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Hallo, wir sind’s. Thorsten Schäfer-Gümbel, Chef der SPD-Hessen, und Gisela Stang, stellvertretende Landesvorsitzende. Stang hatte ihren Posten als Bürgermeisterin in Hofheim geräumt, um bei einem Wahlerfolg nach Wiesbaden zu gehen, doch zogen etliche Genossen an ihr vorbei.

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SPD-Bürgermeisterin gab vergeblich Posten auf, um in den Landtag zu wechseln

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Seit neun Jahren ist Gisela Stang stellvertretende Chefin der Hessen-SPD. Ausgerechnet jetzt, da sie den Bürgermeisterposten im Hofheimer Rathaus aufgegeben hatte, um in den Landtag zu wechseln, hat es mit dem Sprung nach Wiesbaden nicht geklappt.

Eigentlich habe sie nur ein achtbares Ergebnis einfahren wollen, schrieb diese Zeitung am Tag nach der Wahl im März 2001. Das war auch ein realistisches Ziel, wie auch die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung am gleichen Tag zeigte: Gisela Stangs SPD erreichte 27,2 Prozent der Stimmen, viel mehr war im bürgerlich-konservativ geprägten Hofheim nicht drin.

Um so größer war die Überraschung, als nach einem Auszählungskrimi feststand, dass die damals 31-jährige Stang mit einem Vorsprung von 34 Punkten zur Hofheimer Bürgermeisterin gewählt wurde. Und plötzlich wussten auch alle, woran es gelegen habe: Stang habe den engagierteren Wahlkampf gemacht und mehr Unterstützung ihrer Partei gehabt, ihrem Gegenkandidaten Gerd Czunczeleit wurde ein etwas schnoddriger Umgang mit den Wählern und seine Unterstützung für den Flughafenausbau vorgeworden.

Stang erinnert sich noch genau daran, dass Amtsvorgänger Rolf Felix sie mit der Bemerkung im Büro empfangen habe, lange werde sie dort ohnehin nicht bleiben, sondern sich in Richtung Wiesbaden verabschieden. Auch andere sind überzeugt, dass sie eigentlich nur antrat, um sich mit einem guten Ergebnis für eine Landtagskandidatur zu empfehlen. Plausibel daran ist, dass die Parteien und gerade auch die SPD genau so funktionieren.

Bis zum September allerdings hatte sie wiederholt erklärt und tut das bis heute, dass es für sie eine tolle Sache sei, in ihrer Heimatstadt Bürgermeisterin zu sein. Bei früheren Landtagswahlen habe sie nie ernsthaft einen Wechsel in die Landespolitik erwogen. „Das war nie eine Option“, sagt sie. Erst für die Wahl im Oktober habe sie sich entschieden, den Sprung nach Wiesbaden zu versuchen.

Eine gewisse Affinität zur Landespolitik gibt es schon. Nach zwei Jobs im Marketingbereich wurde sie 1998 persönliche Referentin der hessischen Kultusministerin Christine Hohmann-Dennhardt (SPD), seit 2009 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende der SPD. Da wäre der Wechsel nach Wiesbaden schon folgerichtig gewesen. SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hatte sie in sein Schattenkabinett geholt, als potenzielle Kultusministerin.

Verständlich wäre ein früherer Wechsel auch aus weiteren Gründen gewesen. Zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts gab es eine heftige Debatte um den Bau eines innerstädtischen Einkaufszentrums, die sich noch Jahre hinzog. Mit dem früheren Ersten Stadtrat gab es erheblichen Ärger, dann hatte sie für eine Wahlperiode keine Mehrheit im Parlament hinter sich, sondern musste mit einem CDU-FDP-Bündnis zurechtkommen. Spaß gemacht hat ihr das nicht immer.

Jetzt sollte es so weit sein. Stang rechnete sich bei der Direktkandidatur gegen CDU-Mann Axel Wintermeyer allenfalls Außenseiterchancen aus, war aber mit dem 26. Platz auf der Landesliste zufrieden. Am Wahlabend zogen aber ein halbes Dutzend Genossen aus Nordhessen an ihr vorbei, indem sie ihre Wahlkreise direkt gewannen. Stang käme nur nach Wiesbaden, wenn die SPD in die Regierung einträte oder wenn drei andere Abgeordnete bald ausschieden – beides ist unwahrscheinlich.

„Ich bin komplett ohne Groll“, sagt sie heute. Traurig und enttäuscht sei sie wegen des Wahlergebnisses schon. Aber Politiker würden auf Zeit gewählt. „Das muss man akzeptieren, wenn man sich auf dieses Spiel einlässt.“ Angekündigt hatte sie, in dem nun eingetretenen Fall beispielsweise bei einer Nichtregierungsorganisation oder in der Wirtschaft zu arbeiten. Anfragen habe es schon gegeben. Aber sie kann sich Zeit lassen mit der Entscheidung.

Ausgeschlossen habe sie den Rücktritt vom Rücktritt. In Hofheim bleibe sie wohnen, aber nicht Bürgermeisterin. „Ich werde immer ein politischer Mensch bleiben“ so Stang.

„Lasst uns weiterkämpfen, für eine gerechtere Welt“, hat sie nach der Wahlniederlage auf ihre Facebook-Seite geschrieben. „Bei schönem Wetter kann jeder segeln, wir können auch Sturm.“ Nach einem endgültigen Abschied aus der Politik klingt das nicht. Gewählt wird ja immer wieder einmal . . .

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