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Hier überwacht unsere Raumfahrtagentur ihre schwerste Mission

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    Rebecca Röhrich
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Raumsonde BepiColombo startet im Oktober zur anspruchsvollsten interplanetaren Mission der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA). Das Ziel ist Merkur, der kleinste Planet unseres Sonnensystems. Und der ist nur einen Wimpernschlag von der Sonne entfernt. Sieben Jahre wird die Reise dauern und an ihrem Ende wartet auf "Bepi" ein noch sehr unerforschtes Gebiet.

Raumsonde BepiColombo startet im Oktober zur anspruchsvollsten interplanetaren Mission der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA). Das Ziel ist Merkur, der kleinste Planet unseres Sonnensystems. Und der ist nur einen Wimpernschlag von der Sonne entfernt. Sieben Jahre wird die Reise dauern und an ihrem Ende wartet auf "Bepi" ein noch sehr unerforschtes Gebiet.

Reisestrecke: Neun Billionen Kilometer

Bereits jetzt simuliert die Mission Control die Expedition bei der ESA in Darmstadt. Von dort wird die gesamte Reise von Bepi überwacht.

Neun Billionen Kilometer wird sie zurücklegen, bis die kleine Sonde am Ende ihrer langen Reise am Merkur ankommt. Das ist etwa neun Mal so lang, wie die Umlaufbahn der Erde um die Son

Der wichtigste Moment

Wenn am 19. Oktober dieses Jahres zwischen drei und vier Uhr morgens unserer Zeit die Ariane-Rakete „Bepi“ vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ins All bringt, werden hier in Darmstadt alle gespannt auf die Bildschirme starren.

Die einen vielleicht vorgebeugt, mit den Nasen fast am Display, die anderen starr zurückgelehnt, die Hände hinter dem Kopf gefaltet. Auf den Bildschirmen wird die Rakete zu sehen sein, wie sie mit einem Feuerschweif in den Himmel startet.

20 Jahre Entwicklung und Forschung liegen dann schon hinter der Mission. „Der Start ist so etwas wie eine Geburt“, sagt Flugdirektor Andrea Accomazzo. Er sei eines der gefährlichsten Manöver der Reise. Etwa eine Stunde vor Raketenstart gibt es deshalb einen besonderen Moment.

"Bist du bereit?"

„Bist du bereit?“, wird dann Flugdirektor Accomazzo jeden einzelnen Mitarbeiter der Mission fragen. Und alle werden ihre Bereitschaft bestätigen. Das ist mehr ein Ritual, als tatsächlich notwendig. Denn die Vorbereitungen werden zu diesem Zeitpunkt schon lange abgeschlossen sein.

Eine  halbe Stunde wird Bepis Ritt auf der Rakete bis ins All dauern, dann lässt sie die Rakete los. Sobald die Sonde frei ist, faltet sie ihre Solarpanels aus und wird dann hoffentlich die ersten Daten senden. Zahlenreihen werden dann hier im Kontrollzentrum der ESA über die Bildschirme laufen. Und dann wird Jubel in Darmstadt ausbrechen - zumindest ein bisschen. 

Ist der Auftakt geglückt, wird die Mission auf der großen Tafel hinzugefügt. Dort, wo schon die legendäre Rosetta-Mission und alle anderen Reisen ins All verewigt wurden.

Derweil fliegt Bepi durch das Vakuum des Alls, angetrieben von Sonnenenergie und der Gravitation der Planeten, die sie passiert. Die Gravitationsfelder von Erde, Venus und Merkur nutzt die Sonde, um die Flugrichtung zu ändern und abzubremsen – Swingby-Manöver nennen das die Wissenschaftler. Fancy Weltraumshit nennen wir das.

Im Schichtdienst überwachen Informatiker und Wissenschaftler von Darmstadt aus die Reise. Prüfen, ob die Solarpanels richtig ausgerichtet sind, lösen mögliche technische Probleme. Und sie achten vor allem darauf, dass die Panels nie vollständig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind – das würde sie nämlich zerstören.

Der Riese am Horizont

Eine echte Herausforderung: gleich hinter Merkur ragt die Sonne als gigantischer Stern am Horizont. Sie ist gerade mal 58 Millionen Kilometer vom Merkur entfernt. In Weltraumdimensionen ist das ein Katzensprung.

Erst zwei irdische Sonden haben deshalb diese weite und vor allem heiße Reise gewagt. Der Merkur ist der am wenigstens erforschten Planeten des Sonnensystems. Die Wissenschaftler rechnen dort mit rund 350 Grad am Tag – das ist in etwa so heiß wie in einem Pizzaofen. Zu heiß für die empfindlichen Geräte im Innern der Sonde.

Dünner als Alufolie

Lange habe die Forscher herumexperimentiert, bis sie herausgefunden haben, wie sie die komplexe Technik vor der Hitze schützen können. Nun wird die Sonde in eine Plane gehüllt, die dünner ist als Alufolie und trotzdem die Temperaturen in der Sonde bei etwa 80 Grad halten kann.

Und dann, nach etwa einem Jahr im Orbit vom Merkur, wird Bepi auf dessen Oberfläche stürzen. Ihre Einzelteile werden dort bis in die Ewigkeit überdauern, oder bis eine andere Lebensform auf sie stoßen wird.

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