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Unterschiedliche Personengruppen verfolgen die Jagd auf "Problemwels Walli".

Umwelt

"Problemwels" schlüpft durchs Netz - Suchaktion abgebrochen

Walli, der "Problemwels", ist zwar ins Netz gegangen, doch nicht drin geblieben. Ob die Suchaktion der Stadt Offenbach nach dem Raubfisch nochmal weitergeht, entscheidet sich erst noch.

Das Drama um Walli fängt ganz klein an. Am 2. Juli informiert die Stadt Offenbach darüber, dass ein großer Wels in einem Weiher in der Nähe zur Frankfurter Stadtgrenze räubert und auch Entenküken im Visier hat. Er gilt in den folgenden Tagen als "Küken-Killer", soll außer Fischen in dem Teich auch artgeschützte Küken von Teichhühnern und Stockenten gefressen haben. Und so wird der Wels zum "Problemwels".

Die Idee ist zunächst, dass Hobby-Angler den Fisch im Teich des Offenbacher Dreieichparks fangen. Es gibt aber Proteste von Tierschützern. Dann entscheidet die Stadt: Der Wels soll aus dem Teich raus in ein anderes Gewässer, wo er artgerecht leben kann. Der Weiher gilt ohnehin als zu klein für ihn.

Der Europäische Wels ist der größte in Deutschland lebende Süßwasserfisch. Er lebt in Binnengewässern. Der Wels wird auch Waller genannt. Und so kursiert irgendwann der Name Walli für den Offenbacher "Problemwels". Nach einer Schätzung soll er 1,50 Meter groß sein. Ein Team professioneller Fischer wird gefunden. Berufsfischer Dieter Stitz legt am Samstag ein Riesen-Netz aus. Er ist nach Angaben der Stadt mit bis zu vier Fischern vor Ort. Die Aktion stößt auf großes Interesse der Anwohner. Stunden um Stunden harren die Fischer aus - doch nichts tut sich.

Der Wels habe die Küken von Teichhühnern und Stockenten gefressen, sagt Anwohnerin Helga Meyer. Deshalb sei es besser, wenn er gefangen und weggebracht werde. Ein Nachbar berichtet, er habe den Wels vergangenes Jahr gesehen, als in einer großen Aktion der Fischbestand im Teich überprüft worden sei. Schon damals sei das Tier etwa 1,30 Meter groß gewesen. Doch ist der Wels ein Killerfisch? Fest steht: Der Weiher ist voller Fische. Am Abend warten die Fischer, dass der breitmäulige Raubfisch ins Netz geht. Dann keimt die Hoffnung, dass das nachtaktive Tier in der Nacht noch ins Netz geht.

Am Sonntagmorgen kommt dann Bewegung in den Fall: "Der Wels hat einen Fisch ausgespuckt und ist uns buchstäblich durch die Maschen gegangen", sagt Stitz. "Ganz einfach." Er sei keine 1,50 Meter groß. Er schätzt die Größe des Fischs auf gerade einen Meter. "Das ist ein ganz kleiner." Der Fisch habe Stress gehabt und die Netze bemerkt. Dass er einen Fisch ausspuckt, ist für den Fachmann "ganz eindeutig ein Indiz, dass da ein Raubfisch drin ist". "Es kann auch ein Hecht sein, aber so wie es aussieht, war das ein Wels."

Die Aktion der Stadt wird am Sonntagmorgen etwa gegen 7.00 Uhr vorerst abgebrochen. Die Kosten für den bisherigen Einsatz sind unklar - geschätzt soll es mindestens um eine dreistellige Euro-Höhe gehen. Am Sonntag ist nur noch ein rot-weißes Sperrband zu sehen, das am Boden liegt. Zwei Entenküken ziehen friedlich ihre Bahnen, zwei weitere picken am Ufer in den Rasen. Ob Walli doch noch gefangen werden soll, ist offen. Die Stadt Offenbach will das weitere Vorgehen an diesem Montag abstimmen. Klar ist jedenfalls: Der Wels hat in den vergangenen Tagen reichlich Futter für Lektüre gegeben.

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