+

Projekt Junge Zeitung

PJZ-Schüler im Werte-Dialog mit dem Philosophen Klaus-Jürgen Grün

„Werte“ heißt das diesjährige Motto für das Projekt Junge Zeitung. Denkanstöße für ihre Beiträge erhielten die Schüler von Klaus-Jürgen Grün, Professor für Philosophie an der Frankfurter Goethe-Universität.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Diese dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschriebene Aussage wird häufig missverstanden. Meinte er damit doch nicht, dass er gänzlich unwissend ist, sondern sich vielmehr bewusst ist, über welche Dinge er kein sicheres Wissen besitzt.

Wie wichtig diese Erkenntnis auch heute noch ist, wurde Teilnehmern des „Projekts Junge Zeitung“ (PJZ) im Gespräch mit Philosophie-Professor Klaus-Jürgen Grün deutlich. Die Schüler, die in den vergangenen Monaten im Politik-Ressort mitgearbeitet haben, diskutierten im Konferenzraum der Frankfurter Neuen Presse mit Grün über das Thema „Werte“, unter dem das Projekt in diesem Jahr steht. Dabei stellte sich die Grundsatzfrage: Was ist überhaupt ein Wert? „Wenn Sie sich fragen, was das bedeutet, werden Sie merken, dass Sie es nicht wissen“, leitete Grün ein. Die Schüler sollten sich also darüber klar werden, was sie überhaupt meinen, wenn sie den Ausdruck verwenden.

Im Dialog in bester sokratischer Tradition näherten sich der Schüler Fabian Beltz und Philosoph Grün dem Wertbegriff am Beispiel der „Freiheit“ an. Beltz definierte sie so, dass „die eigene Freiheit dort endet, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird“. Ob diese Definition konsensfähig sei, fragte Grün daraufhin und führte an, dass es auch eine Freiheit vor der Einmischung anderer in das eigene Leben geben könnte. Beltz hat für die Junge Zeitung zu den Wertebegriffen in der 1968er Generation recherchiert; im Gespräch mit seinen Großeltern wollte er herausfinden, welche Werte für sie wichtig waren. Laut Grün könne man hier gut sehen, wie sich Wertvorstellungen verändern. So wurden in der 68er Generation die Werte der älteren Generation als unglaubwürdig wahrgenommen und neu definiert.

Dass Werte einem stetigen Wandel unterworfen sind, zeigen auch Studien. Für den Werte-Index 2018 führten Forscher eine Inhaltsanalyse von Beiträgen in sozialen Medien durch, um daraus konkrete Wertvorstellungen und Trends abzuleiten. Die im November 2017 veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass „Natur“ im Untersuchungszeitraum besonders häufig thematisiert wurde, gefolgt von „Gesundheit“ und „Familie“. „Freiheit“ belegte den vierten Rang und war damit nicht mehr wie in den Vorjahren unter den drei wichtigsten Werten vertreten. Auch bei anderen Begriffen wie „Erfolg“ zeigten sich teils deutliche Schwankungen.

Grün mahnte an, den Begriff „Wert“ grundsätzlich vorsichtig zu verwenden. Im Prinzip seien Werte nämlich vor allem auch Interessen. Das spiegele sich schon im Sprachgebrauch wider, wie Grün an einem Beispiel verdeutlichte. „Wir verwenden das Wörtchen ,man’, um ein persönliches Interesse so auszudrücken, als wäre es eine allgemeine Pflicht“, erklärte er. Auch die Schülerin Marlen Dannoritzer zeigte auf, dass viele Worte irreführend verwendet werden: „Das Wort ’wertvoll’ ist für mich erst mal ein neutrales Wort.“ Es könne sowohl positiv als auch negativ besetzt sein, werde aber oft mit „teuer“ gleichgesetzt. Man müsse daher immer hinterfragen, welche Interessen hinter den Werten stehen, die in Diskussionen oder bei Wahlen angeführt werden. Was bedeuten also „unsere“ Werte? Als moderner Bürger brauche man Grün zufolge kein fest vorgegebenes Moralsystem.

„Materialistisch gedacht kann man sagen: Werte und Moral beziehen sich darauf, dass ich nicht wünsche, dass das Leiden in der Welt größer wird“, verdeutlichte er. Zudem müsse man sich bewusst machen, dass Menschen in der Regel nach der „Erfüllung einer Glückserwartung“ streben. Beides zusammen reiche vollkommen aus, um ein soziales Zusammenleben zu ermöglichen. Wichtig sei auch, das Leben zu genießen, es nicht als reinen Selbstzweck zu begreifen.

In der morgigen Ausgabe werden die Schüler den Begriff der „Werte“ in verschiedenen Artikeln vertiefen. Grün gab den Schülern den Rat mit auf den Weg, sich „nicht damit zufrieden zu geben, dass Werte halt da sind“. Als Hilfestellung für die anstehenden Recherchen könnte man auch ableiten: Reflektieren, was man (noch) nicht weiß. Und dann kritisch nachfragen. So wie Sokrates. So wie ein Journalist.

dfg f dgh tg

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare