Infocafé Neu-Isenburg

Mobbing: Vom Spaß zur Straftat

Mobbing ist ein alter Hut, Cybermobbing ein neues Phänomen. Wo hört der Spaß auf und wo fängt Mobbing an? Darüber haben wir mit Stephan Schölzel vom Infocafé Neu-Isenburg gesprochen, das Betroffene berät.

  Wie kommt es zu Mobbing?

„Was passiert, wenn ich jemanden ärgere und nicht aufhöre?“ So kann man laut Stephan Schölzel die Gedankengänge verstehen, die Kinder und Jugendliche zu Mobbing – sowohl auf dem Schulhof, als auch im Netz – antreiben und sie niemals müde werden lassen. Dies machen viele, um sich besser zu fühlen. Kinder und Jugendliche testen Grenzen aus, vor allem wenn sie unbeaufsichtigt sind.

  Wann ist die Grenze erreicht?

Früher oder später wird jeder, so Schölzel, der sich gerade in einer Machtposition befindet, ausprobieren, wie weit er gehen kann. Auch die, die schon einmal gemobbt wurden, werden die Chance nutzen andere zu mobben, wenn sich Gelegenheit bietet. „Auch die Opfer sind niemals vollständig unbeteiligt“, sagt Schölzel. Sie sind nur im Moment diejenigen, die sich nicht wehren können, da die Macht des anderen die ihrer übersteigt. Es gibt natürlich auch andere Gründe für Mobbing. Etwa Langeweile und somit die verzweifelte Suche nach einem Unterhaltungswert. Tägliches Geplänkel kann somit zur Gewohnheit werden und schlussendlich von zumindest einer Seite unbemerkt in Mobbing ausarten.

  Was sollen Betroffene tun?

Zunächst sollte man darauf achten, wie das Opfer auf die Beleidigungen reagiert und sich selbst fragen, ob es einem selbst gefallen würde, wenn jemand anderes einem solche Beleidigungen an den Kopf wirft. Spaß ist es nur, wenn alle darüber lachen können. Aus Streit oder Spaß wird Mobbing, wenn die Beleidigungen über mehrere Tage oder gar Wochen dauern und die Opfer darunter leiden.

  Was ist Cybermobbing?

Es weist im Grunde die gleichen Tatumstände auf, bedient sich lediglich anderer Methoden. Die Täter nutzen Internet- und Mobiltelefondienste zum Bloßstellen und Schikanieren ihrer Opfer; speziell über soziale Medien. Durch Verbreitung von Gerüchten und Bildern erreichen die Täter sehr viel mehr Menschen. Und sie bleiben oft anonym und können ohne Bedenken Dinge von sich geben, die wahrscheinlich nie gesagt würden. Fotos werden kopiert und weiter versendet, sie gelangen nicht nur an die Schüler und Schülerinnen der jeweiligen Schule, sondern auch an die in der Umgebung.

Auch Beleidigungen in WhatsApp-Klassengruppen kommen sehr häufig vor. Man ist zwar nicht anonym, trotzdem trauen sich die meisten viel heftigere Bemerkungen zu machen. Man hat länger Zeit, sich eine Antwort zu überlegen und macht sich weniger Gedanken, ob diese Aussage den anderen verletzt.

  Wie kann man sich wehren?

Wenn man den Auslöser kennt, kann man ihn aus den Kontakten entfernen und seine Nummer blockieren. Eventuell muss die gesamte Klassengruppe aufgelöst werden. Das löst jedoch nicht alle Probleme. Wie beim gewöhnlichen Mobbing oder Streitigkeiten kann man sich mit einem Lehrer oder Sozialpädagogen und den Beteiligten zusammensetzen, über die Situation reden und versuchen eine Lösung zu finden.

  Und wenn das nicht klappt?

Schwierig wird es, wenn so ziemlich alles, was Ursache des Streits war, aus den Augen verloren wurde und es nur noch um gegenseitiges Fertigmachen geht. In diesem Fall gibt es mehrere Möglichkeiten. Das Problem könnte erstens innerhalb der betroffenen Gruppe, zum Beispiel der Klasse oder dem Verein, angesprochen und die Schuldigen bestraft werden. Dies würde wiederrum höchstwahrscheinlich weitere Racheaktionen nach sich ziehen. Eine andere Vorgehensweise nennt sich „No Blame Approach“ (Keine Schuldzuweisung). Hierbei setzen sich die Beteiligten innerhalb der Gruppe zusammen und suchen eine für alle vorteilhafte Lösung, ohne einen Schuldigen zu bestimmen und an den Pranger zu stellen. Niemand kommt zu Schaden, und alle sind weitgehend zufrieden. In diesem Fall muss sich das Opfer jedoch wohl oder übel von seinem Vergeltungswunsch verabschieden und das Kriegsbeil begraben. Bei schwerwiegendem Mobbing kann man sich jederzeit an die Polizei wenden. Die Polizei verfolgt dann Straftaten wie Körperverletzung, Erpressung, Verletzung der Privatsphäre sowie Verbreitung von pornografischem Material und Weiterleitung an Dritte.

  Warum greifen viele nicht ein? Weil man dann selbst die Petze oder der Buhmann ist. Und weil man Angst hat, selbst gemobbt zu werden. Man braucht ganz schön viel Mut, um sich Hilfe zu holen und zu sagen: ,,Das will ich nicht. Ich finde das nicht in Ordnung!“ Doch wenn man den Mut aufbringt, Hilfe holt, dann ist das Lernen und Leben in der Klasse plötzlich wieder viel entspannter,. Es gibt nicht mehr so viele Streitereien und man muss sich nicht mehr zwischen den Seiten entscheiden.

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