Gesellschaft

Ein Punker erzählt von seinen Wertvorstellungen

In der Gesellschaft hat jeder individuelle Wertvorstellungen. Diese überschneiden sich allerdings bei vielen Menschen. Aber wie sieht das bei sozialen Randgruppen aus? PJZ-Autorin Sina Trepte hat darüber mit dem britischen Punker Jasmine M. (17) gesprochen.

Was denkst du über Werte in Bezug auf Menschen, ihre Eigenschaften, sachliche Dinge und den Umgang untereinander?

JASMINE M.: Werte sind wichtig für jeden. Wenn Menschen keinem Standard oder Regeln folgen würden, gäbe es keine Struktur in der Gesellschaft. Jeder wäre verloren, wenn es darum gehen würde, mit Dingen umzugehen. Es wäre ein Chaos. Meiner Meinung nach ist es so, dass du an einem bestimmten Punkt in deinem Leben rebellieren und nicht das tun möchtest, was andere von dir verlangen. Wie zum Beispiel, wenn dich jemand nicht du selbst sein lässt. Selbst dann bleiben dir diese Werte erhalten und gleichen dich aus. Das ist das Wichtigste an deinen Werten.

Haben sich Werte verändert?

JASMINE: Werte haben sich definitiv geändert. Hauptsächlich wegen Leuten, die sich nicht anpassen oder ändern wollen. Oder Kinder, die so sein wollen, wie es heutzutage als cool bezeichnet wird. Sie denken nicht über die Konsequenzen nach, bevor sie etwas tun oder sich auf etwas festlegen, weil es sie nicht interessiert.

Denkst du, dass die Wertvorstellungen abhängig von den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft sind, zu denen wir gehören?

JASMINE: Ein wenig. Verschiedene Leute wollen verschiedene Dinge, welche auf verschiedene Arten wahrgenommen werden. Die verschiedenen Wahrnehmungen sind natürlich auch von Vorurteilen geprägt. Leute folgen bestimmten Werten, um zu ihrem Image beizutragen.

Wie ist es bei euch Punks?

JASMINE: Ich beispielsweise mag es nicht, das zu tun, was jeder tut. Ich liebe Freiheit. Es gibt keinen Tag, an dem ich etwas tue, was ich nicht will. Alles läuft ohne Routine und spontan. Wir Punks haben und befolgen keine normalen Regeln. Sachwerte sind bei jedem verschieden. Ich zumindest brauche kein Auto oder Handy, um glücklich leben zu können. Auch nicht die Meinung anderer oder ihre Zustimmung und Genugtuung. Außer der Freiheit ist mir meine Familie sehr wichtig.

Was sagst du dazu, Leute wegen ihren Wertvorstellungen zu verurteilen?

JASMINE: Ich finde nicht, dass Leute andere Menschen deswegen oder generell verurteilen sollten. Sie wollen selbst nicht für das verurteilt werden, was sie im Gegensatz zu anderen Dingen normal finden. Es wäre Heuchelei, wenn sie es doch tun würden.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

JASMINE: Früher wurde ich beispielsweise in der Schule gemobbt, weil ich so bin, wie ich bin. Jeder hatte etwas zu meckern oder auszusetzen an mir. Sei es an meinem Aussehen, meinem Lebensstandard, meiner Art oder egal was. Selbst meine Familie. Wichtig sind sie mir jetzt, weil sie mich nun akzeptieren und lieben, wie ich bin, ohne mich ändern zu wollen.

Haben Menschen auch einen Wert?

JASMINE: Total! Menschen schätzen andere oder sind selbst für andere wertvoll. Manche brauchen eine bestimmte Gruppe oder einzelne Menschen um glücklich zu sein. Das ist dann ihr Wert. Der eigene Wert wird oft vergessen und unter andere, unwichtige Dinge gestellt – was aber falsch ist. Jeder Mensch hat einen Wert und sollte sich dessen bewusst sein.

Gibt es einen Tipp fürs Glücklichsein bei euch?

JASMINE: Keine Angst vor sich selbst haben! Um ehrlich zu sein: Alles, was du tun kannst, ist, du selbst zu sein. Wenn du Dinge nur tust, um allen gerecht zu werden, bist das nicht du. Deswegen mache dein eigenes Ich zu deinen Wertvorstellungen. Dann klappt auch alles, so wie du es möchtest. Jedenfalls funktioniert das bei mir.

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