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Die Sängerin Aly Ryan war gerade im Song Writing Camp in Berlin. Mit welchem Lied die 21-Jährige, die eigentlich Alexandra Eigendorf heißt, beim Vorentscheid antritt, steht noch nicht fest.

Eurovision Song Contest

Oberurselerin Aly Ryan will beim Vorentscheid ihr eigenes Ding machen

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Erst kürzlich war sie im Song Writing Camp in Berlin, jetzt ist sie wieder in Los Angeles. Aly Ryan (21), die mit bürgerlichem Namen Alexandra Eigendorf heißt und aus Oberursel stammt, gehört zu den sechs Teilnehmern des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest (ESC) und bereitet sich auf das große Ereignis vor. Im Gespräch mit Redakteurin Pia Rolfs erzählt sie, was sie im Song Writing Camp erlebt hat, was sie sich von der ESC-Teilnahme erhofft und wie sie heute Oberursel sieht.

Die aus Oberursel stammende Vorentscheid-Kandidatin Aly Ryan möchte sich mit ihrem Beitrag identifizieren

Was hat Dich bewogen, Dich für den Vorentscheid des Eurovision Song Contests zu bewerben?

ALY RYAN: Der Eurovision Song Contest ist ein Superevent, bei dem Europa zusammenkommt. Das brauchen wir gerade in diesen Zeiten. Ich hatte mich aber diesmal gar nicht beworben. Vor zwei Jahren hatte meine Mutter mich angemeldet. Damals konnte ich nicht teilnehmen, weil ich noch einen anderen Vertrag erfüllen musste. Und jetzt hatten sie noch meine Unterlagen.

Kannst Du Dich an den Sieg von Lena noch erinnern?

RYAN: Ja. Das war das erste Mal, dass ich den ESC bewusst gesehen habe. Das war damals in Deutschland eine große Sache, und ich war begeistert.

Sind Lena oder Michael Schulte Vorbilder für Dich?

RYAN: Ich finde toll, was die beiden gemacht haben. Aber beim ESC geht es darum, sein eigenes Ding zu machen und originell zu sein. Da kann man nicht in die Fußstapfen von jemandem treten.

Bevor Michael Schulte im Mai den vierten Platz erreichte, sind einige junge Frauen für Deutschland angetreten und haben sehr schlecht abgeschnitten. Hast Du davor keine Angst?

RYAN: Nee, eigentlich nicht. Es geht für mich nicht um das Abschneiden. Und wenn ich mir jetzt darüber Gedanken machen würde, ob etwa die Punktevergabe durch die anderen Länder politisch motiviert ist, wäre ich zu verwirrt und würde zu sehr meinen Kopf einschalten. Ich will einen guten Abend haben und tolle Erfahrungen machen. Darüber denke ich nach, nicht über die letzten Plätze.

Wie hast Du das Song Writer Camp erlebt?

RYAN: Es war total super. Fünf Tage lang von morgens um 8 bis Mitternacht haben wir uns mit Songs beschäftigt. Jeder Künstler hat jeden Tag zwei Songschreiber und einen Produzenten zur Seite gestellt bekommen – und diese Gruppe hat dann einen Song geschrieben. Am nächsten Tag ging es in anderen Konstellationen weiter. Das war eine tolle Erfahrung. Aber es ist auch beängstigend, jeden Tag neuen Leuten dein Herz zu öffnen. Das muss man beim Songschreiben.

Gab es Konkurrenzverhalten zwischen den Kandidaten?

RYAN: Nein, gar nicht. Wir haben am Ende zusammen alle 30 Songs gehört, die da entstanden sind. Das war ein schönes gemeinsames Erlebnis.

Weißt Du schon, mit welchem Lied Du antrittst?

RYAN: Alle im Camp geschriebenen Songs werden in dieser Woche von einer Jury bewertet. Es ist aber letztlich unsere Entscheidung, mit welchem Beitrag wir im Vorentscheid antreten. Ich denke, ich weiß so in drei bis vier Wochen, was ich singen werde.

Und dann wird nur noch geübt?

RYAN: Ja. Im Januar fangen die Proben für die Liveshow an, die dann im Februar in Berlin stattfindet.

Kannst Du selbst bestimmen, was Du anziehst?

RYAN: Ja, man kann alles selbst bestimmen. Es stehen uns professionelle Leute zur Seite, aber die Entscheidungen treffen die Künstler selbst.

Auf welchen Medien wirbst Du für Dich?

RYAN: Im Moment noch gar nicht. Ich bin mehr mit den Inhalten als mit der Promotion beschäftigt.

Lena hat Hannover in ein gutes Licht gerückt. Du hast einmal gesagt, dass Du Dich in Oberursel nicht richtig wohlgefühlt hast, dass viel über Dich getratscht wurde. Siehst Du die Stadt noch als Deine Heimat?

RYAN: Ich identifiziere mich mit Deutschland, auch wenn ich jetzt in Los Angeles lebe. Oberursel ist meine Heimat, aber die Erinnerungen daran sind gemischt. In der Schule habe ich nicht viel Rückenwind für meine Musikkarriere bekommen.

Du trittst aber am 14. Dezember noch mal in Oberursel auf...

RYAN: Das mache ich für meinen Bruder. Er ist gestorben, als ich 15 Jahre alt war. Meine Eltern haben eine Stiftung für schwerstbehinderte Kinder gegründet, und da singe ich auf der Weihnachtsfeier. Was mit meinem Bruder passiert ist, war damals der Hauptgrund, aus Deutschland wegzugehen. Aber ich habe das Gefühl, dass inzwischen genug Zeit vergangen ist.

Könntest Du Dir also vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren?

RYAN: Ja, ich habe tatsächlich schon darüber nachgedacht. Aber im Moment wüsste ich nicht, wohin. Meine Eltern leben inzwischen in Berlin.

Und wo feierst Du Weihnachten?

RYAN: In Oberursel und in Berlin.

Was wäre für Dich das schönste Ergebnis des Auftritts beim ESC?

RYAN: Dass ich mit einem Lied gewinne, mit dem ich mich identifiziere. Dass ich in Deutschland akzeptiert werde, so wie ich bin. Das ist früher nicht passiert und wäre mega schön.

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