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PJZ-Interview mit Firas Alshater auf der Frankfurter Buchmesse

Interview mit Firas Alshater

"Sein eigener Held sein"

Mit humorvollen Beiträgen begeistert der nach Deutschland geflüchtete Syrer Firas Alshater (25) auf seinem ouTube-Kanal „Zukar“ die junge Generation – und will dadurch Deutsche und Syrer einander näher bringen. Nun schrieb er auch sein Buch „Ich komm auf Deutschland zu“. Ist er deswegen ein Vorbild? Das wollten Varinia König, Jana Anhamm, Marieka Herpolsheimer und Miriam Heezen vom Projekt „Junge Zeitung“ von ihm wissen, das diesmal unter dem Thema „Helden“ steht. Sie erfuhren auf der Buchmesse aber auch, wie der 25-Jährige mit Heiratsanträgen umgeht.

Mit humorvollen Beiträgen begeistert der nach Deutschland geflüchtete Syrer Firas Alshater (25) auf seinem ouTube-Kanal „Zukar“ die junge Generation – und will dadurch Deutsche und Syrer einander näher bringen. Nun schrieb er auch sein Buch „Ich komm auf Deutschland zu“. Ist er deswegen ein Vorbild? Das wollten Varinia König, Jana Anhamm, Marieka Herpolsheimer und Miriam Heezen vom Projekt „Junge Zeitung“ von ihm wissen, das diesmal unter dem Thema „Helden“ steht. Sie erfuhren auf der Buchmesse aber auch, wie der 25-Jährige mit Heiratsanträgen umgeht.

Du schreibst, dass Dich die deutsche Vorliebe für Papier – von den Papieren bis zum Toilettenpapier – überrascht hat. Was hat Dich sonst noch verblüfft?

ALSHATER: Es gibt das Vorurteil, dass Deutsche pünktlich sind. Aber dass das wirklich nicht stimmt, sieht man etwa an der Deutschen Post.

Was findest Du hier zu Lande besonders witzig?

ALSHATER: Dass alle Deutschen die Bürokratie hassen, aber sie trotzdem akzeptieren.

Erzähl doch mal ein Beispiel für die Unterschiede zwischen deutschem und syrischen Humor…

ALSHATER: Hier habe ich folgenden Witz gehört: „Warum hassen die Araber Schach? Weil die Frau überall hingehen kann.“ Aber in Syrien funktioniert der Witz nicht, weil die Schachfigur, die hier die  Königin ist, „Minister“ heißt.

Worüber würdest Du keine Witze machen, wo ist für Dich die Grenze?

ALSHATER: Es gibt keine Grenze der Satire. Aber ich würde aufhören, wenn ich jemanden verletzten und beleidigen würde.

Du schreibst, dass Dir jetzt jeder Momentals großes Glück erscheint, weil Du so oft den Tod gesehen hast. Wie schaffst Du das?

ALSHATER: Ich habe Menschen neben mir sterben sehen. Aber ich lebe noch und kann noch helfen. Man darf das Glas nicht halb leer, sondern muss es halb voll sehen. Das Geschehene könnte ich auch nicht ändern, wenn ich weinen würde oder Depressionen bekäme.

Warum hast Du Dich entschieden, Videos zu machen?

ALSHATER: Seit Anfang der Revolution in Syrien habe ich dokumentiert, was ich gesehen habe. Ich wollte ein Bewerbungsvideo für die Universität darüber drehen. Aber es war sehr blutig. Deswegen haben mein Team und ich uns entschieden, lieber etwas Witziges zu machen. Ich habe bei Facebook mein erstes Video hochgeladen. In zehn Tagen hatte ich über drei Millionen Klicks, über 10 000 Abonnenten, und die Leute wollten, dass ich weitermache. Deswegen tue ich das.

War es auch eine Art Therapie, um zu verarbeiten, was Du erlebt hast?

ALSHATER: Nein, dafür braucht man Zeit. Mein YouTube-Kanal, meine Facebook-Seite, mein Buch sind nur Wege, um meine Geschichte zu erzählen und meine Meinung zu sagen, ohne Angst zu haben.

Glaubst Du, dass Du ein Held für syrische Jugendliche in Deutschland bist?

ALSHATER: Ich will kein Vertreter für die Flüchtlinge oder alle Syrer in Deutschland sein. Aus meiner Heimat kommen ganz verschiedene Menschen hierher – manche sind offen, andere nicht. Die einen beschweren sich: „Warum redest Du auf Deinen Videos nur Deutsch?“ Und die anderen sagen: „Mach weiter, Du bist ein Vorbild für die Syrer hier.“ Es gibt beides.

Wie unterschiedlich die Gesellschaft in Syrien ist, zeigt sich ja schon daran, dass zwei Syrer in dieser Woche auf den Titelblättern der deutschen Zeitungen standen – der

eine war ich im „Tagesspiegel“, der andere ein Terrorist. Was sind denn richtige und falsche Helden?

ALSHATER: Falsch sind sie, wenn jemand wie eine andere Person sein will. Denn dann ist er nicht er selbst. Auf meinem Ohrstecker steht: „Sometimes you have to be your own hero“ – Manchmal musst du dein eigener Held sein.

Welche Menschen verhalten sich Deiner Ansicht nach heldenhaft?

ALSHATER: Es gibt Leute, die noch versuchen, in Syrien Menschen zu retten oder Flüchtlinge im Mittelmeer. Manche Ärzte sind auch dort geblieben, um zu helfen.

Davor habe ich großen Respekt.

Wie gehst Du mit Hasskommentaren um?

ALSHATER: Ab und zu bekomme ich welche. Aber die interessieren mich nicht, sondern die vielen Menschen, die mich unterstützen. Ich habe mal in einem Video gesagt:

„Willst du schön sein? Dann sei mit Leuten zusammen, die dich schön finden.“

Wie viel Rassismus hast Du außerhalb des Internets erlebt?

ALSHATER: Noch gar keinen, vielleicht hatte ich Glück.

Warum ist Humor der beste Weg, ein Mensch zu sein?

ALSHATER: Ich habe auf meine Videos viele Kommentare bekommen, in denen Menschen sagen: Endlich kein Hass! Manche haben ihre Meinung über Syrer geändert.

Ich habe seitdem auch viele Heiratsanträge bekommen.

Und hast du einen angenommen?

ALSHATER: Nein, noch nicht. Es gibt immer Bewerbungsgespräche, dann entscheide ich später (lacht).

Wenn Du eines Tages nach Syrien zurückkehren könntest, welche Erfahrungen

würdest Du mitnehmen?

ALSHATER: Ich bin sehr erwachsen geworden in Berlin – dadurch dass ich in dieser Stadt erfahren habe, wie sich Menschen unterschiedlicher Kultur gegenseitig akzeptieren. Was ich in Deutschland am meisten mag, ist die Freiheit.

Hat dich diese Freiheit selbstbewusster gemacht?

ALSHATER: Eher kreativer. Nach dem Studium muss man in Syrien zwei, drei Jahre zum Militär. Danach kämpft man im Alltag ums Überleben. Deswegen hat man keine

Zeit, um kreativ zu sein.

In der Zeit im Flüchtlingsheim hast Du Dich mit einem Stein verglichen. In welchem Zustand bist Du jetzt?

ALSHATER: Jetzt bin ich kein Stein mehr, sondern ein Vogel. Ich bin frei, das zu tun, was ich will.

Firas Alshater: Ich komm auf Deutschland zu. Ein Syrer über seine neue

Heimat. Ullstein Verlag, Berlin 2016,

240 Seiten, 14,99 Euro.

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