Projektingenieur Robert Klemmer zeigt die moderne Anlage im Keller eines Wohnblocks An der Ölmühle. FOTO: LANDESENERGIEAGENTUR HESSEN
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Projektingenieur Robert Klemmer zeigt die moderne Anlage im Keller eines Wohnblocks An der Ölmühle. FOTO: LANDESENERGIEAGENTUR HESSEN

Projekt Junge Zeitung

Hattersheimer Wohnpark mit grünem Gewissen

  • vonAstrid Kopp
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Ein Quartierkraftwerk der Süwag Energie AG entsteht „An der Ölmühle“ 

Hattersheim – Das gute Gewissen befindet sich im Keller des neuen Wohnparks An der Ölmühle. An der Straße Hessendamm am Ortsausgang von Hattersheim kurz vor Okriftel werden momentan die letzten von 336 Wohnungen bezugsfertig. Die ersten Mieter sind bereits im Juli vergangenen Jahres eingezogen, die letzten Umzugslaster sollen im kommenden Mai eintreffen. Gedanken über ihren künftigen Strom- und Gas-Anbieter müssen sich die Bewohner vor dem Einzug nicht machen, denn bei dem Wohngebiet handelt es sich um ein Quartierkraftwerk der Süwag. Ganz getreu dem Firmenmotto „Meine Kraft vor Ort“ werden dort durchschnittlich 80 Prozent des im Quartier gebrauchten Storms direkt erzeugt.

Im Keller des Wohnblocks 1 befinden sich die Pufferspeicher zweier Blockheizkraftwerke. Von dort aus laufen die Leitungen durch die Tiefgarage und unter der Hauptstraße entlang. In frostsicheren 80 Zentimetern Tiefe verteilen sie Strom und warmes Wasser an die vier Wohnblöcke. Produziert wird die Energie von den Blockheizkraftwerken und von sechs Photovoltaikanlagen, die auf 1500 Quadratmetern Dachfläche installiert wurden. In Spitzenlastzeiten sowie im Winter wird die nötige Wärme zusätzlich mit zwei Spitzenlastkesseln produziert.

„Wir wandeln Erdgas primär in Strom um und verwenden die dabei entstehende Wärme zum Heizen“, erklärt Robert Klemmer. Der 33-Jährige verantwortet das Quartierkraftwerk als Projektingenieur. Bereits 56 Mal hat die Süwag das als besonders umweltfreundlich geltende Konzept umgesetzt oder ist gerade dabei. „Natürlich muss man ehrlich sagen, wir verbrennen hier Gas und produzieren auch CO2“, stellt Klemmer klar. Das Gebiet komplett CO2-neutral mit Strom zu versorgen und zu beheizen, gehe nur über den großflächigen Einsatz von Grünstrom in Wärmepumpen oder in Verbindung mit Geothermie, doch das sei zu teuer und für die Bauträger uninteressant. „Aber unser vor Ort produzierter Strom verdrängt konventionellen Strom aus Kernenergie und Kohlekraft aus dem öffentlichen Netz“, betont Klemmer.

Das Vorgehen lohnt sich auch für die Bewohner des Quartiers. Da die Süwag beim Mieterstrommodell auf den Strom nur die EEG-Umlage und Mehrwertsteuer zahlt und ihn ansonsten abgabefrei verkaufen darf, sind die Preise im Durchschnitt 20 Prozent günstiger als bei den Grundversorgern. Das bessere Gewissen der Umwelt gegenüber gibt es dazu geschenkt.

Im November 2012 wurde in Kelsterbach am Mainblick das erste Quartierkraftwerk gebaut, zehn bis zwölf kommen inzwischen jährlich hinzu.

Die Zukunft mitdenken

Dabei versucht die Süwag auch schon für die Nutzung der Zukunft mitzudenken - und hat die Möglichkeit geschaffen, dass die Tiefgaragen im Wohngebiet An der Ölmühle großzügig mit Elektrotankstellen ausgestattet werden konnten. „In der Planungsphase des Quartierkraftwerks in Hattersheim 2017, 2018 war Elektromobilität noch kaum ein Thema“, erinnert sich Robert Klemmer. „Wir haben das aber schon vorausgesehen und alles entsprechend vorbereitet.“

Zum Glück, denn später fragte der Bauträger die Strom-Ladestationen an. Für die Bewohner der zwei großen Mieterblöcke stehen nun 20 Elektrotankstellen zur Verfügung. Bei den Eigentümern im vierten Block haben sich 20 dafür entschieden, ihren festen Parkplatz mit einer Ladestation versehen zu lassen – auch wenn vermutlich noch nicht alle, die jetzt einziehen, ein Elektroauto fahren. „Das Nachrüsten des Anschlusses ist schwierig, wenn wir ihn direkt einplanen, liegen die Kosten nur bei 2000 bis 3000 Euro“, erläutert Klemmer.

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