. Es ist deswegen so populär, da sich der Angreifer, so denkt er zumindest, hinter der Anonymität des Internets verstecken kann. Mit der Anonymität wird die Hemmschwelle gesenkt und das Mobbing fällt heftiger aus als beispielsweise auf dem Schulhof. Cybermobbing geschieht auf sämtlichen Social Media Websites wie Facebook, Instagram oder Twitter. Der Betroffene wird dabei mit Gerüchten schlecht gemacht oder es werden, ohne sein Einverständnis, Bilder und Videos von ihm ins Netz gestellt.

Laut einer Studie von Vodafone und des Meinungsforschungsinstituts YouGov wurde fast jeder fünfte Deutsche schon im Internet gemobbt. Mobbing existiert indes nicht nur an Schulen, sondern auch an Arbeitsplätzen. Dabei kommt es zum Ausgrenzen, Gerüchte verbreiten oder sogar zu Sabotage an Arbeitsfortschritten, ausgeführt von Kollegen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Mobbing führt zu einem geringen Selbstwertgefühl, die Betroffenen denken etwas wie „ist ja klar, dass niemand mich mag“. Dazu kommen Einsamkeitsgefühle, Angst, Depressionen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Der Leistungsrückgang in der Schule oder auf der Arbeit oder das komplette Fernbleiben von Arbeit und Schule sind weitere Folgen. In schlimmen Fällen führt das Schikanieren bei den Opfern zu Selbstmordgedanken oder zum Suizid.

Hilfe für Betroffene gibt es hier:

Mobbing Kontaktstelle (MKS) Frankfurt Rhein – Main: Immer dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr ist die MKS-Hotline unter den Telefonnummern (069) 8 30 07 71 28 und (069)8 30 07 71 29 erreichbar. Die telefonische Erstberatung ist für Betroffene anonym. Das erste Gespräch ist kostenlos, es fallen lediglich die Telefongebühren an.

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